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Die Wahrheit des Wortes

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Überraschungseier

6. Januar 2011

Ist es nicht schön den ersten aktuellen Artikel im Jahr 2011 mit einer guten Nachricht beginnen zu können? So konnte man im Fall der aktuellen Dioxinverseuchung von Tierfutter, der zur Sperrung von über 1.000 Bauernhöfen in Deutschland führte, lesen, dass gar keine Gefahr bestehen würde. Dies klingt ähnlich gut, wie die Nachricht, dass erhöhte Krebsraten um die ASSE II nichts mit dem dort verrottenden Atommüll zu tun haben. Beide Nachrichten wirken übrigens etwa so glaubwürdig, wie die, dass Elvis lebt aber auch daran kann sich nun einmal manch einer noch immer erfreuen. Auch direkt zu Jahresbeginn bekommt der Bürger klar und deutlich gesagt, dass man ihn auch 2011 wieder für völlig dumm verkaufen möchte, damit kann man natürlich als Bürger arbeiten und sollte dies bei der Auswahl der etablierten Massenmedien und vor allem bei politischen Entscheidungen in Zukunft einfach mehr berücksichtigen.  Im Land der Auflagen und Lebensmittelkontrolleure, die manch Imbissbudenbesitzer das Leben wirklich schwer machen, kam es scheinbar wieder zu einer massiven Verunreinigung von Lebensmittel und zwar diesmal mit krebserregendem Dioxin. So entstand noch zum Ende 2010 die etwas andere Art von Überraschungseiern.

Das bisschen Dioxin
Lebensmittelskandale sind in Deutschland in den letzten Jahren eher zur Regel, als zur Ausnahme geworden und man ist immer wieder erschrocken, wie die Politik und die Medien damit umgehen. So musste man sich in den letzten Jahren daran gewöhnen, dass abgelaufenes, stinkendes Fleisch nicht gesundheitsschädlich sein soll, auch eine Art Probleme, die man nicht in den Griff bekommt, zu lösen. Dieses Prinzip nun allerdings auf Dioxin auszuweiten, ist natürlich schon mutig, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Es ergibt sich aber auch eine Gegenfrage, die sich ganz klar an Frau Ilse Aigner (CSU) bzw. ihre, auch in der Verantwortung stehenden, Länderkollegen richtet und zwar, welchen Nutzen haben die Ministerien für Verbraucherschutz eigentlich und wie erläutert man Milliarden Euros an Etat dem steuerzahlenden Müllschlucker? Es wird immer schwerer die Menschen so dumm zu halten, dass sie glauben, steigende Allergikerzahlen und Krebsraten wären ein Mysterium, welches sich niemand wirklich erklären könnte. Es scheint viel mehr so, als dass man hier vom Preis dafür sprechen muss, dass wir nun mehr und mehr im völlig globalisierten und unkontrollierten Raubtierkapitalismus angelangt sind. Die Liste dessen, wo man die Bürger offensichtlich im Stich lässt, scheint sich auch 2011 weiter gen Unendlichkeit fortzusetzen.

Natürlich wird sich auch hier am Ende des Tages nicht nur herausstellen, dass alles völlig harmlos war, wie es auch immer in den Gammelfleischskandalen der Fall war, sondern auch, dass die Behörden machtlos waren, den Staat also keine Schuld trifft. Denn man redet jetzt schon wieder von zu wenig Kapital, welches besseren Schutz möglich machen würde. Dies kennt man zur Genüge, zum Beispiel aus dem Bereich Winterdienst, der nun schon im zweiten Jahr in Folge weiter abbaute und teilweise schon gar nicht mehr vorhanden ist. Weniger Staat hatten sich die meisten Bürger da wohl etwas anders vorgestellt. Der Staat oder besser gesagt die ihn vertretenden Politiker sollten sich auch überlegen, wie sie in Zukunft eigentlich Steuern und ähnliches erklären wollen, wenn sie dafür nichts mehr leisten, sondern die Staatseinnahmen scheinbar immer mehr der Sicherung des Lebensstandards einer kleinen vermeintlichen Elite dient. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst auch 2011 immer weiter, man sollte nur berücksichtigen, dass der Ton zwischen beiden Seiten auch immer härter werden dürfte und dann sollte sich niemand über die Folgen wundern, denn auch die sind absehbar, werden also mindestens billigend in Kauf genommen.

Desinteresse am einzelnen Bürger
Ein weiteres Highlight dieses ersten großen Skandals 2011 ist, dass er eigentlich schon im letzten Jahr, vor Weihnachten bekannt war. Man ging aber bei den zuständigen Stellen scheinbar davon aus, dass die betroffenen, ganz `besonderen Überraschungseier` so oder so schon verzehrt seien und hatte deshalb ein wenig Ruhe. Diese Vorgehensweise zeigt wieder, dass totale Desinteresse der Politik am einzelnen Bürger und die Erklärung ist ganz einfach, es rechnet sich nicht. Es klingt hart aber genau so scheint es auszusehen, es geht nicht um das Wohlergehen der Bürger, sondern um Rentabilitäten, wo Bürger finanztechnische Größen sind, nicht mehr und nicht weniger. Dieser Skandal, der bislang wahrscheinlich auch wieder nur die Spitze des Eisbergs zeigt und viele Menschen wahrscheinlich erst im Frühjahr erfahren werden, wo sie sonst noch alles Dioxin zu sich genommen haben, hat aber noch eine andere Seite, die Bauern. Man darf davon ausgehen, dass auch hier die Gier einiger Weniger, wieder den ein oder anderen Bauern seine Existenz kosten wird. Man spricht nun von der Prüfung der Haftung des Verursachers und hat immerhin in den letzten Tagen doch schon einmal mit der Sicherung von Beweismaterial begonnen. Auch hier scheint Ruhe und Gelassenheit übrigens oberste Priorität zu haben, ein weiterer Skandal.

Selbst wenn es in diesem Fall jemals wirklich Verantwortliche geben sollte, die man haftbar machen könnte, dürften die Summen wohl nur einen Tropfen auf den heißen Stein darstellen. Rettungsschirme vom Staat? Da winkt man direkt ab, schließlich kann man nicht jedem helfen und der Redaktion ist auch kein Bauer bekannt, der seinen Geburtstag im Kanzleramt feiert. Das wirklich Schlimme an dem gesamten Skandal ist aber, so hart es auch klingen mag, gar nicht die finanzielle Seite, sondern die Missachtung menschlichen Lebens, denn es ist immerhin die Rede von Dioxin und da braucht es keine Allergie gegen, um wirklich massive gesundheitliche Probleme zu bekommen. Wenn sich Verbraucherschutz auch in Zukunft weiterhin so darstellt, dass der Imbissbudenbetreiber an den Rand der Verzweiflung getrieben werden, während skrupellos agierende Agrarpiraten große Teile der Bevölkerung mit lebensbedrohendem Dioxin vergiften können, ist dies eine Politik gegen die man auf die Strasse gehen sollte bzw. wo man bei der nächsten Wahl die Verantwortlichen abstrafen sollte und Möglichkeiten gibt es da in diesem Jahr ausreichend für. Dieser Ignoranz dem Leben gegenüber muss etwas entgegengesetzt werden, bevor solche Fälle noch mehr zur Regel werden, als sie es so oder so schon sind.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik · Umwelt · Wirtschaft

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