Spitzentreffen der Heuchler in Berlin
26. September 2011
Natürlich steht auch der Beginn dieser neuen Woche noch ganz im Zeichen des Papstbesuches in Deutschland. Die Geschehnisse der letzten Tage würden wahrscheinlich auch für unendlich viele Artikel ausreichen, da es aber noch andere wichtige Themen auf dieser Welt gibt, sofern man den Besuch von Papst Benedikt XVI., als wichtig einstufen möchte, begrenzt man sich hier auf das Wichtigste. Hierzu zählt natürlich der Besuch in der Hauptstadt, der schon sehr viel aussagte und zwar zum Thema Religion im Kontext zur katholischen Kirche aber auch zum Thema Politik in Deutschland. Es erinnerte zum Teil an Zeiten, die nicht für ein gutes Deutschland standen und man fragte sich, ob sich Vertreter der katholischen Kirche alles erlauben dürfen. Wenn man sich die politische Seite betrachtete, fragte man sich, ob manch Politiker eigentlich gar kein Rückrat mehr besitzt. Fakt ist natürlich auch, dass dieser Besuch einmal mehr zeigte, dass es in Deutschland kaum die Trennung zwischen Staat und Kirche gibt, die man immer propagiert. Alles in allem zeigte der Heimatbesuch des Papstes vor allem zwei Dinge. Auf der einen Seite, dass auch in Deutschland der Widerstand gegen die katholische Kirche wächst, was durchaus als positives Signal für eine bessere Gesellschaft zu sehen ist, wenn man sich dort nicht aus eigener Kraft dem Wandel unterziehen möchte und auf der anderen Seite, dass die Politik nicht nur gegenüber der Wirtschaft keinerlei Rückrat zeigt.
Rückrat in der Politik ist nicht gefragt
Es gibt eine klare Gemeinsamkeit zwischen den Kirchen und der Politik in Deutschland, es sind beides Bereiche für die sich die Menschen immer weniger interessieren. In der Politik wird dies durch erschreckend niedrige Wahlbeteiligungen deutlich, bei den Kirchen durch massive Austrittswellen. Nun sollte Papst Benedikt XVI. im Bundestag sprechen und dies kam doch auch nicht nur gut an, um es einmal ganz vorsichtig zu formulieren, denn ein gewisser Anteil an Politikern meinte, dass hier die Trennung von Staat und Kirche nicht mehr gegeben sei. Mal ehrlich, was erwartet man von einem Staat in dem christliche Parteien regieren. Solche Prägungen bei Staatsführungen in der islamischen Welt kritisiert man übrigens auch immer ganz gerne, in Deutschland ist dies natürlich etwas ganz anders. Man könnte es auch einfach nur Heuchelei nennen. Das Menschen in diesem politisch so wichtigen Haus auftreten dürfen, die Homosexuelle nicht dulden, ist schon erstaunlich, dass dies in einer Stadt geschieht, in der gerade ein bekennender, homosexueller als Bürgermeister bestätigt wurde, machte die Sache noch spannender. So konnte man mit großem Interesse verfolgen, wie wohl das Treffen zwischen dem frischgewählten Oberberliner, Klaus Wowereit (SPD), der noch gut eine Woche zuvor, ganz im Sinne eines Popstars, den Tanzbär machte und Papst Benedikt XVI. werden sollte. Man ist kaum erstaunt, dass es ein freundschaftlicher Empfang war. Vielleicht sah man hier den Beginn einer ganz besonderen Männerfreundschaft. Man kann es aber auch ganz anders sehen.
Es wirkte wohl auf manch einen, wie ein Spitzentreffen der Heuchler, was für Berlin nun auch nichts wirklich Neues ist, schließlich schlägt hier das politische Herz der Bundesrepublik Deutschland und wenn man sich hier viele Entscheidungen anschaut, muss man einfach von Heuchelei sprechen. Es ist schon erstaunlich, dass der Oberhirte aus Rom scheinbar kein schwerwiegenderes Problem mit seinem homosexuellen Gegenüber hatte, ist dies doch sonst ein so großes Thema bei den Katholiken. Umgekehrt fragt man sich natürlich, wo Herr Wowereit (SPD) eigentlich sein Rückrat gelassen hatte, dass er dieses große Schauspiel mit machte. Aber es gab noch mehr, wo man klar merkte, dass Wahrheiten zur Zeit des Papstbesuches nicht gerade weit oben auf der Agenda standen. So konnte man bei der ARD einen Vertreter des katholischen Büros sehen, der wirklich meinte erklären zu müssen, man hätte auf Seiten der katholischen Kirche nicht die Erfahrung mit dem Management von Großveranstaltungen. Kurze Zeit später konnte man dann im Berliner Olympiastadion bestens, auch farblich organisierte Jubeleinheiten sehen, was wahrscheinlich genauso ein Zufall war, wie das Dunkelhäutige eingeblendet wurden, als die Rede von der großen Anzahl an Katholiken in Berlin mit Migrationshintergrund war. Man muss sich bei einem solchen Verhalten, sowohl auf Seiten der Politik, wie auch auf Seiten der Kirchen nicht wundern, wenn eine gewisse Form des Desinteresses auch mehr und mehr im offenen Widerstand umschlägt, wie man ihn ähnlich, wie zuvor beim Weltjugendtag in der spanischen Hauptstadt Madrid, nun auch in Deutschland erleben dürfte. All dies war aber noch gar nicht das, was einem wirklich Angst machen sollte.
