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Die Wahrheit des Wortes

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So wild ist der Osten

2. Februar 2011

Das schreckliche Bahnunglück von Sachsen-Anhalt ist natürlich auch noch einmal ein Grund sich mit einem besonderen Blick dem Osten Deutschlands zu zuwenden und dies ohne Vorurteile, denn für solche gibt es keinerlei Gründe. Die Wiedervereinigung liegt jetzt mehr als 20 Jahre zurück und gerade in den vergangenen beiden Jahren wurde viel, viel zurückgeblickt, allerdings oftmals in einer Art und Weise, die niemand wirklich braucht, denn es ist an der Zeit Fakten zu benennen und nicht ständig alles in den Himmel zu loben, was mit dieser historischen Entscheidung zusammenhängt. Natürlich sind 20 Jahre auch kein ausreichendes Zeitfenster, um diesen historischen Akt abschließend zu beurteilen, auch das muss jedem bewusst sein. Blühende Landschaften wurden den Menschen in Ostdeutschland versprochen, was natürlich gleichermaßen auch ein Versprechen an jeden Westdeutschen war, denn es war auch klar, dass man im Westen auch einen Teil dieser Last tragen musste. Blühende Landschaften gibt es in der heutigen Zeit allerdings, wenn überhaupt, auf irgendwelchen, vor sich hin verrottenden Industrieanlagen. Was es allerdings gibt, sind Berge an ungelösten Problemen.

Kein Geld für Nostalgie
Da prallen zwei Züge mit voller Wucht bei Hordorf zusammen, Menschen sterben und es stellt sich raus, dass es auf vielen Bahnstrecken in Ostdeutschland scheinbar keine ausreichenden Sicherheitssysteme gibt, die solche Katastrophen verhindern könnten. Bevor man dies allzu sehr vertieft, fixiert man sich natürlich lieber auf einen der Lokführer und fragt, ob er ein Rotsignal überfahren hat und damit die Tragödie ausgelöst hat. Selbst wenn es so gewesen sein sollte, bleibt die Frage offen, warum es das angesprochene Sicherheitssystem an dieser Stelle nicht gegeben hat, welches unter anderem genau für solche Fälle vorhanden sein sollte. Dies ist nur eines von vielen Beispielen dafür, dass weite Teile Ostdeutschlands auch nach über 20 Jahren nicht das Niveau des Westens erreicht haben. So lang man im Osten Geld verdienen konnte oder auch noch immer kann, waren bzw. sind sie da, die Investoren, die Wirtschaftsvertreter und natürlich auch die Politiker und erzählen einem etwas vom Herzen für den Osten und schwärmen auch gerne nostalgisch daher. Sobald aber die Subventionen aufgebraucht sind und es um Wirtschaftsrealismus geht, endet die Nostalgie und die Herzensangelegenheiten auch in vielen Fällen ganz schnell und man folgt weiter dem Geld.

Die Arbeitslosenzahlen in Deutschland sind gerade erst wieder dramatisch angestiegen und dies obwohl man doch gerade dabei ist den großen Aufschwung zu verkaufen. Hier kommt natürlich gerade auch der Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in Erklärungsnot. Wobei natürlich jeder weiß, dass es wie immer, auch diesmal eine Ausrede geben wird und man weiterhin in höchsten Töne vom Aufschwung sprechen wird. Genau diese Art der Kommunikation von Seiten der Politik ist es dann auch, die am Ende des Tages zu so großen Problemen oder viel mehr gesagt zur großen Unzufriedenheit führt. Denn genau wie die Lüge über die Vorteile der Wiedervereinigung, über die Jahrzehnte mehr und mehr ans Tageslicht kam, wird sich auch zeigen, dass die Weltwirtschaftskrise noch immer massiv tobt und es eigentlich gar keinen nachhaltigen Grund für all die Euphorie gibt, die hier scheinbar ganz gezielt von der Politik mit Hilfe der etablierten Massenmedien versucht wird unters Volk zu bringen. Kommt die Wahrheit ans Licht, führt dies natürlich bei allen Betroffenen zu Frustration, auch das hätte man eigentlich aus der Wiedervereinigung lernen müssen, hat man aber scheinbar nicht bzw. hält man sicht nicht daran.

Wo ist all das Geld hin?
Es wird immer wieder gerne behauptet, dass sich Geld auflöst, dass es vernichtet wird, Fakt ist allerdings viel mehr, dass es dies nicht tut, sondern einfach nur den Besitzer wechselt und hier wird es auch wieder sehr interessant, denn woher kommen all die Probleme in Ostdeutschland? Auch hier spielt mangelndes Kapital wohl eine erhebliche Rolle und dies betrifft auch den Westen, denn scheinbar ist und wird der Solidaritätszuschlag, gar nicht einmal immer im Sinne der Gesellschaft eingesetzt, sondern eher im Sinne der Wirtschaft und was dies bedeutet bzw. zur Folge hat, zeigt die massive Entvölkerung Ostdeutschlands, die wohl so schnell auch nicht zu stoppen sein wird. Kurz nach der Wende wollte man dies übrigens unbedingt verhindern aber auch dieser Teil deutscher Politik ist, wie man nun weiß, kläglich gescheitert. Natürlich schaden all diese Prozesse ganz Deutschland und die Schuld dafür tragen nicht die Menschen, sondern die Protagonisten, die diese Struktur seit Jahren und Jahrzehnten mitverantworten.

Hier redet man nun viel von der Vergangenheit und man wird viele der hier gemachten Fehlentscheidungen, zu mindestens in Kürze, nicht wieder umkehren können. Dadurch wäre es natürlich einfach sinnvoll, wenn man aus den hier gemachten Fehlern zu mindestens etwas gelernt hätte. Leider zeigt sich aber gerade auch im Kontext der Europäischen Union (EU), als dessen wirtschaftlichen Motor man Deutschland gerne bezeichnet, dass man aus diesen Fehlern rein gar nichts gelernt hat. Auch hier kommt erst einmal all das Negative zum Vorschein mit der Option, dass alles irgendwann einmal besser werden wird. Zu mindestens in Deutschland sollte man wissen, wie diese Geschichte ausgehen wird. Es geht bei diesen Zeilen nicht um die Frage nach dem politischen Sinn der Wiedervereinigung, sondern einfach darum, was man daraus gemacht hat und wie man letztendlich gleich zwei Nationen hinters Licht geführt hat. Vielleicht läuft es in der EU auch so, wie es mit der Wiedervereinigung in Deutschland gelaufen ist. Dann wäre die Wiedervereinigung so etwas, wie ein riesiger Testballon gewesen. Sollte das wiedervereinigte Deutschland die Blaupause für ein vereinigtes Europa sein, muss man sich wohl noch auf einiges in Europa einstellen und zwar nichts Gutes.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Wirtschaft

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