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Die Wahrheit des Wortes

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Überleben anstatt leben

5. Mai 2010

Natürlich leidet man in Europa meist auf verhältnismäßig hohem Niveau aber es kann auch auf Dauer kein Ansatz sein, sich immer nur an den Teilen der Welt zu orientieren, denen es noch schlechter geht. Viel mehr sollte man versuchen, dass es Deutschland und Europa richtig gut geht, damit man dann den Allerärmsten auf dieser Welt helfen kann. Genau danach sieht es aber im Moment nicht aus. In Griechenland soll der Durchschnittsbürger demnächst auf 20 bis 30 Prozent seines verfügbaren Kapitals verzichten, um das Ergebnis erbarmungsloser Zockerei auszubaden. Natürlich prangert man viel lieber den Griechen an sich an, als die Akteure des Raubtierkapitalismus. Gerade aus deutscher Sicht sollte man hier allerdings sehr vorsichtig sein, denn wenn sich nicht bald etwas ändert, wird es auch hier nicht anders aussehen. Unabhängig vom Ausgang der Griechenlandkrise hat Deutschland aktuell schon die größte Staatsverschuldung seit bestehen der Bundesrepublik.

Das Märchen von der Zurückhaltung
Die Stabilitätskriterien die dem Euro zu Grunde liegen, sind mittlerweile scheinbar noch nicht einmal mehr das Papier wert, auf dem sie stehen. Nur Finnland erfüllt sie im Moment noch, auch dies relativiert die griechische Situation etwas und man muss berücksichtigen über welche politische, wie auch gesellschaftlich Sprengkraft man hier spricht. Sollte Griechenland kippen und damit das Ende des Euros noch näher rücken, ist das Ende der Europäischen Union (EU) auch nicht mehr allzu fern. Viele Menschen in Europa sind durchaus überzeugte Europäer und wollen auch einen gewissen Grad an Vereinigung aber es sollte das Europa der Bürger im Vordergrund stehen und nicht ein Gebilde, welches vor allem der Wirtschaft hilft. Wenn sich dann, wie es im Moment der Fall ist, auch noch mehr und mehr abzeichnet, dass sich die Gewinnsituationen der Wirtschaft immer mehr vom verfügbaren Kapital der Bürger abkoppelt und es so bei einem stetig wachsenden Teil der Bevölkerung immer häufiger nur noch um das Überleben geht und immer seltener um das Leben, wird der Zorn und die Wut immer größer.

Es kann nicht sein das der DAX und andere Indizes immer weiter zulegen, immer neue Rekordgewinne verkündet werden und man die Bevölkerung aufruft doch immer mehr zu sparen. Während die Gehälter im Topmanagement immer weiter ansteigen, predigt man auf der anderen Seite Zurückhaltung und hofft darauf, dass die Bürger immer weiter steigende Mehrbelastungen vom Gesundheitswesen bis hin zu den Gedankenspielen zur Maut hinnehmen. Diese Förderung eines Systems, welches einige Wenige immer mehr bevorzugt und andere und zwar die, die mit ihrer Leistung überhaupt erst für Erfolge und Gewinne sorgen, benachteiligt, wird auf Dauer zu schweren gesellschaftlichen Problemen führen und dies könnte soweit gehen, dass man die Bilder von den Maikrawallen aus Hamburg und Berlin dann für ein nettes Straßenfest hält. Was man im Moment erleben muss, ist wirklich eine Art Terrorismus der Wirtschaft und wenn sich der Staat nicht dagegen wehrt und die Politik endlich die nötigen Schritte im ausreichenden Maße veranlasst, wird sich die Bevölkerung irgendwann selber wehren und dies könnte unkontrollierbare Folgen haben.

Personalmangel am 1. Mai
Wie stark Staaten selbst jetzt schon unter den Fehlern vermeintlicher Eliten und Experten leiden, merkt man auch in Deutschland eigentlich überall, was allerdings scheinbar ganz neu ist und ebenso erschreckend, ist das sich all dies auch auf die Stabilität im Land selber auswirkt, auch dies haben die Maikrawalle in diesem Jahr gezeigt. Feierte man in Berlin einen Erfolg der polizeilichen Maßnahmen, der wohl auch einer gigantischen Menge von fast 8.000 Polizisten geschuldet war, sah es in Hamburg schon wieder ganz anders aus, denn hier war die Personaldecke so dünn, dass Nachts sogar noch zwei Hundertschaften aus Berlin eingeflogen werden mussten, um die schweren Ausschreitungen im Schanzenviertel halbwegs in den Griff zu bekommen. Nicht zuletzt der Beschluss, dass es an diesem besagten Wochenende keine großen Fußballspiele mehr geben soll, macht deutlich, wie überfordert man scheinbar jetzt schon in Deutschland ist, wenn es um den Erhalt der öffentlichen Ordnung geht. Wie förderlich es in einer solchen Gesamtsituation ist, wenn sich auch noch Politiker, wie zum Beispiel Wolfgang Thierse (SPD), an Straßenblockaden beteiligen, erklärt sich von selbst. Diese gesamte Entwicklung, darf von daher durchaus als besorgniserregend bezeichnet werden.

