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Die Wahrheit des Wortes

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Staatsfernsehen und GEZ – Ein Traumpaar

16. Februar 2011

Auch zum Ende der letzten Woche konnte man wieder erleben, wie traumhaft doch einiges in Deutschland noch immer zusammenspielt. Auch am Sonntag war die ARD-Talkshow `Anne Will` wieder ein gutes Beispiel dafür, warum man in Deutschland mit den öffentlich-rechtlichen Sendern scheinbar so etwas wie ein etabliertes Staatsfernsehen hat. Das beste daran ist allerdings, dass die Bürger diesen Weg der Verbreitung politischen Gedankenguts durch den Staat auch noch selber über die Gebühren, die die GEZ in oft umstrittenen Maße eintreibt, bezahlen dürfen. Anne Will oder viel mehr ihre Show wird immer wieder gerne kritisiert, vor allem wenn sie sich, wie auch in der vergangenen Woche, wieder einmal mit dem Thema Hartz IV auseinandersetzt. Immerhin muss man anmerken, dass man dort diesmal ganz ohne technische Störungen über die Runden kam. Allerdings ist dieser Punkt auch schon so gut wie das einzig Positive, was man zu diesen 60 Minuten sagen kann. Der Staat möchte ein Bild vermitteln und wenn man sich eine Sendung, wie die angesprochene, anschaut, scheint die einzige Aufgabe dieser zu sein, dieses Bild in der Öffentlichkeit zu manifestieren und dies ist für eine Demokratie einfach nur erschreckend und wird dieser nicht gerecht.

Falsch ernährte Kinder und die Sache mit dem Ende der Woche
Man konnte sie auch in dieser Sendung wieder sehen, die Personen, die als Hartz-IV-Empfänger eingeblendet wurden und den optischen Anschein machten, nicht zu den gut ausgebildeten und motiviertesten Menschen in diesem Land zu gehören. Im Klartext wurde hier einmal mehr das Bild vermittelt, dass alle Hartz-IV-Empfänger ungebildete Faulenzer sind. Dann gab es noch den 13 Jahre alten Maurice, der Fragen an die Runde bei `Anne Will` stellte und auch hier tauchte, wie durch Zufall, ein übergewichtiges Kind auf, was wieder den Anschein erweckte, dass alle Hartz-IV-Empfänger ihre Kinder nicht gut ernähren. So werden Bilder geschaffen, die mit der Realität oftmals nur wenig bis hin zu gar nichts mehr zu tun haben und man fragt sich, ob so etwas wirklich die GEZ und die von ihr eingetriebenen Gebühren noch im Ansatz rechtfertigt. Inhaltlich war es, wie es eigentlich so gut wie immer ist, wenn es um diese Sendung geht, ein Großaufgebot an Meistern der leeren Worthülsen. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sprach ständig davon, dass man den Sack, in Bezug auf die Hartz-IV-Neuregelung, noch in dieser Woche zu machen könnte, wobei sie in dem Moment, als sie dies sagte, noch circa zwei Stunden Zeit gehabt hätte, denn es war Sonntagabend. Man fragt sich, ob so etwas von mangelnder Intelligenz zeugt oder von totalem Desinteresse gegen über dem Leben ganz allgemein.

Noch besser war aber der ständige Hinweis, dass es nicht länger um Schuldzuweisungen in der Sache gehen dürfte, sondern es endlich um Lösungen gehen müsste. Diese Worthülsen wurden dann damit untermauert, dass man sich 60 Minuten lang die Schuld am völligen politischen Versagen gegenseitig zu schob und so aus dem schwarzen Peter auch immer wieder ein roter wurde. Auch hier scheint eine gut erkennbare Strategie hinter zu stecken, denn man verbreitet mit diesem Format wohl mehr politisches Desinteresse, als das man den Menschen zeigt, wie sinnvoll die Politik in diesem Land sein könnte, was übrigens bei der heutigen Politik, wie sie einem auch dort immer wieder geboten wird, kaum möglich ist. Auf diese Art kann man dann natürlich im politischen Berlin weiter munter gegen das eigene Volk regieren und dies gilt parteiübergreifend. Wenn man dieser These folgt, wird auch ein staatlich gesteuertes Desinteresse an der Politik mit den Gebühren, die die GEZ eintreibt, finanziert und auch hier stellt sich dann erneut die Frage nach der Berechtigung dieser Institution. Nehmen wir einfach einmal an, dass Ursula von der Leyen (CDU) einfach nicht bewusst war, dass die Woche gerade zu Ende ging und der anwesende Frankfurter Imbissbudenbesitzer auch nur einen schlechten Tag hatte, als er meinte, dass die Aussage `Arbeit muss sich wieder lohnen` ein Wort sei, war dies aber lange noch nicht alles.

