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Die Wahrheit des Wortes

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Totgeglaubte leben länger

10. August 2010

Nun hat es in diesen Tagen den Anschein, als würden wir den Untergang der nächsten großen Volkspartei miterleben. Was die SPD schon hinter sich hat, trifft jetzt wohl auch die Union und dies ist nicht ganz überraschend. Auf der einen Seite muss man realistisch festhalten, dass Totgeglaubte auch oft länger leben, als man glaubt.  Auf der anderen Seite sprechen wir hier mittlerweile aber auch von einem Trend, der sich in der deutschen, wenn nicht gar in der gesamten europäischen Politik abzeichnet. Die Frage ist, ob wir nun alle mehr Demokratie erleben dürfen oder aber das genaue Gegenteil. Fakt ist, dass es instabiler und unzuverlässiger wird. Atomkraftwerke werden zum Abschalten freigegeben, um dann die Laufzeiten wieder zu verlängern. Die Schulzeiten werden verkürzt, um im nächsten Schritt wieder verlängert zu werden usw. Dies macht den Alltag natürlich nicht gerade langfristig planbar und somit geht immer mehr Nachhaltigkeit verloren. Auch dies ist ein Trend in diesen Tagen, der natürlich gerade auch in der Wirtschaft gut angenommen wird, denn hier hat man sich scheinbar schon vor langer Zeit von der Nachhaltigkeit verabschiedet und bevorzugt die schnellen und kurzfristigen Gewinne.

Wie man Niederlagen feiert
Meister im feiern von Niederlagen ist wohl noch unangefochten die SPD, denn egal wie schlecht die Wahlergebnisse in den letzten Jahren auch waren, fand man immer noch einen Grund irgendwas zu feiern. Ganz soweit von der Realität ist man bei den Unionsparteien scheinbar noch nicht entfernt, vielleicht hat man aber auch aus den Abwärtstrends der SPD gelernt und geht deshalb nun anders damit um. Denn die Gefahren, die die massiven Umfrageverluste bei CDU und CSU mit sich bringen, werden im politischen Berlin doch sehr ernst genommen. Es darf nun mit Spannung abgewartet werden, ob man sich besser verhält als bei der SPD, denn hier brach über die ansteigenden Verluste auch gleich ein langer, bis jetzt noch nicht wirklich beendeter, Machtkampf los. Ähnlich könnte es sich nun auch in der Union ergeben, schließlich haben schon ausreichend viele politische Schwergewichte von Roland Koch (CDU) bis Jürgen Rüttgers (CDU) der Politik mehr oder weniger den Rücken zu gedreht. Es bleibt spannend, wie man diesem Trend begegnen will.

Mit den ersten großen Abgängen bei der CDU sprach man schon davon, dass so der Stuhl von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mächtig ins wackeln kommt, bisher sitzt sie aber noch halbwegs fest im Sattel aber wie lange noch und dies ist eine der entscheidenden Fragen. Durch diese Verluste sowohl in der Wählergunst, wie auch bei den internen Machtverhältnissen, wechselt natürlich auch die Ausrichtung der Parteien und damit natürlich auch die Politik wesentlich häufiger. Immer neue Koalitionsmöglichkeiten kommen auf den Tisch und die Bürger haben immer mehr das Gefühl, dass ihre Möglichkeiten auf die politische Gestaltung im Land Einfluss zu nehmen mehr und mehr sinkt. Ganz anders sieht dies im Bereich der Wirtschaft aus, denn die Lobbyisten sind so stark in der Politik verankert, dass sie ihre Ziele auf dem ein oder anderen Wege erreichen, auch das haben die letzten Jahre gezeigt. Dies liegt natürlich auch daran, dass die alten, klaren Konturen der Parteien immer mehr aufweichen. Denn wer hätte vor Jahren schon gedacht, dass Deutschland einmal von einem Genossen der Bosse regiert wird.

Vertrauensbasis?
Die Bürger in Deutschland und in Europa suchen nach Vertrauen in die Politik und werden hier an jeder Ecke enttäuscht. Begann mit der Agenda 2010 von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) der soziale Kahlschlag, womit bei einer SPD-Regierung wohl nur die wenigsten gerechnet hätten, hofften nun wohl viele auf einen positiven Wandel durch die Große Koalition unter Kanzlerin Merkel (CDU) aber auch hier wurde der eingeschlagene Kurs nur vertieft und nicht verändert. So erhöhte sich die Frustration im Land noch mehr, gerade auch gegen die SPD. Die Folgen sind bestens bekannt, die SPD wurde gänzlich aus der Regierung gewählt und so wurde die Große Koalition von der so genannten Tigerentenkoalition aus CDU, CSU und FDP beerbt. Auch hier galt nun wieder das Prinzip Hoffnung und die Menschen hofften, auch wenn die neue Kanzlerin, die alte war, auf Besserung, auf einen Kurswechsel weg vom raubtierkapitalistischen Kurs der letzten Jahre und Jahrzehnte aber auch diese Hoffnung wurde nach und nach in einer bewundernswerten Geschwindigkeit vernichtet.

Die erste Reaktion für dieses, aus der Sicht vieler Bürger politische Fehlverhalten, bekam die FDP zu spüren, die kurz nach ihrem kometenhaften Aufstieg, auch ganz schnell vernichtende Umfrageergebnisse hinnehmen musste. In dieser Folge ist es nur konsequent, dass es nun auch die Unionsparteien erwischt, wenn auch etwas zeitverzögert. Die Menschen sind es einfach satt immer wieder die verschiedensten Ausreden zu hören, warum Wahlversprechen nicht eingehalten werden und dies gilt am Ende des Tages über alle Parteigrenzen hinweg. Mit dem Verlust der politischen Stabilität und einem Anwachsen der Armut wird ein guter Nährboden für die ungehinderte Ausbreitung des Raubtierkapitalismus in Deutschland geschaffen und man sollte als Durchschnittsbürger nicht glauben, dass diese Situation irgendwelche Vorteile bietet. In diesem System scheinen Menschen immer mehr Pflichten an den Hals gehangen zu bekommen und dafür immer weniger Rechte, da brodelt die Volksseele schon einmal. Dieses Brodeln sollte sich nun nur langsam aus den Hinterzimmern und von den Stammtischen verabschieden und auf die Strasse gehen, denn nur so ist dieses Land wohl noch zu retten.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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