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Die Wahrheit des Wortes

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So zwitschert Papst Benedikt 16.0

5. Juli 2011

Es brennt auf den Straßen von Athen bis Kairo. Die Armut steigt auch in Deutschland stetig an. In Libyen tobt ein Krieg, der lange schon das Maß dessen überschritten hat, was über die Medien zum Beginn der westlichen Offensive im Norden Afrikas verbreitet wurde. Dies sind nur einige wenige Fakten aus der ersten Jahreshälfte 2011 und es sieht nicht wirklich danach aus, als würde sich in der zweiten Jahreshälfte grundsätzlich so vieles bessern. Vielen Menschen macht so etwas einfach nur Angst, sie sind verwirrt über die Zustände, die mittlerweile auch in Europa immer härter werden. Man spricht in diesen Tagen, trotz, oder gerade wegen den Entwicklungen in Griechenland, von nichts geringerem als dem Ende der Währungsunion. Da das Ende des Euros ziemlich fest mit dem Zerfall der Europäischen Union (EU) verknüpft ist, mag man auch hier gar nicht detailliert über die Folgen, die all dies vor allem auch für Europa haben kann, nachdenken. Viele Menschen fanden in solch angespannten Lagen, die es in dieser oder natürlich auch noch viel schlimmerer Form in der Menschheitsgeschichte immer wieder gegeben hat und wahrscheinlich auch immer geben wird, Trost im Glauben und dieser ist in Deutschland natürlich noch immer in aller erste Linie mit den Kirchen und Papst Benedikt XVI. verbunden.

Viele Probleme und kaum Antworten
Nun hat es die Kirchen in den letzten Jahren mit all ihren Skandalen zu Themen, wie zum Beispiel Missbrauch, Alkohol und merkwürdig angehäuften Geldern ordentlich durchgerüttelt, um es einmal etwas vorsichtig zu formulieren. Natürlich führte all das Fehlverhalten, welches dort immer wieder an den Tag gelegt wurde, neben verschiedenen personellen Konsequenzen, auch zu einer massiven Austrittswelle, die einen so oder so bestehenden Trend noch einmal massiv verstärkte. In einer solchen Zeit sollte man meinen, dass die Kirche ein starkes Oberhaupt braucht, jemanden an der Spitze, im Vatikan, der die Zeichen der Zeit auf der einen Seite klar erkennt und auf der anderen Seite zu diesen Zeichen auch klar Stellung bezieht. Leider war es bislang so, dass der Nachfolger von Papst Johannes Paul II. diese so wichtigen Kriterien scheinbar nicht im Ansatz erfüllen konnte. Er schweigt und schweigt, was das Zeug hält. Wenn er sein Schweigen dann doch einmal bricht, weil das Protokoll es so vorsieht, wie zum Beispiel an Ostern oder anderen hohen christlichen Feiertagen, kommen meist nur Aussagen, die den meisten Menschen ihre großen Fragen nicht im Ansatz beantworten und sie so noch weiter enttäuscht werden. So entsteht natürlich eine Situation, die man nicht wirklich als glücklich benennen kann.

Dieser Problematik gegenüber stehen nun die verschiedensten Bemühungen der Kirchen ganz allgemein, um ihre gesellschaftliche Situation zu verbessern und hier wirken viele Aktionen einfach völlig hilflos. Wenn man an einem solchen Punkt, dann auch noch die Gesellschaft an sich beschuldigt, für diese Situation der Kirchen zu mindestens mitverantwortlich zu sein, wird es paradox. Man sollte sich zu erst einmal Fragen, warum sich die Gesellschaft so entwickelt, wie sie es in den letzen Jahren und Jahrzehnten, gerade auch in Folge des Endes des Kalten Krieges, getan hat. Mit dem vermeintlichen Sieg des Kapitalismus über die anderen System, die mit dem Eisernen Vorhang fielen, fielen auch viele Wertvorstellungen. Familienzusammenhalt wurde der Mobilität im Sinne der Arbeit geopfert. Die Alten im Land werden immer wieder gegen die Jungen ausgespielt, da das deutsche Rentensystem, wie auch viele andere soziale Bausteine, vor dem Kollaps stehen und diese Liste könnte man nun nach belieben bis in die Unendlichkeit fortsetzen. All dies geschah ohne das es den Kirchen gelungen wäre hier ausreichende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Also muss man natürlich auch den Kirchen eine gewisse Mitschuld geben, wenn man sich anschaut, wo sie jetzt steht und nicht der Gesellschaft selbst. Natürlich wird so etwas bei der Beurteilung der aktuellen Lage immer wieder gerne übersehen.

