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Die Wahrheit des Wortes

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Unbekannte Riesen

21. September 2010

Vor geraumer Zeit wurde auf dieser Erde erstmals der Punkt erreicht, an dem mehr Menschen in einem urbanen Umfeld, also in Städten leben, als auf dem Land. Dies stellt natürlich eine tiefgreifende gesellschaftliche Umstellung dar, die man gerade auch als Europäer und vor allem auch als Deutscher kaum fassen kann. Ein Effekt dieser globalen Veränderung sind immer größer werdenden Megacities auf dieser Welt. Diese neue Form des Zusammenlebens bietet natürlich große Chancen und ganz neue Möglichkeiten aber eben auch große Risiken. Schaut man sich Großstädte in Deutschland an, wie zum Beispiel die viertgrößte Stadt, Köln, wo auch unsere Redaktion sitzt, kann man wohl kaum von einer Megacity sprechen, auch wenn es hier schon krasse Beispiele gibt, wie Leben in einer großen Stadt aussehen kann. Jeder der das Unicenter kennt, weiß wovon die Rede ist aber all dies ist nichts im Vergleich mit den Riesen im Osten, den unbekannten Millionenstädten Chinas.

CITIES UNKNOWN
Große gesellschaftliche Veränderungen wie diese, spiegeln sich auch sehr oft in der Kunst wider und finden dort ihren Ausdruck. So ist es auch im Bereich der Megacities, denen sich der renommierte Architekturfotograf HGEsch in seinen freien Arbeiten schon seit Jahren verschrieben hat und ein immer größeres Publikum damit begeistert. Nun arbeitet er schon seit längerer Zeit an seinem neusten Projekt CITIES UNKNOWN in dem es um den rasanten Wandel der im Westen meist unbekannten Millionenstädte Chinas geht. Für dieses Projekt bereiste HGEsch über mehrere Monate mit einer Leica S2 bewaffnet die Metropolen abseits der wirtschaftlichen und kulturellen Giganten, wie zum Beispiel Hong Kong oder Shanghai. Was man auf seinen außergewöhnlichen und brillanten Aufnahmen sieht, verdeutlicht vor allem auch, warum man diese Art der Megacities als Europäer kaum verstehen kann aber genau diese Entwicklung scheint der Weg in die Zukunft zu sein, auch wenn sie in Europa noch einmal ganz anders aussehen wird.

Zu Beginn dieses Artikels ging es schon einmal um das Unicenter in Köln, hier spricht man von einem Dorf in der viertgrößten Stadt Deutschlands, denn in diesem Hochhaus leben alleine schon gut 2.000 Menschen und solche Wohnblöcke sind keine Seltenheit. Hier ergeben sich ganz neue Strukturen, es wird anonymer und auch komprimierter. Das Leben verdichtet sich und dies ist auch etwas, was man in noch viel, viel extremerer Form aus den Werken von HGEsch entnehmen kann, da natürlich der Komprimierungsgrad in den Metropolen Chinas noch einmal ein wesentlicher größerer ist, als man ihn in Deutschland oder sonst wo in Europa jemals vorfinden würde. Wer sich mit den freien Arbeiten von HGEsch näher beschäftigt, weiß dass genau hier auch die Faszination seiner Bilder liegt, denn er schafft es in einer einzigartigen Art und Weise Momentaufnahme entstehen zu lassen, die diese atmosphärische Verdichtung der ausufernden Millionenstädte nahezu physisch erlebbar machen. Im gleichen Moment schafft HGEsch es aber auch die Distanz zu wahren und diese zukünftigen Megacities so zu zeigen, wie sie sind. So entstehen authentische, ungeschönte und einfach nur spektakuläre Aufnahmen.

China in Köln
Wenn es um das Thema Fotografie im allgemeinen geht, ist Köln in diesen Tagen die wichtigste Stadt, denn gerade startet die Photokina, die weltweit größte Messe zum Thema und dies führt natürlich zu allerlei großartigen Ausstellungen in der Stadt. Da ist es nur selbstverständlich, dass HGEsch sein gerade besprochenes Projekt auch präsentiert. Dies tut er auch in diesem Jahr wieder im Werkstattgebäude des Carlswerks im Kölner Stadtteil Mülheim. Die Ausstellung mit dem Titel CITIES UNKNOWN, die man nicht nur rein aus einem künstlerischen Aspekt heraus gesehen haben muss, ist dort noch bis zum 30. November 2010 zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung jeweils von Montag bis Freitag von 10 Uhr bis 17 Uhr. Während der Photokina, also noch bis zum 26. September 2010, kann man sie sogar bis 21 Uhr besuchen und hat somit auch noch ein ideales Anschlussprogramm an die Messe. Wie gesagt, diese Ausstellung vereint gleich mehrere Aspekte, die einen Besuch sehr lohnenswert machen, denn natürlich hat sie neben dem künstlerischen Aspekt, auch noch einen sehr hohen dokumentarischen Anspruch.

Am gestrigen Abend gab es die Vernissage zu dieser Ausstellung im Carlswerk und wie gewohnt war es ein voller Erfolg, denn außer den gezeigten Werken, gab es auch interessanten Laudatoren, wie zum Beispiel Herrn Stephan Gemkow, den Finanzvorstand der Lufthansa AG oder auch den Aufsichtsratsvorsitzenden der Leica Camera AG Herr Andreas Kaufmann. Richtig interessant waren aber natürlich die Ausführungen von Herrn Professor Eckhart Ribbeck aus Heidelberg, ein Experte für Städtebau im allgemeinen und ein hervorragender Chinaexperte, was man seinen detaillierten Ausführungen zum Thema auch anmerken konnte ohne auch nur im Ansatz gelangweilt zu sein, denn auch wenn es um China ging, gab es hier kein Fachchinesisch. Dies galt im übrigen auch für Herrn Professor Klaus Honnef aus Bonn, der nicht nur als Publizist und Kurator in Erscheinung tritt, sondern auch ein ausgewiesener Experte im Bereich der Theorie der Fotografie ist. Man muss einfach festhalten, dass hier in besonderer Weise ein Beitrag zum besseren Verständnis des urbanen Lebens in unserem Jahrtausend geleistet wurde und dies ist natürlich ein wichtiger gesellschaftlicher Beitrag, den es zu loben gilt.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Kultur

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Art for Europe » Chinesisch mit Freu(n)den // 27. Sep 2010 at 07:32

    [...] auch direkt im hohen Tempo weiter. So fand am Montag, im Vorfeld der Photokina, die Vernissage zu CITIES UNKNOW von HGEsch im Carlswerk statt und natürlich werde ich auch hier noch ausgiebig zu schreiben. [...]

  • 2 Art for Europe » Rückblick 2010 - Das Ende einer Reise // 13. Dez 2010 at 00:14

    [...] hatte, war auch dieser Schritt keine unlösbare Aufgabe und eine großartige Präsentation von HG Esch sollte ich später im Jahr auch noch besuchen dürfen. So steckte ich zur Jahresmitte [...]

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