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Die Wahrheit des Wortes

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Thomas Bachs Problem mit der Gewalt

8. April 2008

Die Olympische Flamme hat Europa nun verlassen und wird jetzt in San Fransisco erwartet. Nach den ersten Kilometern in Europa, darf man davon ausgehen, dass es noch ein sehr beschwerlicher Weg wird, den die Flamme vor sich hat. Die chinesischen Organisatoren, aber auch alle anderen verantwortlichen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und auch bei den verschiednen Nationalen Olympischen Komitees (NOK) hatten sich die 137.000 Kilometer wohl einfacher vorgestellt. Glücklicherweise gibt es aber noch viele Menschen von London, Paris bis nach San Fransisco die nicht an die Olympischen Knebelverträge gebunden sind, sondern ihre Meinung noch frei äußern dürfen. Genau dies ist aber scheinbar vom IOC nicht gewünscht. Da kommt die Frage auf, wie weit der Olympische Gedanke im Kontext zur Meinungsfreiheit eigentlich von den Gedankengängen chinesischer Führer entfernt ist.

Gewalt ist nicht gleich Gewalt

Unter dem Deckmantel das über die Olympischen Spiele keine Politik gemacht werden darf, fühlt sich Thomas Bach, seines Zeichens Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Vizepräsident des IOC, nicht in der Lage klar Stellung zu beziehen, wenn es um die Tibetproblematik geht. Wenn allerdings Menschen gegen genau diese Haltung demonstrieren und zum Beispiel, wie in London geschehen, versuchen mit einem Feuerlöscher die Olympische Flamme zu löschen, hat Herr Bach auf ein Mal eine ganz klare Meinung, dass solche Gewalt nicht sein darf. Die Frage die aufkommt ist, warum ist es eine politische Äußerung und damit nicht mit der Charta des IOC vereinbar, wenn man gegen chinesische Gewaltexzesse, die bis hin zur Ermordung und Folterung von Menschen geht, demonstriert. Auf der anderen Seite ist es aber mit genau dieser Charta vereinbar sich über Demonstranten in London und Paris zu äußern, denn diese Äußerungen sind dann völlig unpolitisch. In diese Sichtweise passt allerdings auch der Hohn sehr gut, vom mündigen Athleten zu sprechen und das mit der Gewissheit, dass es laut der Charta des IOC scheinbar verboten ist sich gegen zum Beispiel chinesische Menschenrechtsverletzungen zu stellen.

Aber es geht nicht nur um Herrn Bach. Auch ein großer Teil der Athleten macht sich unglaubwürdig, wenn sie sich nun plötzlich aufregen und behaupten sie wollten das alles nicht und schließlich hätten sie sich Peking nicht ausgesucht. Jedem der Athleten sollte klar sein, dass die Tibetproblematik auch schon zum Vergabezeitpunkt der Olympischen Spiele bestanden hat. Große Proteste von Seiten der Sportler waren damals aber nicht zu sehen. Also sollten sie uns doch bitte mit ihrem geheuchelten überrascht sein einfach in Ruhe lassen. Vom NOK im Tschad kam sinngemäß die Aussage, die Sportler sollten einfach nur an den Spielen teilnehmen und nicht denken. Eine Sichtweise die scheinbar weiter verbreitet ist, als man denkt. Es dürfte bekannt sein, dass es natürlich das größte für einen Sportler ist an den Olympischen Spielen teilzunehmen, man kann aber nur entsetzt darüber sein, was für ein Preis dafür in Kauf genommen wird.

Tibet braucht die Medien

Es wäre wahrscheinlich im Moment einfacher mit den chinesischen Goldreserven ein Mal um die Erde zu fahren, als mit der Olympischen Flamme und es wird zum Teil so dargestellt als wären da die bösen Demonstranten, die dieses wundervolle Ereignis einfach nur stören wollten. Es geht dabei etwas unter, dass es schon seit Tagen keine Berichterstattung mehr aus den tibetischen Unruhegebieten gibt und auch scheinbar keinerlei große Anstrengungen unternommen werden dies zu ändern. Wären dort nicht die Demonstranten von London, Paris und San Fransisco, wäre die Tibetproblematik wahrscheinlich schon ganz im Sinne Chinas aus den Medien verschwunden. Außerdem ist es sehr erstaunlich mit was für einer Härte bislang gegen die besagten Demonstranten vorgegangen wurde, ohne das dies angemessen kommentiert worden wäre. Scheinbar ist es aber so als seien die Olympischen Spiele unantastbar, egal wie falsch der Weg ist der bestritten wird. Leider muss man auch festhalten, dass zu einem gewissen Teil auch die Medien nicht das leisten, was sie leisten könnten aber genau deren unabhängige und offene Arbeit braucht Tibet zur Zeit umso mehr.

Es geht sogar soweit, dass man in China behauptet die Olympische Flamme wäre gestern in Paris nicht gelöscht worden. Die Fernsehbilder sind dann wahrscheinlich nur inszeniert worden. Um die Lächerlichkeit perfekt zu machen, fehlt nur noch die Behauptung der Dalei Lama hätte diese Bilder gefälscht. Man sollte sich bei einem solchen Verhalten überlegen mit wem man dort kooperiert und ob das Verhalten des Partners China nicht letztendlich den Olympischen Spielen im gesamten einfach nur schadet. Denn im Moment wird man das Gefühl nicht los, dass sich das IOC komplett vor den chinesischen Karren spannen lässt und tut was man in China möchte. Dies ist natürlich legitim, mögen einige Menschen denken, schließlich sind schon Milliarden nach Peking geflossen aber dann sollte man auch ganz klar sagen, dass die Olympischen Spiele unpolitisch, sportlich und vor allem eine rein Gewinnorientierte Veranstaltungsreihe sind.

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Kategorie: Europa · Free Tibet · Medien · Sport · Wirtschaft

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