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Die Wahrheit des Wortes

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Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?

12. März 2009

Also bitte, liebe Frau Minister Claudia Schmied (SPÖ)! Ein wenig mehr PR-Geschick hätten Sie mit Ihrer Abteilung schon an den Tag legen können. Gerade jetzt, wo das Geld bei den Wählern wegen der Kurzarbeit knapp wird, die Lehrergewerkschaft mault, und die Medien berichten, dass 1.200 Euro im Monat pro Haushalt zur Bestreitung des Alltags ausgegeben werden. Gerade jetzt tauchen 1.440 Euro fürs Schminken mit Airbrush-Technik auf. Ach ja, Ihr Sprecher erklärt, Sie  wären starkem Scheinwerferlicht ausgesetzt gewesen – damals im Oktober 2007. Das rechtfertigt aber noch lange nicht den 1.440 Euro-Griff ins Reputationsbudget des Ministeriums.

Wir wundern uns schon sehr, dass quasi als Entschuldigung Schmied´s Sprecher, Niko Pelinka, die zehn Vollzeitvisagisten von Barack Obama ins Treffen führt. Was will er damit den Wählern sagen? Wohl hoffentlich nicht, man sei ja nicht wie Obama, dieser “böse Bube” mit dem Visagistenheer im Schlepptau. Der ehemalige Rechnungshofpräsident Franz Fiedler erklärt, der Griff in diese Kasse für Make up wäre nicht üblich. Ungeschickt ist es allemal, und zeugt von wenig politischem Gespür.

Oder ist diese Vorgehensweise “am Wiener Hof”, sich einfach an Budgettöpfen zu bedienen, sinnbildlich zu verstehen? Symbolisch für “wir sind anders, wir dürfen das”? Die Optik der Ministerin leidet darunter ungeheuer – wohl nicht jene ihres Gesichts, weil das Make up ja sitzt, doch ist die politische Optik beschädigt. Soziales Gespür scheint wenig ausgeprägt vorhanden. Man nennt das doch auch “social behavior”, oder? Weil der Wähler gleich mal nachfragt, was denn eine Bildungsministerin so verdient, wenn sie Steuergeld zum Schminken braucht. Wow – 16.320 Euro im Monat, und das 14 Mal sind es. Ein Drittel der österreichischen ArbeitnehmerInnen zahlt keine Steuern, weil sie unter den rund 17.500 Euro Jahreseinkommen (!) liegen, las man vor ein paar Wochen. Was Claudia Schmied im Monat bekommt, verdienen viele Menschen in Österreich in einem Jahr. Noch eigentümlicher kommt es bei den Wählern an, wenn man im Standard liest, auch Kanzler Werner Faymann (SPÖ) habe sich einen Visagisten vom Kanzleramt bezahlen lassen. Die anderen Kollegen würden sich nur von den hauseigenen Visagisten der  TV-Sender pudern lassen.

Wir möchten ein wenig zur Mäßigung aufrufen, damit man in Österreich nicht den Eindruck bekommt, man habe es bei dieser Regierung mit dem Hof Ludwig XIV zu tun. Böse Zungen haben Marie Antoinette damals auch folgende Aussage unterstellt: “Wenn das Volk kein Brot hat, dann gebe man ihm Kuchen zu essen.” Fragt sich nur, wer in der gegenwärtigen österreichischen Regierung die Marie und wer der Ludwig ist.

AMW

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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