Arbeit und Menschenwürde
Das es durchaus Personen gibt, die die Einblendungen des eben erwähnten Kindes in dem Kontext dieser Sendung, als fragwürdig in Bezug auf die Menschenwürde fanden, zeigte sich sogar in der Sendung selbst. Anstatt weiter darüber zu diskutieren, wie wenig manche Menschen in diesem Land zum Leben haben, sollte man sich damit beschäftigen, warum so etwas in einem Staat, der von sich behauptet ein Sozialstaat zu sein, obwohl immer mehr von dem, was diesen ausmacht, zerstört wird, überhaupt möglicht ist. So wurde das Thema, warum in Deutschland keine Arbeitsplätze geschaffen werden, von denen man menschenwürdig seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, wie so oft in dieser Sendung, einfach abgewürgt. Hier hätte man die Politiker und auch die anderen Protagonisten der Sendung tatsächlich stellen können aber dies ist wohl nicht im Sinne der Bundesrepublik Deutschland oder im Sinne der ARD oder der GEZ. Genau an dieser Stelle sollte man überlegen, ob in Deutschland nicht auch die Medienlandschaft langsam völlig reformbedürftig ist, denn scheinbar hat man nur noch die Wahl zwischen staatlich gelenktem, durch GEZ-Gebühren finanziertem Staatsfernsehen und durch Werbekunden gesteuertes Privatfernsehens und den dazu passenden Internetangeboten, sofern man von den so genannten etablierten Massenmedien spricht. Auch kein gutes Bild in einer Demokratie.

Löst man sich aber an dieser Stelle einmal von dem Traumpaar aus scheinbarem Staatsfernsehen und der GEZ und auch von `Anne Will` und widmet sich zum Schluss noch einmal der Frage nach menschenwürdig bezahlten Arbeitsplätzen, also dem Thema, welches die Politik meidet, wie der Teufel das Weihwasser, wird einem noch etwas deutlich. Dieses wohl größte Problem dieser Tage, in diesem Kontext, wäre ganz einfach zu lösen. Nicht kurzfristig aber einfach. Die Grundstruktur der Kapitalaufteilung müsste neu strukturiert werden und die Fesseln des raubtierkapitalistischen Systems müssten abgestreift werden. Dies würde allerdings bedeuten, dass die, die in diesem Land ganz offensichtlich mittlerweile auch schon die Politik steuern, auf ein wenig verzichten müssten und dies in einem Maß, in dem sie es wahrscheinlich noch nicht einmal merken würden und damit könnte man dann für angemessenere Löhne und Gehälter sorgen. Diese Verhältnismäßigkeit nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, wie es in der letzten Jahren passiert ist und mit den enormen Hilfsgeldern für die Wirtschaft und hier im speziellen für die Banken gekrönte wurde, wäre in der Hauptsache übrigens eine Aufgabe der Gewerkschaften gewesen, was auch vieles darüber aussagt, wo sie sich mittlerweile positioniert haben. Man sieht sehr schön, dass man nicht nur bei der GEZ ganz massiv über eine Neuordnung bzw. Abschaffung nachdenken sollte und vielleicht gibt es dann irgendwann einmal ein neues Traumpaar aus Arbeit und Lohn, wo wirklich freie Medien von berichten könnten.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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