So gewalttätig kann das Christentum sein
13. Oktober 2011
Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland ist noch gar nicht so lange her und man erinnert sich auch noch gut an die Ablehnung, die ihm von Madrid bis Berlin entgegenschlug und schon wieder gibt es spannende Neuigkeiten über die Religion, an die man gerade in der westlichen Welt nichts kommen lässt. Man konnte gerade erst in Ägypten erleben, wie Christen das Symbol ihres Glaubens, das Kreuz, kurzer Hand zur Waffe machten und so Tod über die ägyptische Hauptstadt Kairo brachten. Sieht man Gewalt von Menschen islamischen Glaubens irgendwo, ist die Berichterstattung in der westlichen Welt meist klar und deutlich, da wird nicht nach Gründen gesucht, da wird klar gemacht, wie viel Gewaltpotenzial eben in dieser Weltreligion steckt. Spricht man hingegen vom Christentum, spricht man vom Papst, ist Gewalt kein Thema, alles scheint so friedlich und gut zu sein. Kreuzzüge und Missbrauchsskandale werden da in den westlichen Medien gerne stumpf ignoriert. Der Christ an sich scheint ein friedliebender, anständiger Mensch zu sein, ganz im Gegensatz zu den, auch gerne schon einmal als zurückgebliebenen dargestellten, Anhängern des Islams. Ganz realistisch betrachtet haben die schrecklichen Bilder aus Kairo, die man durchaus leider nicht als Einzelfall deklarieren kann, gezeigt, dass es scheinbar ganz allgemein einen klaren Zusammenhang zwischen großen Weltreligionen und Gewalt gibt.
Nicht von dieser Welt?
Wie auch der Papstbesuch in Deutschland deutlich machte und es auch nicht nachhaltig und ausreichend von der zuletzt tagenden deutschen Bischofskonferenz abgelehnt wurde, was also als Zustimmung gewertet werden muss, will sich der Vatikan ein weiteres Stück vom weltlichen lösen. Da fallen einem doch direkt kreative Vorschläge ein, so könnte die Kirche auf so weltliche Fakten, wie zum Beispiel die Kirchensteuern verzichten und ihrem Anliegen so einen großen Schritt näher kommen. Aber auch im politischen Berlin könnte man diesen Kurs durchaus positiv begleiten und die C-Parteien umbenennen und so ein wirklich klares Zeichen zur Trennung von Staat und Religion setzen, denn genau dieser Fakt, dass diese klare Trennung fehlt, wurde durch die Papstrede im Bundestag zuletzt noch unterstützt. Man kann sagen, wenn man diesen Vorschlägen folgt, dass dies einmal eine richtig gute Idee des Oberhirten aus Rom war. Alles andere wäre nur wieder eine weitere Flucht vor Verantwortung, wie man sie aus diesem Hause so oft kennt. Nicht von dieser Welt, und dies kann man durchaus so verstehen, würde natürlich auch ganz allgemein bedeuten, dass man sich aus politischen Prozessen, wie man sie in diesen Tagen des arabischen Frühlings in ganz Nordafrika erlebt, herauszuhalten sollte. Womit man natürlich auch direkt bei den grausamen Ereignisse von Ägypten wäre, wo christliche Gewalt völlig ausuferte und dafür gibt es, egal was westliche Medien auch versuchen, keinerlei Rechtfertigung.
Der Grund für die Demonstration, aus der sich später die Krawalle ergaben, war, dass im Süden Ägyptens eine Kirche in Flammen aufging, die angeblich illegal errichtet wurde. All dies spielt letztendlich keine Rolle, denn es ist keine Grundlage dafür, dass man Menschen ermordet und genau darum ging es am Ende des Tages in Ägypten. Die Rechtfertigungskette, die zu einem gewissen Teil auch in den westlichen Medien sehr offen angenommen wurde, ist genau die, die man im Kontext des Islams und der Gewalt von dort so ablehnt. Es passt aber auch schon irgendwie in eine Welt in der Ethik und Moral keinerlei Maßstäbe mehr sind, dass man hier krampfhaft nach Rechtfertigungen für Mord sucht. Es deckt sich auch mit dem Fakt, dass man aus der katholischen Kirche nur äußerst selten bis gar nicht und vor allem nichts nachhaltiges zum völligen Werteverfall in der westlichen Welt hört, wie auch, ist man doch noch nicht einmal in der Lage sich ausreichend und angemessen um die unvorstellbar grausamen Missbrausfälle im eigenen Haus zu kümmern, sondern ignoriert und vertuscht diese lieber. Traurig, und dies ist erst einmal ganz unabhängig von der ausgeübten Religion selbst gemeint, ist, dass große Weltreligionen und an dieser Stelle kann man das Judentum gleich mit ins Boot holen, immer weniger durch konstruktive und positive Einflussnahme auf Gesellschaften auffallen, sondern viel mehr durch die Verbreitung von Hass und Gewalt und davon gibt es auf dieser Welt ganz unabhängig von Religionen schon viel zu viel.
