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Die Wahrheit des Wortes

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Und schon wieder ein Sommermärchen

10. Juni 2008

Man kann es langsam nicht mehr hören. Aber die Medien werden nicht müde, immer wieder neue Märchen entstehen zu lassen. Es geht hierbei allerdings nicht um Fehlinformationen oder die Verschönerung schlechter Nachrichten. Es geht um die Fußball-EM 2008 die am Wochenende in Österreich und der Schweiz begann. Dieses bewegende Sportereignis wurde, spätestens nachdem Sieg des deutschen Teams über Polen, vielfach zum Beginn eines weiteren Sommermärchens deklariert. Man kann nicht sagen, dass die Strategie nicht aufgehen würde. Ganz Deutschland ist seit Tagen ein internationales Flaggenmeer und alle europäischen Nationen zeigen ein Mal mehr ihren Nationalstolz. Europa, wie auch der Sport selbst, hat genug Sorgen über die es sich lohnen würde zu reden aber scheinbar ist eine Vielzahl der Menschen sehr froh, mindestens für die nächsten drei Wochen, gut abgelenkt zu sein.

Fußball scheint wichtiger als Völkermord

In Deutschland jagt eine Bespitzelungsaffäre die nächste. Es hat den Anschein als wird hier sehr konzeptionell in der deutschen Wirtschaft vorgegangen. Bei der Deutschen Bahn AG wechselte zu letzt erst ein hoher Gewerkschaftsfunktionär in das Topmanagement des Unternehmens, dessen Arbeitnehmer er lange Zeit vertrat. Die Preise steigen auch weiterhin in einem Maßstab der zu Schwindelanfällen führt. Aber all dies scheint nur am Rande zu interessieren, denn wir dürfen alle mit Spannung verfolgen wer Europameister wird. Das Wetter spielt zur Zeit mit, die Fanmeilen, die man nach zwei Jahren auch Mal wieder ausgegraben hat, füllen sich mehr und mehr und es scheint in diesem globalen Rausch völlig unterzugehen, dass nur ein Bruchteil der Menschen, die nun für ihre Nation `Flagge zeigen`, dies im Kontext der jüngsten Tibetproblematik geschafft haben. Darf man daraus schließen, dass kultureller Völkermord unwichtiger ist als Fußball?

Ganz konkret und direkt auf Europa bezogen gibt es aber natürlich auch interessante Fakten. So konnte ich mich die letzten Wochen persönlich davon überzeugen, dass so gut wie ganz Schottland und weite Teile Englands scheinbar zum Verkauf stehen. Dies liegt laut BBC-Informationen an der schlimmsten Immobilienkrise in Großbritannien seit 1993. Der Werteverfall im Immobiliensektor ist so massiv, dass sehr viele Familien nur noch die Möglichkeit eines schnellen Verkaufs sehen. Es wäre natürlich nicht fair zu behaupten, dass dieses Thema in Großbritannien, neben dem explodierenden Ölpreis, die Medien beherrscht. Dieser Vergleich würde hinken, da weder England, noch Schottland in der Schweiz und Österreich dabei sind und ein Sommermärchen hier somit ausgeschlossen ist. Man merkt aber auch hier, dass die Probleme in der europäischen Wirtschaft nicht unbedingt weniger werden und die Welle aus den USA bedrohend schnell heran naht.

Die Realität wird kommen

In Deutschland steigt der Gaspreis dieser Tage ein Mal mehr um 25 Prozent und das Umweltministerium spekuliert schon ein Mal über weitere 40 Prozent im Herbst dieses Jahres. Die Stimmen nach einer Aufhebung der Kopplung vom Gaspreis an die Mineralölpreise wird da immer lauter. In diesem Getöse, welches völlig unabhängig von den zu Grunde liegenden juristischen Fakten entbrannt ist, geht völlig unter, dass es bei der Ölpreisexplosion ganz offensichtlich auch zu einem großen Teil, um einen Bestandteil des Turbokapitalismus geht. Denn dieser völlig überhitzte Markt, ist scheinbar auch sehr stark von Spekulationsspielchen angeheizt worden. Das Interesse diese in den Griff zu bekommen, ist aber wohl auch sehr gering und steht natürlich auch zu Zeiten sportlicher Großereignisse nicht ganz oben auf der Agenda vieler Verantwortlicher.

Scheinbar steht auch auf keiner Agenda, dass es einen neuen Wachstumsmarkt in Deutschland gibt. Der Bereich der Billiglohnarbeitsplätze wächst und wächst. Natürlich kann man in Zeiten eines emotionalen Hochgefühls, wie es der Zeit vorherrscht, auch hier eine positive Entwicklung sehen. Denn es wandern immer weniger Arbeitsplätze ins Ausland ab. Fraglich bleibt ob die These, dass es besser ist einen Job zu haben von dem man nicht Leben kann, als gar keinen Job zu haben, auch noch glücklich macht, wenn auch dieses Sommermärchen in gut drei Wochen vorbei ist. Man sollte bei aller Euphorie, bei jedem Hupkonzert über einen nicht allzu relevanten Vorrundensieg auch immer vor Augen haben, es handelt sich auch dies Mal nur um ein Märchen und die Realität ist schneller wieder da als man glaubt und dann sollte man die Realität nicht mit dem Kater danach verwechseln.

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Kategorie: Europa · Free Tibet · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Thomas // 12. Jun 2008 at 22:47

    Diese Dinge stehen doch unverbunden nebeneinander. Warum soll ich mich nicht für Fußball interessieren dürfen, nur, weil es auf der Welt auch Schlechtes gibt?

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