Am Ende des Tages wird sich auch hier zeigen, dass immer weiter ansteigende Unzufriedenheit in breiten Teilen der Bevölkerung, auch immer mehr zu einer gewissen Art von Gewalt führen wird. Wenn man dann natürlich auch noch immer weniger Finanzmittel zur Verfügung hat, um die Polizei zu finanzieren, ist dies eine sehr gefährliche Mischung. Man muss einfach einmal ganz deutlich sagen, dass ein Großteil der Schuld für diese Entwicklung im raubtierkapitalistischen System zu suchen ist und es ist nicht das Problem der Deutschen und auch nicht der Griechen oder von wem auch immer, sich um die offensichtlich nicht zu stillende Gier eines kleinen elitären Kreises zu kümmern. Die Menschen, die versuchen ihren Teil vom Kuchen mitzuerlangen und das System somit natürlich auch am Leben erhalten, machen sich im übrigen letztendlich mitschuldig. Jeder kann auf seine ganz eigene Art mithelfen dieses System zu kippen und es wieder in menschenwürdigere Bahnen zu lenken, damit irgendwann wieder das Leben im Mittelpunkt steht und nicht der reine Kampf ums Überleben. Denn die Art von Gesellschaft, die hier aufgebaut werden soll, möchte von denen, die diese später ausmachen, wohl kaum jemand haben.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 5 Kommentare ↓

  • 1 nic // 5. Mai 2010 at 10:14

    und mehr polizisten sind die lösung für das problem oder wie? tschuldigung aber so kommts am ende fast rüber. find ich eher uncool ;)

  • 2 Melanie Gatzke // 5. Mai 2010 at 10:15

    In den kommenden Jahren wird es für viele nicht mehr darum gehen, im “optimalen Wohlstand “zu leben, sondern wirklich nur noch um das nackte Überleben.
    Es wurde alles verwirtschaftet, verscherbelt, verkauft und verschachert. jJder weiß wie- wohin und warum.
    Zitat:
    Man muss einfach einmal ganz deutlich sagen, dass ein Großteil der Schuld für diese Entwicklung im raubtierkapitalistischen System zu suchen ist und es ist nicht das Problem der Deutschen und auch nicht der Griechen oder von wem auch immer, sich um die offensichtlich nicht zu stillende Gier eines kleinen elitären Kreises zu kümmern.-
    ——–
    Volle Zustimmung. Die Herrschenden interessiert nicht mehr das Volk, sondern der Status Quo einer kleinen Elite, die Sicherung des Vermögens dieser Gruppe.
    sie ahben Verfilzungen und Machenschaften geschaffen, die gefährlich sind und zum Untergang verurteilt sind.
    Kommt das Volk unter den Hammer, folgt auch bald diese Elite. Deshalb ist es dumm, so zu handeln. Die Millionäre und Milliardäre , die Unternehmen und Firmen, die Reichen und Mittelreichen, sollten schon im eigenen Interesse an einer sicheren Existenz der Masse interessiert sein. Was wir geschaffen haben ist Raubtierkapitalismus pur -statt die” Freie -Soziale Marktwirtschaft” zu erhalten.
    Das wird einen unbezahlbaren Preis fordern , den das Volk möglicherweise weder bezahlen kann, noch bezahlen will und wird.
    Was dann Elite? Man kann nur handeln -schachern- und pockern mit dem, was an der Basis erwirtschaftet wird und produziert wird. Ohne Gegenwert ist vorhandenes Geld nix wert.
    Der Gegenwert ist Realwirtschaft, hier arbeitet das gemeine Volk. Hier wird gerade die Kuh geschlachtet, die man melken will.
    Wenn Produktion durch Spekulation ersetzt wird, dann gehen bald die Lichter aus.
    Nun hoffe ich, das den Verantwortlichen bald ein Licht aufgeht, damit die anderen nicht ausgehen.
    gehen die Lichter aus, gehen auch die Veranwortlichen und Bosse unter.
    Geld arbeitet nicht, der Mensch arbeitet und erwirbt dadurch Geld. wo nicht mehr gearbeitet wird, gibt es auch keine Beteiligungen mehr, die man mit dem man dann mit Geld kaufen kann.
    Die Gesellschaft erstickt gerade an ihrer Gier.

  • 3 fairschreiben.de // 5. Mai 2010 at 10:37

    Nein, mehr Polizisten sind mit Sicherheit nicht die Lösung und so soll es bitte auch nicht verstanden werden. Die Lösung muss eine menschenwürdige Neuausrichtung der Gesellschaft sein.

  • 4 Andrea Bondi // 5. Mai 2010 at 12:14

    Der einzige Gott, der zur Zeit angebetet wird, ist der Mammon! Der allergrößte Vernichtungsfaktor gesunder Volkswirtschaft, sind die Börsen! Verbrecherische Spekulanten (Börsianer und natürlich auch Banker), die in nie dagewesener, menschenverachtender Weise ihre eigene Gier befriedigen, gehören ein für alle Mal aus dem Verkehr gezogen! Völker Europas vereinigt Euch und steht auf gegen die herrschenden Eliten die, wenn wir es weiter zulassen, ganz Europa in die Tonne treten werden!

  • 5 Michael Neumann // 6. Mai 2010 at 09:02

    Das größte Problem liegt daran, dass es möglich ist, die wahren Verhältnisse im Haushalt zu verschleiern ! Eine Neuausrichtung der Gesellschaft setzt voraus das Deutschland ein Mitspracherecht der Bürger anerkennt. die politischen und juristischen Probleme dazu sind bekannt (Verfassung und Volksabstimmung) nur dies wird von keiner Fraktion auch nur ansatzweise in betracht gezogen – Warum ? In wie weit hier durch Verträge, wie dem Lissabonvertrag , weitere Verschleierungsmöglichkeiten gegeben sind ist derzeit unabsehbar. Versprochen wird aber das alles transparenter werden wird – nur für wem ? Ich meine wir befinden uns hier in einem politischen, finannziellen und gesellschaftlichem Dilema – Aufklärung ist angesagt !

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