fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Sturm in der Commerzbank Arena

9. Mai 2011

Am vergangenen Wochenende stand der vorletzte Spieltag in der 1. Bundesliga an und es ging gerade auch bei den Abstiegsplätzen um die Wurst. Ein sehr wichtiges Spiel in diesem Zusammenhang war das Spiel Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Köln, welches die Kölner in der Mainmetropole mit 2:0 gewannen, was die Hessen an den Rand des Abstiegs trieb. Eine Folge des Ergebnisses war, dass gut 150 Frankfurter Fans das Spielfeld stürmten und es zu Ausschreitungen mit der Polizei kam in dessen Verlauf wohl auch Schlagstöcke und Tränengas bzw. Pfefferspray zum Einsatz kamen. An dieser Stelle spricht man ganz schnell gerne von Hooligans oder Ultras oder von der Kategorie C aber vielleicht sollte man gerade an einem Ort, wie der Commerzbank Arena einmal weiterdenken und sich überlegen, was solche Gewaltausbrüche eigentlich auslöst. Wenn man bei diesem Bereich bleibt, wird schnell klar, dass diese Menschen, die hier sehr gewaltbereit vorgehen, aus der Mitte der Gesellschaft kommen und man hier ein Spektrum von Hartz-IV-Empfängern bis zum erfolgreichen Akademikern vorfindet Dies zeigt vor allem eines und zwar wie weit die Unzufriedenheit in diesem Land verbreitet ist und dies sollte zu denken geben und wirft die Frage auf, ob der eingeschlagene Kurs der richtige ist.

Ist das System gescheitert?
Die großen Fußballarenen werden schon lange nicht mehr nach Personen benannt, die für Vereine oder diesen Sport im allgemeinen Großes geleistet haben. Stadien sind Anlageobjekte, die vielfach nach ihren Hauptgeldgebern benannt werden und das hat mit sportlichem Wettkampf nur noch wenig bis hin zu gar nichts mehr zu tun. Ein weiteres Spiegelbild unserer Gesellschaft eben. Ein weiteres Indiz dafür, wie falsch der Weg ist der hier beschritten wird. Fußball ist mittlerweile eine Ware, die scheinbar nur noch den Gesetzen des Marktes zu folgen hat. Dies mag eine Masse an entertainmentsüchtigen Menschen, die Jahr für Jahr darauf hoffen, dass ein FC Bayern München wieder einmal über all ganz vorne mit dabei ist und dies scheinbar eher auf einer finanziell gestützten Basis, als auf einer ehrlichen und sportlichen, begeistern aber es gibt auch noch Menschen die sich nach Fairness sehnen. Da gerade auch im Bereich des Sports ganz allgemein, zum Beispiel im Kontext von Doping, die Massen hinters Licht geführt werden, zeigt sich auch in diesem gesellschaftlich so wichtigen Bereich, eher ein negativer Trend. Im Speziellen ist dies auch beim Fußball der Fall, auch wenn hier es hier eher um Wettskandale, als viel mehr um Doping geht. All dies führt gerade auch in diesem Bereich zu einer großen Unzufriedenheit, die sich dann auch in Gewaltexzessen, wie zuletzt in Frankfurt zeigen kann.

Überlegt man sich, dass zum Beispiel eine Jahreskarte für Bayer 04 Leverkusen zur nächsten Saison bis zu knapp 10 Prozent teurer wird, verlangen Menschen dafür auch eine Leistung. Wird diese Leistung, warum auch immer, gerade auch in entscheidenden Phasen nicht mehr erbracht, führt dies zu Zorn und dieser wird im Fußball, wie wohl auch im Rest des Alltags, scheinbar immer deutlicher in Gewalt ausgedrückt und dies geht weit über die Grenzen des Fußballs hinaus, wie zum Beispiel eine ansteigende Intensität der Gewalt und Amokläufe zeigen. Nun kann man all dies in Schubladen packen und deklarieren und mit immer mehr Polizei versuchen zu bekämpfen aber die Probleme eines komplett gescheiterten Systems wird man langfristig auch so nicht in den Griff bekommen. In einem Fall, wie dem hier geschilderten der Eintracht aus Frankfurt, scheint es nur symptomatisch zu sein, dass es sich in einer großen Arena abspielte, die nach einem großen Bankkonzern benannt wurde. Es ist schon lange mehr als nur ein Sturm im Wasserglas. In einer Zeit in der scheinbar von den Gewerkschaften bis hin zu den Kirchen sich immer größere Auflösungserscheinungen zeigen und auch ein Papst Benedikt XVI. keine Antworten mehr zu haben scheint, scheint für immer mehr Menschen Gewalt eine Lösung zu sein. Natürlich kann man als Staat, in einer gewissen Form der Arroganz, hier mit immer mehr Gewalt und Überwachung reagieren, wird aber so niemals Herr des eigentlichen Problems werden.