Damals im Olympiastadion von Berlin
Das Olympiastadion in Berlin hat nun einmal auch auf die deutsche Geschichte bezogen, so seinen ganz eigenen Ruf, um auch an dieser Stelle mit ausreichender Vorsicht an den folgenden Sachverhalt heranzugehen. Wenn dort nun einer der großen Führer im Kontext von Religion auftritt, ist dies die eine Seite, wobei auch dies, mit der großen Anzahl an einheitlich, scheinbar nach einer gut vorbereiteten Choreographie abgestimmten, jubelnder Menschen, schon komisch anmuten konnte, eine ganz andere Seite ist dann allerdings, wenn der frischgebackene Erzbischof Rainer Woelki erklärt, dass der Besuch eines Papstes aus Deutschland in Deutschland kein Jahrhundertereignis sei, sondern ein Jahrtausendereignis. Natürlich ist gegen diese Aussage inhaltlich wahrscheinlich nichts zu sagen, wir werden es alle nicht erleben aber das letzte geplante Jahrtausendereignis aus deutscher Sicht, welches noch kein Jahrhundert zurückliegt, ist glücklicherweise gescheitert, also sollte man mit der Wortwahl en einem solchen Ort doch vorsichtig sein. Natürlich hat die katholische Kirche auch zu dieser Zeit eine ganz besondere Beziehung, die wohl auch in den nächsten tausend Jahren nicht gänzlich geklärt werden wird. Wenn man beim Thema katholische Kirche und Aufklärung ist, kommt man natürlich auch ganz schnell zu einem weiteren, spannenden Thema, bei welchem man sich von diesem Besuch, wie von so vielen anderen Punkten auch, wesentlich mehr erhofft hatte. Denn es war die Gelegenheit für den Papst aus Deutschland, sich dazu in Berlin, also in der Hauptstadt, zu äußern, wie man zu den unvorstellbar grausamen Missbrauchsskandal im eigenen Hause steht aber auch hier kam nichts, was die Menschen hätte positiv bewegen können.
Der Auftritt in Berlin war, so kann man es wohl sagen, erwartungsgemäß und für alle, die dieses Spiel der großen Heuchelei auch noch weiterhin mitspielen wollen, befriedigend. Für all die, die noch ein wenig Resthoffnung auf einen Wandel hatten, dürfte es eine weitere Enttäuschung gewesen sein. Wie sich eine Gesellschaft entwickeln wird, in der man politisch, wie auch religiös nur noch enttäuscht wird und die persönlichen Belange am Band ignoriert werden, wird sich zeigen aber ein Zeichen für eine bessere Welt ist hier von keiner Seite gesetzt worden. Man muss aber sagen, dass der Papstbesuch in Deutschland nicht nur negative Seiten hatte, denn es zeigte sich auch wieder, dass sich in Deutschland etwas bewegt und dies ist eine sehr positive Entwicklung. Man nimmt nicht mehr einfach alles so hin, wie man es von Religionsführern oder Politikern vorgesetzt bekommt, sondern man denkt darüber nach und handelt nachdem Ergebnis und dies ist ein außerordentlich begrüßenswerter Weg, der sich durchsetzen sollte, sowohl auf religiöser Seite, wie auch auf politischer. In beiden Bereichen, scheinen die Verantwortlichen vom politischen Berlin bis in den Vatikan noch immer nicht verstanden zu haben, dass der totale Machtwahn auf Dauer in dieser Gesellschaft nicht gegen die Massen durchzusetzen ist. Wie es für Politik immer schwerer werden wird Menschen zu finden, die ihr Interesse an der Wahlurne bezeugen, wird es auch immer schwerer für die Kirche Menschen zu überzeugen sich in Glaubensfragen ans Christentum zu binden und auch hier muss man nicht lange danach suchen, warum dem so ist. Die Menschen haben keine Lust mehr auf Heuchelei und irgendwann, werden solche Spitzentreffen der Heuchler, wie man sie gerade erleben musste, wohl ganz einsame Veranstaltungen werden.
Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Politik































Bis jetzt 2 Kommentare ↓
1 Der BALLacker » Gute Nachrichten aus der Hauptstadt // 3. Okt 2011 at 08:41
[...] auch in der aktuellen Hauptstadt am Wochenende Grund zur Freude, denn Hertha BSC Berlin fertigte im Olympiastadion den 1. FC Köln mit 3:0 ab und dies war nicht das einzig erfreuliche Fußballereignis des [...]
2 Art for Europe » Der Kunstkalender: Angels 2012 - Engel für ein Jahr // 10. Okt 2011 at 05:56
[...] zu tun, es geht um meine ganz eigene Art des Glaubens und die hat mit Sicherheit nichts mit dem Papst oder sonstigem zu tun. Insgesamt sprechen wir von 14 verschieden Motiven und zwar jeweils eines [...]
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