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Die Wahrheit des Wortes

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Und schon wieder Terror

1. Dezember 2010

In der letzten Woche war die terroristische Bedrohungslage in Deutschland das große Thema und nun sind wir unbeschadet im letzten Monat des Jahres 2010 angekommen und stehen direkt vor der nächsten vermeintlichen terroristischen Bedrohung, denn eigentlich schon seit Mitte November hat man in Deutschland, wie jedes Jahr um diese Zeit, mit immer massiveren Auswüchsen des Konsumterrors zu tun. Dreht sich das Leben eigentlich scheinbar so oder so nur noch um dieses Thema, ist es in der Vorweihnachtszeit natürlich besonders schlimm, denn hier geben die Medien und die Wirtschaft noch einmal alles, und dies ist durchaus wörtlich zu sehen, um die Geschäftszahlen des ablaufenden Jahres noch einmal zu schönen, um dann zum Jahresende doch noch halbwegs gut da zu stehen. Die Rituale sind in jedem Jahr die selben, nur dass sie in ihrer Ausprägung immer mehr wachsen. Wenn man sich die Schwemme an Weihnachtsartikel oder auch an Artikeln die allgemein für dieses Kaufrauschfest ins Spiel gebracht werden, anschaut, wird einem bewusst wo der Hase oder viel mehr der Weihnachtsmann lang läuft. Und in gut vier Wochen ist auch dieser Spuk schlagartig vorbei und man kann schon gespannt sein, wie es dann in 2011 aussehen wird.

So viele Zahlen
Der Zeitpunkt an dem die Weihnachtszeit beginnt, schleicht sich auch Jahr für Jahr mehr nach vorne und die Produkte finden sich immer früher in den Konsumtempeln. Aber auch Weihnachtsmärkte eröffneten in diesem Jahr zum Teil schon Mitte November. Man will die Zeit des Kaufrauschs eben so groß wie irgendwie möglich halten, schließlich macht man in dieser Zeit gut 20 Prozent des Jahresumsatzes. Dabei vergisst man scheinbar, dass mehr Zeit nicht auch bedeutet, dass die Menschen mehr Geld haben, welches sie ausgeben können. Man muss auch beachten, dass manch einer auch in diesem Jahr einfach nur spart, da der Durchschnittsbürger auch im nächsten Jahr wieder weniger in der Geldbörse haben wird. Für diesen Fakt sorgt zum Beispiel der Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), der es den Krankenkassen mit seiner Gesundheitsreform, die angeblich so gut ist, wesentlich einfacher macht, dem Bürger das Geld aus der Tasche zu ziehen. So versteht man scheinbar bei der FDP gerechte Politik für die Bürger. Diese Überlegung teilen, nicht ganz überraschend, allerdings nur die wenigsten Bürger und Wähler, was auch immer wieder sehr gut in den Umfrageergebnisse abzulesen ist. Von alldem möchte man aber natürlich im Weihnachtsgeschäft nicht gestört werden.

Um eben genau solche Störfeuer abzuwehren, gibt es seit Jahren schon ein sehr schönes Ritual. Zu Beginn des Weihnachtsgeschäftes wird über die Medien mit verschiedensten Quellen und Zahlen verbreitet, dass das Weihnachtsgeschäft im aktuellen Jahr großartig anläuft. Man stellt, wie auch in diesem Jahr, auch schon einmal gerne einen Zusammenhang zum Wetter her. Erstaunlich daran ist, dass das Einkaufen in den letzten Jahren dank riesiger Shopping Malls immer wetterunabhängiger geworden ist, was natürlich zeigt, wie relativ solche Erklärungen sind. Die Erklärungen, wie gut die Geschäfte laufen, folgen natürlich einer gewissen psychologischen Logik. Denn viele Menschen, die sich bis dahin aus den verschiedensten Gründen aus dem Konsumwahn herausgehalten haben, werden so auch noch aktiviert. Schließlich muss man doch auch einkaufen, wenn scheinbar schon alle Nachbarn die Geschenke haben, denn wie würde man ansonsten da stehen. Zum Ende des Weihnachtsgeschäftes, was natürlich erst im Folgejahr liegt, denn man hat dieses Zeit in beide Richtungen ausgedehnt, denn nach den Feiertagen ist Saison für Umtausch, Geldgeschenke und die Gutscheine, freut man sich dann immer über bessere Zahlen als im Vorjahr. Immer mehr Wachstum, genau wie man es als Raubtierkapitalist mag.

Wenn die Realität kommt
Ist die Zitrone erst richtig ausgepresst, kommt dann irgendwann einige Monate später eine weitere Runde an Zahlenspielen auf und die besagt nicht selten, dass alles doch nicht so gut war, wie es die vermeintlichen Experten prognostiziert hatten. Natürlich kann eine solche Abweichung immer mal passieren, dass ist gar keine Frage, nur man scheint an dieser, wie auch an ähnlich gelagerten Stellen, eine gewisse Regelmäßigkeit erkennen zu können, was natürlich den Verdacht zu lässt, dass hier mit System ans Werk gegangen wird. Mit Interesse kann man hier auch die Rolle der Medien verfolgen, die diese Spiel blind mitspielen und das Jahr für Jahr. Aber auch hier ist recht eindeutig, warum dem so ist. Desto schlechter es den Märkten geht, desto negativer wirkt sich dies auch auf die Werbeeinnahmen aus. Dies bedeutet, die Sender bekommen weniger Geld und somit schrumpfen die Gewinne. Da es in der heutigen Medienlandschaft scheinbar auch nur noch um Gewinnmaximierung, anstatt um unabhängige Inhalte geht, ist auch das Handeln dieser Protagonisten nicht sehr überraschend. Auch an diesem Beispiel lässt sich natürlich sehr schön nachvollziehen, wie tief der Konsumterror im System verhaftet ist.

Mit Besinnlichkeit,  Ruhe und Frieden hat all dies schon lange nichts mehr zu tun und auch dies ist ein Zeichen unserer Zeit. Das Individuelle, das Persönliche verschwindet immer mehr hinter dem Vorhang des totalen Konsumwahns. Auch die Waren sind schon seit langer Zeit nicht mehr auf Nachhaltigkeit ausgelegt, schließlich ist man in zwölf Monaten schon wieder mittendrin, in der nächsten Runde des Konsumterrors und wäre dann die Digitalkamera aus dem letzten Jahr noch gut, der PC brauchbar und der Fernseher groß genug, wäre all dies geschäftsschädigend, also sorgt man dafür, dass ausreichend neuen Bedürfnisse geschaffen werden, damit sich das Rad weiter dreht. Nun muss man auch sagen, dass es all dies nicht umsonst gibt und schon sieht man einen Grund dafür, warum immer mehr Haushalte überschuldet sind und die Zahl der Privatinsolvenzen immer mehr ansteigt. Dies gilt natürlich auch für den anwachsenden Bereich der Zweitjobs. Jeder für sich sollte sich vielleicht in einer stillen Weihnachtsminute, sofern man diese findet, überlegen, ob all dies eigentlich wirklich Sinn macht oder ob es nicht vielleicht Wichtigeres im Leben gibt und man auf dieser Ebene seinen ganz persönlichen Antiterrorkampf gegen den Konsumterror führen sollte, schließlich ist man ein mündiger Bürger.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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