Der Vatikan und das Internet
Wie immer wieder geschildert, gab und gibt es ausreichend Gründe, wie und wo man von Seiten der Kirchen auch in der jetzigen Zeit aktiv werden könnte und klar und deutlich Farbe bekennen könnte. Dies bleibt aber aus. Was allerdings nicht ausbleibt ist, dass man nun auch mehr und mehr neue Techniken und die Möglichkeiten, die Medien, wie zum Beispiel das Internet, mit sich bringen, voll ausnutzt und dies nimmt immer absurdere Formen an. Gerade erst war die so genannte Beicht-App schwer in der Kritik und dies zum Teil auch bei der Kirche selbst, trotzdem unterstützt man diese Technik, ignoriert die Kritik und ging jetzt sogar noch einen Schritt weiter, wie man in der letzten Woche sehen konnte. Denn nun twittert Papst Benedikt XVI. auch noch und wird spätestens somit zum Papst Benedikt 16.0. Eine weitere Entwicklung in der Kirche, die man durchaus als mehr als kritisch ansehen muss. In sehr vielen wichtigen Bereichen unserer heutigen Zeit ist es für die Kirchen scheinbar unmöglich sich von gewissen, in die Jahre gekommenen, Traditionen zu trennen, geht es allerdings um den Bereich Technik, ist man ganz auf der Höhe der Zeit. Hier kommt natürlich die Frage auf, ob da die Prioritäten im Vatikan auch nur im Ansatz richtig gesetzt werden und man muss dies wohl schwer bezweifeln, was natürlich ein weiteres Mal ein sehr schlechtes Licht auf den Oberhirten wirft.

Es geht hierbei nicht darum Twitter oder ähnliches zu kritisieren, es gibt wahrscheinlich auch unzählige Menschen, die den Papst gerne bei facebook als ihren Freund hätte und dann könnte er auch hier ganz einfach seine Schäfchen einsammeln. Die Frage ist nur eben, ob all dies der richtige Weg ist, denn der ganze Bereich SocialMedia ist natürlich ein bewundernswertes Werkzeug im Web 2.0, wenn man von PR und Werbung spricht aber es müssen auch die richtigen Inhalte vorhanden sein und diese sind wesentlich wichtiger, als die Werkzeuge mit denen man sie dann verbreiten kann. Schaut man sich nun die Arbeit des Vatikans der letzten Jahre an, wobei man immer nur den Teil beurteilen kann, der in die weite Welt hinausgetragen wird, scheint hier allerdings die Technik, also die Werkzeuge, noch weit, weit vor den eigentlichen Inhalten zu kommen und dies dürfte am Ende des Tages, vielleicht wieder ganz kurzfristig etwas bringen aber auf lange Sicht wohl der falsche Weg sein. Immerhin war der Papst so einmal wieder in einem halbwegs skandalfreien Zustand in der Öffentlichkeit zu sehen. Trotzdem werden aber auch hier ganz bald wieder inhaltliche Fragen im Vordergrund stehen und dann ist es erst einmal wichtiger, die richtigen Worte zu finden und Antworten zu bieten. Ist diese große Aufgabe dann endlich einmal im ausreichenden Maße bewältigt, kann man sich auch in Ruhe um die Verbreitung all dessen kümmern. Anders rum, wie es im Moment der Fall ist, ist man einmal mehr auf dem Holzweg und sollte dies wissen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Wirtschaft

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