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Die Wahrheit des Wortes

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Tschernobyl 2.0

15. April 2011

Nun ist es genau fünf Wochen her, dass die Erde im Norden Japans bebte und ein Tsunami weite Landstriche verwüstete. Schon kurz danach stand wahrscheinlich das fest, was einem nun als neuste Entwicklung verkauft wird, der Super-GAU im Atomkraftwerk (AKW) von Fukushima. Desto mehr die Katastrophe aus dem Auge der Öffentlichkeit verschwand, desto schlimmer wurden die Folgen und hier mag wohl kaum einer an einen Zufall glauben. Mittlerweile ist Fukushima auf der höchsten Stufe, was solche Katastrophen angeht, angelangt und damit auf einer Stufe mit Tschernobyl. Trotzdem gibt es noch immer Menschen, die behaupten, dass sei alles nicht so schlimm und natürlich auch nicht miteinander zu vergleichen, es sind wohl die Stimmen, die auch behaupteten, dass so gut wie gar nichts passiert sei und vor allem auch keine Kernschmelze. 25 Jahre nach Tschernobyl leiden auch noch immer Teile des Bundesgebiets unter Verstrahlung, dort geschossene Wildschweine müssen zu einem großen Teil noch immer entsorgt werden, da sie zu hoch verstrahlt sind und dann ist da noch immer der Teil, den man auch nach 25 Jahren noch nicht weiß und zwar, weil man ihn scheinbar nicht wissen will.

Mehr als nur Opferzahlen
Die Opfer des schrecklichen Seebebens und des so ausgelösten Tsunamis, der vor exakt fünf Wochen weite Teile Nordjapans überrollte, wird man ziemlich genau bestimmen können und man wird somit sagen können, wie viele Tote diese Katastrophe gefordert hat. Beim Super-GAU im Atomkraftwerk (AKW) von Fukushima sieht es etwas anders aus, denn auf der einen Seite ist es sehr schwer zu definieren, wer an den Folgen, gerade auch langfristig, verstirbt und auf der anderen Seite möchte man solche Zahlen scheinbar auch gar nicht wirklich erheben, geschweige denn veröffentlichen. Es gab wohl unter anderem auch in Deutschland den Versuch eine Studie durchführen zu lassen, wie sich die Krebsraten in den am stärksten von Tschernobyl betroffenen Gebieten entwickelt haben aber es fanden sich keine Partner für eine solche Studie, was natürlich sehr interessant ist, gibt es doch ansonsten Studien zu allen noch erdenklichen Sachverhalten. Man führte eine solche Studie dann in der Tschechei durch und fand heraus, dass die Krebsraten sprunghaft angestiegen waren. Die betroffenen Gebiete in Deutschland waren damals allerdings wesentlich höher verstrahlt worden, was nur einen logischen Schluss im Kontext der Krebsraten zu lässt aber wie gesagt, belegte Fakten dazu gibt es keine.

Man sieht an diesem Beispiel sehr schön, wie weitreichend eine solche Atomkatastrophe sein kann, man sieht aber auch, wie groß das Interesse ist, hier möglichst wenig Informationen, die die Menschen verunsichern bzw. aufwecken könnten, zu erheben und zu veröffentlichen. Dies zeigt auch, unabhängig von welcher Regierung man spricht, wie groß das Interesse des Staates am Schutze seiner eigenen Bürger ist, denn gut informiert zu sein, kann hier dauerhaft Leben retten. Jedes Opfer durch den Super-GAU in Japan ist zu viel, alleine schon weil man aus Tschernobyl hätte Konsequenzen ziehen können. Wie man an den vielen Parallelen von damals und dem aktuellen Fall sieht, hat man dies aber nicht getan, denn auch in Japan wird viel zu langsam und viel zu wenig evakuiert, was natürlich einen großen Schaden für die Gesundheit hinterlassen wird. Diese völlige Bagatellisierung, die hier an den Tag gelegt wird, wirkt sich natürlich auch auf die Opfer aus, die scheinbar auch noch nicht im Ansatz erahnen, was hier wirklich passiert ist. So darf, natürlich auf eigenes Risiko, pro betroffener Familie ein Familienmitglied nun noch einmal in Teile der gesperrten Zone zurückkehren und da gibt es tatsächlich Menschen, die zum Beispiel ihren Fernseher holen wollen. Ein Fernsehgerät zum Preis von Krebs, da sieht man, dass die Menschen es scheinbar wirklich noch nicht begriffen haben, was bei der bisherigen Informationspolitik aber auch nicht wirklich überrascht.

