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Die Wahrheit des Wortes

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Traumhochzeit oder Lady Di 2.0?

29. April 2011

In wenigen Stunden ist es soweit und die große Windsor-Hochzeit zwischen Prince William und Kate Middleton wird vollzogen. Die Welt starrt gebannt nach Großbritannien und nicht mehr nach Fukushima, wo die Atomkatastrophe nun schon in die achte Woche geht und die Umwelt verstrahlt oder nach Libyen, wo noch immer ein blutiger Krieg geführt wird. Es geht schon seit Wochen nur noch um allen möglichen Schnickschnack von Geschirr bis Briefmarken und natürlich um so wichtige Fakten, wie die Gästeliste. All dies mutet gerade in diesen Tagen sehr skurril an, sagt aber auch einiges über die Medien und natürlich auch über die Gesellschaft aus. Es ist die ganz große Show und dies ist natürlich auch ein wenig komisch, denn 1997 starb Lady Di und auch sie hatte eine Traumhochzeit, die eigentlich nur noch von ihrer Trauerfeier überboten wurde und man darf abwarten, wie gerade auch Kate Middleton mit all dem, was nun auch auf sie zu kommen wird, auf Dauer, über all die Jahre klar kommen wird. Natürlich versucht man, wo es nur geht zu verdeutlichen, dass Lady Di und Kate nicht zu vergleichen sind aber was will man auch anderes machen?

Wie starb Lady Di?
Es ist nun schon weit über ein Jahrzehnt her, dass Lady Di am 31. August 1997 in einem Pariser Tunnel tödlich verunglückte und wirklich glaubwürdig geklärt ist ihr Tod bis zum heutigen Tage nicht und man darf auch davon ausgehen, dass dies auch so schnell nicht passieren wird. Denn neben all der Show, die es immer schon um das britische Königshaus gab, spielen hier natürlich Macht und Einfluss eine große Rolle. Es geht um viel mehr als nur um das, was man so oft in den Boulevardzeitungen findet. Eine wirklich glaubwürdige Aufklärung ist von daher etwa so wahrscheinlich, wie die Aufklärung der Vorfälle von 911. Eigentlich ist der Tod von Lady Di auch gar nicht das, was die Verbindung zu Kate Middleton so tragisch macht, sondern viel mehr der Umgang mit ihrem Leben und auch da dürfte auf die baldige Prinzessin noch einiges zu kommen. Die Frauen sind nicht miteinander zu vergleichen, natürlich nicht, denn sie stammen zum Beispiel aus völlig unterschiedlichen Generationen und auch die Medienwelt hat sich seit den 1990er massiv verändert. Ob all dies allerdings ein Vorteil ist, darf doch, als mehr, als fraglich eingestuft werden. Man kann wohl festhalten, dass es in jedem Fall, gerade auch durch die Neuerung im Internet, noch härter geworden ist.

Man sollte aber auch nicht gleich in allzu großes Mitleid verfallen, denn die letzten Wochen haben auch immer wieder gezeigt, dass die Medien von den beiden bald Verheirateten perfekt eingesetzt werden und nun ist der große Tag dieser ganzen Inszenierung gekommen aber danach wird es weitergehen, denn auch dann gilt wieder, dass die große Show fortgesetzt werden muss, denn die Welt muss scheinbar auch noch immer im großen Stil abgelenkt werden. Ereignisse, wie zum Beispiel die heutige Hochzeit, eignen sich da natürlich perfekt. Man muss auch festhalten, dass all das private Glück, welches hier im großen Stil vermarktet wird, eben gar nicht privat ist. Privat wird man gar nichts mitbekommen, dies war bei Lady Di so und dies wird auch im Fall von Prince William und Kate Middleton nicht anders sein. Was man hier sieht, ist das ganz große Schauspiel mit langer, langer Tradition. So etwas kann man natürlich mögen, es ist dieses kollektive Glück, welches hier so viele Menschen mitreißt. Es ist eine ganz besondere Verbundenheit, die hier entsteht aber eben alles ohne einen großen Tiefgang und dies zeichnet natürlich auch unsere Gesellschaft aus. Es mangelt oft an Tiefgang und wirklichen Emotionen, da braucht es dann schon immer einmal so etwas, wie diese Hochzeit, quasi als so etwas, wie eine Ersatzdroge.

Wo steht die Familie?
Mit der Eheschließung von Prince William und Kate Middleton wird eine neue Familie gegründet und genau wie man darauf wetten kann, ob Kate ihren William doch noch in letzter Sekunde vorm Altar abblitzen lässt, kann man auch schon auf den Nachwuchs, in den verschiedensten Facetten, wetten. Traditionell britisch eben. Interessanterweise sind Millionen Menschen rund um den Erdball am Thema Familie plötzlich so interessiert. Schaut man sich die gesellschaftliche Entwicklung und hier vor allem in Europa und natürlich auch in Deutschland an, wirkt dies ebenfalls merkwürdig, ist der Trend im wahren Leben doch ein ganz anderer. Mobilität im Sinne der Arbeit zerreißt Familien, Scheidungsraten schnellen auf Grund egoistischer Gewinnmaximierungserwägungen in die Höhe, Geburtenraten sind aus Perspektivlosigkeit vieler Menschen rückläufig, Gewalt gegen Kinder bis hin zu ihrer Tötung, oftmals aus purer Überforderung, sind auch keine Seltenheit mehr aber die Menschheit feiert im ganz großen Stil, die Gründung dieser Familie. Hier liegt übrigens auch eine ganz wichtige Aufgabe des zukünftigen Ehepaars, der Welt ein Vorbild zu sein, eine Traumwelt zu schaffen, wie es die Menschen gerne hätten, es aber selber aus den genannten Gründen nicht schaffen, womit man wieder bei dem Thema einer Ersatzdroge wäre.

Glattgebügelt und in Hochglanz bekommt man hier eine Illusion präsentiert, die mit der Realität gar nichts zu tun hat. Man kann sich aber für ein paar Stunden, Tage oder Wochen in diesem Traum verlieren, es wäre allerdings wohl mehr damit geholfen, sich dem Leben selbst zu stellen und dort dafür zu sorgen, dass die Realität eine bessere wird. Wie am Anfang dieses Artikels schon geschildert, gibt es ausreichend Gründe in diesen Stunden und Tagen, die dafür sprechen auf dieser Welt einiges zu verändern und dies fängt beim Krieg in Libyen und den schweren Auswirkungen, die dieser auch noch auf Europa haben wird, an und endet mit den unvorstellbaren Lügen im Kontext des Super-GAUs im japanischen Atomkraftwerk (AKW) von Fukushima, dessen Auswirkungen bis jetzt noch nicht einmal im Ansatz abschätzbar sind. Das sind die Fakten, um die es in diesen Tagen eigentlich gehen sollte, wenn man dann noch Energie übrig hat, kann man sich natürlich gerne auch dem widmen, was sich in diesen Stunden in Großbritannien zwischen David Beckham, Elton John und wem auch immer noch abspielt. Wobei man auch sagen muss, dass all dem natürlich nicht so sein wird und auch dies ist nichts Neues und auch kein besonders negatives, neues Merkmal der heutigen Gesellschaft, denn solche Abläufe und Ablenkungen hat es in den verschiedensten Arten schon immer gegeben, was allerdings nicht bedeutet, dass es sich hierbei um etwas Gutes handelt.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Umwelt

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