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Die Wahrheit des Wortes

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Terroristische Terminschwierigkeiten

25. November 2010

Natürlich soll man den Tag nicht vor dem Abend loben und die angekündigte Zeitspanne der terroristischen Bedrohungslage für Deutschland ist gerade erst fast zur Hälfte abgelaufen aber, wie vermutet, hat sich außer der Verbreitung von Angst und Schrecken glücklicherweise nichts getan. Sollte man nun ein Loblied auf den Bundesnachrichtendienst (BND) und das Bundeskriminalamt einstimmen (BKA)? Fakt ist, einer der am meistgefährdetsten Tage, der Montag, war nichts anderes, als ein ganz normaler Montag im November. Natürlich gab es die Meldungen, dass der halbe Reichstag in Berlin gesperrt wurde und in Belgien, den Niederlanden und in der Nähe von Aachen Terrorverdächtige verhaftet wurden aber diese Meldungen kennt man, da sie schon fast so etwas wie Alltagsgeschäft sind. Außerdem wurde bei den Verhaftungen darauf hingewiesen, dass sie nichts mit der Terrorgefahr in Deutschland zu tun hatten, sondern es um einen geplanten Anschlag in Belgien ging. Bei alldem spielen natürlich neben der Politik, wie so oft auch die Medien eine große Rolle.

Meister des Zynismus
Folgte man in den letzten Tagen zum Teil den etablierten Massenmedien, konnte man schon glauben im tiefsten Terrorsumpf versackt zu sein. Ständig  neue Sperrungen und vermutete Bomben, man lernte die Bahnhöfe dieser Republik in kürzester Zeit richtig gut kennen. Immer wieder bis unter die Zähne bewaffnete Polizei, es wurde ein extremes Bild vermittelt, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Die Medien verbreiteten doch ein ordentliches Gefühl der Panik, die Macht der Bilder wurde so noch einmal sehr schön deutlich. So forcierte man auf diesem Weg auch gleich Fragen nach neuen Antiterrorgesetzen und dabei dachten viele, dass solche Themen schon längst vom Tisch seien. Aber bei einer solche hohen Gefährdungslage passen solche Diskussionen natürlich sehr gut. Ist nur genug Angst und Schrecken verbreitet, sind die Menschen auch gleich viel offener für einen Überwachungsstaat und vergessen dabei, dass sich die möglichen Überwachungsszenarien eben nicht nur gegen die scheinbar unter Generalverdacht stehenden Menschen die an den Koran glauben richten. Ins Fadenkreuz der Ermittler könnte im Notfall jeder ganz schnell selbst geraten.

Richtig zynisch wird es dann natürlich, wenn man Bilder schwerstbewaffneter Polizisten sieht und dies mit dem Hinweis, nicht in Panik zu verfallen. Denn wenn man suggeriert bekommt, dass nun überall schon fast militärisch wirkende Kräfte der Polizei unterwegs sind, kann dies bei manchem schon einmal zu Panik führen. Im gleichen Atemzug dann vor Panik zu warnen, ist schon die pure Heuchelei. Die Medien warnen vor dem, was sie selber aufgebaut haben. Ob dies zu ihren Aufgaben gehört kann man wohl klar verneinen. Da sollte sich doch der ein oder andere Kollege eher um die vielen offenen Fragen, die seit 911 bestehen, kümmern und nicht einfach den Mainstream der Regierenden übernehmen und passende Bilder schaffen die Menschen verunsichern. Die Redaktion von fairschreiben.de liegt im Herzen von Köln und mir ist seit über einem Jahr kein schwerbewaffneter Polizist mehr begegnet. Im Moment gibt es natürlich auf Grund der bekannten Terrorwarnungen mehr Sicherheitskräfte, die zum Teil auch schwerer bewaffnet und geschützt sind, als sie es sonst sind aber hier ein Horrorbild zu zeichnen, wie es im Moment geschieht und scheinbar auch gewollt ist, ist nicht der richtige Weg.

Aus Angst mach Geld
Man fragt sich immer wieder und wieder, wie es kommt, dass es immer wieder ganz konkrete Terrorhinweise, Terrorwarnungen und ähnliches gibt aber nichts passiert und dies bezieht sich gar nicht so sehr auf einen terroristischen Anschlag, den keiner will, sondern auch auf die Ermittlungsergebnisse. Schaut man sich die Fälle der Kölner Kofferbomber und die der so genannten Sauerlandgruppe an, hat man oftmals das Gefühl, als hätte man es mit jungen, erwachsenen Amateuren zu tun, was dann natürlich nicht in die Darstellungsweise eines bestausgebildetsten Terrornetzwerkes passt. Es passt auch nicht dazu, dass viele der Gefährder, von denen man immer spricht, dann wieder so gut sind, dass diese nicht gefasst werden. Sollte, und davon ist nach bisherigen Maßstäben auch diesmal auszugehen, wieder nichts passieren, wird man wahrscheinlich den hohen Ermittlungsdruck dafür heranziehen, der dann aber scheinbar nicht hoch genug war, die mutmaßlichen Täter zu stellen. Dies wäre dann wieder etwa so glaubwürdig, wie wenn man behaupten würde, die geplanten Anschläge hätten aus terminlichen Gründen bei den Terroristen nicht stattfinden können. Es gibt in diesem Bereich einfach zu viele offene Fragen.

Eine gerne genutzte Antwort ist natürlich immer die mit den ermittlungstaktischen Gründen, was natürlich bis zu einem gewissen Grad auch zulässig ist aber doch scheinbar auch oftmals als Joker gegen eine gewisse Erklärungsnot verwendet wird. Hinzu kommt natürlich der Fakt, dass davon auszugehen ist, dass gerade auch auf diesem Gebiet die Geheimdienste eine nicht unerhebliche Rolle spielen und hier wird der Nebel dann natürlich erst richtig undurchsichtig. All dies könnte von den etablierten Medien, aber vor allem auch von der Politik, mit einigen klaren Antworten aus der Welt geschafft werden. Genau dies geschieht allerdings nicht und dann fragt man sich natürlich, warum dem so ist. Die plausibelste Antwort wäre, dass man etwas zu verheimlichen hat, wobei man wieder bei der grundsätzlichen Frage wäre, was hier wirklich vor sich geht. Der Vorwurf richtet sich aber nicht nur an die Politik, sondern, wie bereits mehrfach erwähnt, vor allem auch gegen die Medien, die aus dieser Situation versuchen Quote, Auflage, also am Ende des Tages Kapital zuschlagen. Ethisch und moralisch ist es allerdings kaum vertretbar mit der Angst der Menschen Geld zu machen, auch wenn es natürlich auf vielen anderen Ebenen auch passiert.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik

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