Nur die Hooligans?
Die Innere Sicherheit in der Bundesrepublik Deutschland gerät immer mehr ins Wanken und dies liegt eben auch an der beschriebenen, völlig falschen Herangehensweise an die Probleme des aktuellen Systems. Man sieht an dem ökonomischen Versagen der USA, welches der US-Präsident Barack Obama scheinbar gerade mit den Aussagen zum Tod von Osama bin Laden bestens kaschiert, wo eines der Hauptprobleme unserer Zeit liegt. Es ist die immer größer werdende Armut, die sich auch in Deutschland immer deutlicher zeigt, die zu einer Destabilisierung der Grundordnung führt. In Fällen, wie dem vom Wochenende in Frankfurt, die man schon lange nicht mehr als Einzelfall deklarieren kann, waren es dann Hooligans oder Ultras, in Berlin oder Hamburg sorgen immer wieder linke Chaoten für Negativschlagzeilen und im Osten ist es oft genug die Rechte. Dies macht deutlich, dass man hier von einem allgemeinen, stetig wachsenden, gesellschaftlichen Problem sprechen muss. So lange sich eine kleine elitäre Minderheit meint auf Kosten, also zum massiven Nachteil der Mehrheit, bereichern zu müssen, wird dieses Problem immer schneller, immer größer und dies sollte die Politik zu verhindern wissen. Dies geschieht allerdings nicht, da man scheinbar viel zu sehr in den Fängen der Lobbyisten hängt. Die Zeichen sind deutlich zu erkennen, auch dies hat das Wochenende wieder einmal gezeigt und auf ewig wird man diese Zeichen einfach nicht mehr ignorieren können, auch wenn dies scheinbar einige Menschen hoffen oder auch glauben.

All diese hier beschriebene Unzufriedenheit zeigt sich aber auch noch auf ganz anderen Gebieten, die sich allerdings noch wesentlicher schwerer zuordnen lassen. Es geht um das Thema Selbstmord und diese Art aus dem Leben zu scheiden, findet man auch immer wieder bei Prominenten, so erinnert man sich noch an den Freitod von Adolf Merckle oder auch an den tragischen Tod des Keepers von Hannover 96 Robert Enke. Am vergangenen Wochenende wurde diese Liste noch einmal etwas länger, denn der deutsche Industrielle, Playboy und Fotograf Gunter Sachs erschoss sich in seinem Haus Gstaad in der Schweiz. Es mutet schon komisch an, dass sich damit schon die zweite Person aus diesen Reihen das Leben genommen hat und immerhin spricht man bei Gunter Sachs nicht nur vom Ex-Ehemann von Brigitte Bardot, sondern auch von dem Ururenkel von Adam Opel, also dem Mann der den Grundstein für den großen Automobilhersteller Opel gelegt hat, der in den letzten Jahren auch immer wieder für Negativschlagzeilen sorgte. So zynisch es klingen mag, spricht man hier aber eben nur von einer sehr kleinen Menge an Prominente im Gegensatz zu der wesentlich größeren Zahl der vielen Unbekannten, die diesen Weg ebenfalls gewählt haben, man aber meistens nichts von ihrem Schicksal erfährt. Man sieht hier sehr deutlich, ohne das hier Gewalt gerechtfertigt werden soll oder über den Tod von Menschen, völlig egal ob prominent oder nicht, geurteilt werden soll, dass der eingeschlagene Kurs, der völlig falsche ist.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Politik · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt 4 Kommentare ↓

  • 1 Der BALLacker » Nur noch ein Spieltag // 9. Mai 2011 at 05:33

    [...] der heimischen Commerzbank Arena gegen den 1. FC Köln, was die Fans übrigens mit schweren Ausschreitungen quittierten. Andere Mannschaften, wie zum Beispiel der lange Zeit Dauertabellenletzte Borussia [...]

  • 2 Der BALLacker » Kleiner Rückschlag fürs Ruhrgebiet // 20. Mai 2011 at 10:24

    [...] vom Niederrhein weiter durch die 1. Liga galoppieren, kann man wohl von einem großartigen Fußballjahr im Ruhrgebiet sprechen und darf gespannt sein, wie es in der nächstem Saison aussehen wird. In [...]

  • 3 Der BALLacker » Grenznah // 2. Sep 2011 at 07:42

    [...] gegen einer der Ausrichter der Europameisterschaft 2012 geht. Denn hier muss wohl in jedem Fall mit Ausschreitungen gewaltbereiter Gruppen von beiden Seiten gerechnet werden und gerade im Kontext des anstehenden [...]

  • 4 Der BALLacker » Das größte Cabrio der Welt // 27. Feb 2013 at 06:18

    [...] heutige Commerzbank-Arena verfügt seit der letzten Umbauphase über keine Leichtathletikbahn mehr. Zu den baulichen [...]

Schreib was dazu