Auf zu neue Katastrophen
Nun wäre es aber ein großer Fehler all dies einfach nur an der Betreiberfirma Tepco, die für ihrer Vertuschungsskandale schon seit Jahren bekannt ist, festzumachen. Man kann auch nicht allein die scheinbar völlig überforderte japanische Regierung verantwortlich machen, denn man darf und muss davon ausgehen, dass es auch hier in Deutschland nicht anders aussieht, wie auch die oben genannten aktuellen Beispiele gezeigt haben. Hier regiert das Kapital, der Konsum und die Gier. Auch in Deutschland kann man in diesen Tagen im Kontext zu Fukushima schon wieder Fakten erleben, die einem nur Fragezeichen vor das geistige Auge zeichnen. Hört man die Politiker nun wieder reden oder auch die so genannten Energieexperten, wird man das Gefühl nicht los, als hätte sich niemand wirkliche Gedanken zum Thema Energie gemacht, denn alles scheint im Moment völlig neu und überraschend zu sein. Man kann die Panik förmlich greifen und plötzlich steht auch Kohle wieder ganz weit vorne auf der Agenda und man kennt auch da die Gefahren, wie sie auch seit mindestens 25 Jahren im Kontext Atomenergie bekannt waren. Kohle bringt das Problem Kohlendioxid (CO2) mit sich aber auch hier hat man nun eine hektischen Lösung gefunden. So soll dieses schädliche Gas verflüssigt werden und dann weit unter der Erdoberfläche eingelagert werden, eine ganze andere Form der Endlagerung.

Genau wie man im Bereich der Atomkraft keine wirklichen Antworten über Jahrzehnte gefunden hat und trotzdem weitergemacht hat, als sei alles in bester Ordnung, verfährt man nun scheinbar auch im Bereich der Kohlekraft und man darf gespannt seine, welche Katastrophen man hier nun wieder für die Zukunft züchtet, damit in einigen Jahren oder Jahrzehnten wieder irgendwelche vermeintlichen Experten überrascht sein dürfen. Man muss in diesem Zusammenhang auch anmerken, dass die in diesen Tagen so oft diskutierte Carbon Dioxide Capture and Storage (CCS)  Technologie viele Risiken hat. Bei einer solchen Energiepolitik darf man übrigens am Ende des Tages nicht überrascht sein, wenn sich der Zustand der Umwelt immer weiter verschlechtert und die Menschheit immer mehr unter Fakten, wie zum Beispiel steigende Allergikerzahlen und Krebsraten leidet. Eigentlich hat der Staat eine Verpflichtung sich für das Wohlergehen des Volkes einzusetzen aber dem will man scheinbar nicht mehr nachkommen, da es nicht in das globalisierte, raubtierkapitalistische System passt, welches sich auch in Deutschland immer mehr etabliert. Auch dies ist einer von vielen Punkten mit denen sich das politische Berlin immer weiter disqualifiziert. Man sollte als Bürger gewarnt sein, durch Tschernobyl, wie auch durch Fukushima und sich noch mehr organisieren, um gegen diese Politik, die scheinbar nur noch die Wirtschaft unterstützt, aktiv vorzugehen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Soern // 15. Apr 2011 at 08:05

    “um gegen diese Politik, die scheinbar nur noch die Wirtschaft unterstützt, aktiv vorzugehen.”
    Die Wirtschaft (Großkapital) gibt der Politik die Ziele vor und hat die wichtigen Schaltstellen
    längst durch Lobbyisten besetzt. Unsere sogenannte Demokratie, die dank Medienmanipulation
    zum reinen Alibi verkommen ist, kann die wirtschaftlichen Entscheidungen, die den “Regierenden” vorgegeben werden höchstens abmildern und nur in Einzelfällen wie Fukushima tatsächlich eine Wende erreichen.
    Ein Argument in der Atom-Sicherheitsdebatte blieb bislang unerwähnt:
    Alle AKWs geben sehr effektive militärische Ziele ab – auch im ausgeschaltetem Zustand!
    Würde ein exzentrischer Gegner (wie z.B. Gaddafi) sich einfach rächen wollen, bräuchte er nur
    (Sparsam im Verbrauch) konventionell gut bestückte Langstreckenraketen auf sämtliche AKWs
    seiner Feinde zu schiessen. Mit der Bereitstellung von AKWs ersparen wir unseren potentiellen Feinden jedenfalls die Mühe, Atomwaffen entwickeln zu müssen um es mit uns aufnehmen zu können. Daher: alle AKWs abschalten und möglichst schnell entsorgen!
    Vielleicht zollt die deutsche Zurückhaltung in der Lybienfrage ja auch oben genanntem Zusammenhang Tribut. (Wahrscheinlicher sind allerdings die guten Beziehungen zum Gaddafi Clan
    und wirtschaftliche Interessen).
    Atomwaffen zu entwickeln

  • 2 Art for Europe » Der etwas andere Tanz in den Mai // 2. Mai 2011 at 06:06

    [...] der Atomkatastrophe von Tschernobyl bis zu den aktuellen Ereignissen im japanischen AKW von Fukushima, vielleicht liegt es aber auch an der absoluten Stimmigkeit der gemeinsamen Präsentation von [...]

Schreib was dazu