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Die Wahrheit des Wortes

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Sport als Wirtschaftsmotor – Skifliegen am Kulm und was dahinter steckt

12. Januar 2009

Die Medien haben wieder einmal brav berichtet – ein großer Event, das Skifliegen am Kulm in Bad Mitterndorf/Tauplitz war ein Erfolg. Die Besucherzahl schlug alle Rekorde und man spricht von 80 000 bis 90 000 Fans, die am vergangenen Wochenende zum Kulm pilgerten. Jetzt einen Tag später ist etwas Zeit, sich die Details dahinter anzusehen. Da ist dann doch nicht mehr alles Gold, was glänzt.

Hubert Neuper, der Organisator und Lokalgröße, sagt in einem TV-Interview heute Abend, dass man das Skifliegen am Kulm vor einem halben Jahr noch beinahe absagen musste – die Sponsoren fehlten und die Finanzierung stand auf der Kippe. Er sei aber jetzt über den Erfolg und die Einnahmen glücklich, weil man nichts draufzahlen muss. Soll das gar heißen, der Megaevent am Kulm war ein Nullsummenspiel? Welcher Aufwand wird da betrieben, wenn es sich finanziell gerade mal so ausgeht und man dafür 80 000 Besucher braucht!

Sieht man sich das Skiflug-Event einmal genauer an, darf man auch die Frage nach der Herkunft der Besucher stellen. Die wenigsten kamen aus der Region selbst. Viele reisten aus Niederösterreich, Oberösterreich und der übrigen Steiermark an. Bewohner des Steirischen Salzkammergutes fand man kaum. Und dann setzten wir von der Österreich-Redaktion unseren Streifzug fort und begutachteten die Sponsoren-Labels. Kein einziges einheimisches Unternehmen aus der Region Ausseerland fand sich; zumindest nicht an optisch präsenter Stelle. Nur überregionale Marken dominierten. Und die vielen Langos-Buden am Veranstaltungsgelände haben mit dem Ausseerland soviel zu tun wie Burenwurst mit Texas. Was besonders unangenehm auffiel war, dass selbst das Catering im Pressezentrum nicht aus der Region kam. Was ist da also los, wenn die ortsansässigen Betriebe nicht präsent sind und die Chance für die Bewerbung regionaler Produkte nicht nützen? Was ist da los, wenn nur die Großen als Sponsoren mit ihren Marken und Logos auftreten? Fehlt den vielen kleinen Betrieben aus der Region Obersteiermark/Salzkammergut gar das Geld fürs Sponsoring? Oder zieht es die Organisation vor, auf vielleicht bewährte Strukturen zurück zu greifen! Fakt ist, wenn Geld in Richtung Sponsoren fließt, dann wohl in die Großen der Branche. Und es darf mit der Frage geschlossen werden: Wo bleibt hier die Wertschöpfung für die Region, wenn man einmal von den Nächtigungen der Skiflugfans absieht!? Umsonst erwähnte man infolge des zitierten Interviews von Neuper nicht, dass man sich in der Region um eine Nutzung des Kulm außerhalb der drei (!) Skiflugtage bemüht und die Anlage touristisch nutzen will. Und jetzt ist es auch klar, dass man den einen oder andern VIP-Chauffeur fürs Skifliegen eigentlich als örtlichen Postbeamten kennt. Das mag vielleicht der Grund dafür sein, dass die Einheimischen die drei Tage im Jahr als Möglichkeit eines Zubrotes nützen, anstatt das Kulm-Fliegen als Besucher zu erleben.

Zu den Sponsoren darf noch angemerkt werden, dass ein renommierter Bierhersteller ein Hauptsponsor bei dieser Sportveranstaltung ist. Alkohol und Leistungssport verträgt sich also doch. Ebenso wie Koffeinhaltige Aufputschgetränke, die von Jugendlichen gerne in Kombination mit harten Getränken zu sich genommen werden. Kein Wunder also, wenn am Samstag bei der Weltcup-Party in Bad Mitterndorf bei den Glühweinständen (schon wieder Alkohol!) nur noch “Leichen” zu finden waren. Der Geruch nach Erbrochenem ergänzte die Alk-Party bestens. Das Glühen in den Augen der Fans stammte da wohl mehr vom unmäßigen Alkoholkonsum als vom Schanzenrekord der ÖSV-Adler. Und als am zweiten Wettkampftag die Redaktion ihre Nase in die beheizten Besucherzelte steckte, war der Geruch unzweifelhaft: alter Fusel, Bier und Glühwein. Übrigens, der Liter Bier wurde mit 6,00 Euro verkauft. Das ist Oktoberfest-Stimmung. Und so manche Thermosflasche wurde halbvoll mit Schnaps gefüllt – Tee zur Stärkung gegen die Kälte. Die Redaktion war live dabei, es gibt Fotos davon. Der Kollege von der PR eines Ausrüsters erzählte: “Die Skiflugfans sind ärger als die Fußballfans, was den Alk-Konsum anbelangt.” Was hat also Alkohol mit Sport zu tun und warum berücksichtigt man das nicht bei den Sponsoren? Oder lassen sich Großveranstaltungen nur noch mit solchen Geldern realisieren, weil die Versorgung der Fans mit genügend (Hoch-)prozentigem die rekordverdächtigen Besucherzahlen sichert.

AMW

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Kategorie: Neues aus Österreich · Sport · Wirtschaft

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