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Die Wahrheit des Wortes

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SPD schafft sich ab

28. April 2011

Die SPD bleibt immerhin weiter im Gespräch, so könnte man es gerade noch formulieren, wenn man den nächsten parteiinternen Skandal, kommentieren möchte. In diesen Tagen beweist sich wieder, man muss ganz offensichtlich nur genug Zeit ins Land ziehen lassen, dann lösen sich manche Probleme, zu mindestens oberflächlich, von ganz alleine. Thilo Sarrazin (SPD), der Rechtsausleger der Partei, darf bleiben und dies obwohl die Rufe nach seinem Austritt, nach der Veröffentlichung seines umstrittenen Buches, nicht zu überhören waren. Man kann es natürlich auch durchaus so interpretieren, dass seine Thesen in den Machtzentralen der SPD geteilt werden und es dann natürlich auch keinen Grund gibt, warum man ein solches Parteimitglied ausschließen sollte. Genau dieser Kurs stößt allerdings gerade auch bei den Anhängern an der Basis auf große Ablehnung und so gibt es eine weitere Austrittswelle aus der Partei, was die so oder so am Boden liegenden SPD noch ein weiteres Mal sehr schwächen dürfte. Sarrazin (SPD) hingegen darf sich wohl im Gegenzug darüber freuen, weiterhin auch als SPD-Mitglied sein Gedankengut zu verbreiten und seinen, doch schon durchaus als besonderes zu benennenden, Arbeitsstil fortzusetzen.

Die Leistungsfrage
Es ist spannend die verschiedensten Beurteilungen der Thesen eines Thilo Sarrazins (SPD) zu verfolgen und es kommt einem oft genug so vor, als ob er sich gerne im Schutzmantel der SPD zeigt. Man überlege sich einmal, gleichlautende Aussagen wären durch, zum Beispiel ein Mitglied der NPD gemacht worden, man erahnt, was dies zur Folge gehabt hätte aber bei einem SPD-Mitglied gelten wohl noch einmal ganz andere Maßstäbe. Diesen Bezug hätte man nun von Seiten der SPD durch ein Parteiausschlussverfahren aufheben können, zieht es aber wohl vor, weiterhin die Gesellschaft einer solchen Person in den eigenen Reihen zu haben. Ein Kurs den nicht jeder Genosse mittragen kann und möchte und dies aus mehr als verständlichen Gründen. Thilo Sarrazin (SPD) ist nicht zum ersten Mal auffällig geworden und man fragt sich manchmal natürlich auch, was dahinter steckt und vor allem, was er bislang für die Gesellschaft selber erbracht hat. Er war im Berliner Senat für die Finanzen verantwortlich und damit natürlich auch in gewisser Weise mit dafür, wo Berlin im Moment steht. Auch seine Arbeit bei der Bundesbank steht immer wieder unter dem Verdacht nicht wirklich angemessen bezahlt worden zu sein, was bedeuten soll, man kann schon überlegen, ob dieser Mann nicht an vielen Stellen, im Kontext der von ihm erbrachten Leistungen, überbezahlt ist.

Thilo Sarrazin (SPD) meint in der Regel immer wieder damit ein gewisses Publikum erreichen zu müssen, und letztendlich auch zur Spaltung der Gesellschaft beizutragen, dass er erklärt, welche Menschen, wie, das System ausnutzen. Hierbei geht es ihm eigentlich immer um das deutsche Sozialsystem, wobei man gleich auch anmerken sollte, wie es um dieses bestellt ist. Auch hier gelangt man schnell zur SPD, denn mit der Agenda 2010 des ehemaligen Bundeskanzlers und Genossen der Bosse, Gerhard Schröder (SPD), nahm der Kahlschlag des Sozialstaates in Deutschland erst richtig Fahrt auf und wird bis zum heutigen Tag auch noch von der aktuellen Bundesregierung, sehr facettenreich fortgesetzt. Somit bleibt natürlich auch immer weniger, was man überhaupt noch ausnutzen kann, auch das sollte man einmal deutlich festhalten. Nun ist natürlich Kritik daran, wie Menschen Systeme ausnutzen, mehr als legitim, man muss nur auch beachten, wer hier kritisiert und wenn man der These folgen will, dass ein Herr Sarrazin (SPD) viel Geld für wenig Leistung erhält bzw. erhalten hat oder die Politik, an der auch er seinen Teil beigetragen hat, zu einer unvorstellbar großen Verschuldung Berlins beigetragen hat, ist es schon erstaunlich, dass er sich soweit aus dem Fenster lehnt.

Der erste Stein
Es soll nicht bezweifelt werden, dass es in Deutschland Empfänger von Sozialleistungen gibt, die auch nichts anderes von ihrem Leben erwarten, was schon traurig genug ist und aufzeigt, wie groß in diesem Land zum Teil die Perspektivlosigkeit schon ist. Es gibt darunter auch bestimmt eine gewisse Zahl an Menschen mit Migrationshintergrund, auch dies wird nicht angezweifelt aber es ist einfach wieder einmal nur sehr kurzsichtig betrachtet und vor allem auch sehr einseitig. Thilo Sarrazin (SPD) ist nun auch nicht der einzige Mensch im Land, der diese Probleme anspricht, dies tun auch noch ganz andere, wenn auch nicht in einer solch populistischen Art und genau hier fragt man sich oftmals, wer eigentlich den ersten Stein werfen mag, sitzen doch viele mitten im Glashaus. Die Anzahl der Manager, die Deutschland geschadet haben, gerade auch im Bereich des Bankensektors, kann man auch nicht gerade als unerheblich einstufen und was hier an Kapital vernichtet oder oftmals auch einfach nur verschoben worden ist, ist mit den Summen, um die es im Bereich der Ausnutzung der Sozialsystem geht, wirklich nicht zu vergleichen. Manch einer der von unsozialem Verhalten spricht, sollte sich dies, im Angesicht seiner eigenen Vita, sehr gut überlegen.

In Deutschland sind die so genannten Zweitjobber schon gar keine große Ausnahme mehr, der Trend geht zum Multijobben, denn Bereiche wie zum Beispiel Leiharbeit und die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, drücken das Lohnniveau in Deutschland in eine ganz klare Richtung und dies gepaart mit immer mehr Eigenverantwortung, zum Beispiel im Bereich der Krankenversicherungen, deutet auf wirkliche soziale Missstände hin und die sollte man viel eher und intensiver diskutieren, als die Themen, die ein Thilo Sarrazin (SPD) gerne besprochen sehen will. Es wirkt oft so, als wolle man vom eigenen Fehlverhalten nur ablenken und auch dies wird den Menschen im Land immer bewusster und so erklärt sich auch, warum man die SPD in Kontexten, wie dem hier geschilderten Nicht-Ausschluss eines Thilo Sarrazins (SPD), mit Austritten quittiert. Sollte die SPD weiter an diesem Kurs festhalten, wie die wirklich Einflussreichen auch noch immer an der eben schon angesprochenen Kahlschlagspolitik der Agenda 2010 festhalten, wird die Krise in der Partei immer weiter wachsen und vielleicht schafft sie sich wirklich irgendwann einmal selber ab, dann sollte man die Schuld aber nicht irgendwo anders suchen, als bei sich selbst.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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