Wie unabhängig sind westliche Medien?
Spätestens seit 911 hat der Islam mehr als nur einen schlechten Ruf weg, denn er wird gerade aus westlicher Sicht immer wieder gerne als Synonym für Terror und Gewalt gebraucht. Wenn man 911 als Grundlage nimmt, bleibt natürlich offen, dass es auch hier fundierte Thesen gibt, die mit religiösen Hintergründen gar nichts zu tun haben oder zu mindestens nichts mit dem Islam. Man darf sachlich und offen auch nicht vergessen, dass der westlichen Welt und letztendlich auch dem Vatikan dieses neue Feindbild, nachdem Fall des Eisernen Vorhangs, im Kontext der Ausweitung westlicher Wirtschaftsinteressen, wie auch unter Gesichtspunkten der geopolitischen Einflussnahme und damit natürlich auch verbunden der Ausweitung des Christentums, sehr entgegen kam. All dies soll nicht bedeuten, dass vom Islam keine Gewalt ausgeht oder von einigen Menschen die diesen Glauben vertreten. Ein Blick in den Nahen Osten zeigt aber das dies auch für das Judentum gilt. Ein aktueller Blick nach Ägypten zeigt, dass dies ebenso für das Christentum gilt. Wenn man es also einmal ganz allgemein betrachtet, stellt sich die Frage, ob Religion in ihrer Gesamtheit nicht eher schädlich für die Gesellschaft ist, als das sie nützlich sei, schließlich kann man auch glauben ohne einer Religion anzugehören, auch wenn so etwas wahrscheinlich die Ohren von Papst Benedikt XVI. mehr läuten lässt, als die Glocken des Kölner Doms. In der Gesamtheit muss man leider festhalten, dass die westlichen Medien keine große Unabhängigkeit im Kontext der Berichterstattung zeigen, sobald das Thema Religion eine Rolle spielt, was natürlich in einer gewissen Weise auf Grund der in der Regel vorherrschenden christlichen Prägung verständlich erscheinen mag aber so im Namen der Unabhängigkeit einfach nicht sein darf.
Der schreckliche Terror der sich in Norwegen vom Regierungsviertel bis raus auf die Fjordinsel Utoya zog, war in diesem Jahr wohl das beste Beispiel für die christlich geprägte Berichterstattung, stand doch scheinbar schon ganz kurz nach Beginn dieses grausamen Terrors fest, wo auch hier der Feind zu suchen ist, natürlich in Kreisen die dem Islam angehören. Es zeigte sich aber schnell, dass dem nicht so war und der Täter aus einer ganz anderen Ecke stammte, die man zum Teil später auch als fundamental christlich bezeichnete. Hier wollte man aber ganz offensichtlich die Religion ganz schnell als mögliches Tatmotiv oder auch nur Teilmotiv heraushalten und seitdem gilt die Grundthese des Rechtsextremismus, womit man weit entfernt von einem religiösen Hintergrund ist und diesen auf eine rein politische Basis verschoben hat. Ein weiterer Fakt der nicht für allzu viel Losgelöstheit vom Christentum in der Berichterstattung der westlichen Medien spricht, sondern eher zu einer engen Verbundenheit und genauso wirkte auch die Berichterstattung zu den grausamen Szenen aus Ägypten. Man versuchte teilweise alles daranzusetzen in irgendeiner Form darauf zu drängen, dass am Ende des Tages doch wieder irgendwie der Islam der Auslöser gewesen sei und die Christen nur reagiert hätten. Wie grundlegend falsch dieser Ansatz ist, egal aus welch religiös geprägten Blickwinkel man auch schauen mag, scheint dabei völlig egal zu sein. Religion soll den Menschen in erster Linie im Alltag helfen, ein Handlauf durch eine immer stürmisch werdendere Zeit sein, ein Hafen in dem man ankommen kann. All dies hat in Bezug auf Ägypten nichts damit zu tun, wenn Menschen versuchen anderen Menschen mit Kreuzen zu ermorden, dafür braucht es mit Sicherheit keine Religion, wie auch immer diese heißen mag.
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Bis jetzt 1 Kommentar ↓
1 Feydab // 13. Okt 2011 at 13:18
Was genau nun der Papst mit der koptischen Minderheit in Ägypten zu tun hat, erschließt sich mir nicht, das ist in etwa so, als würde man alle “Schmidts” dieser Welt in Sippenhaft nehmen, weil sie ja den gleichen Namen tragen. Auch sehe ich keine neuen Hinweise, dass die Gewalt von den Demonstranten ausging, unbestritten ist aber in jedem Fall, dass sämtliche Todesopfer Kopten waren – das legt Eskalation auf Seiten der Polizei/Demonstrationsgegner sehr viel näher, als ausufernde Gewaltbereitschaft der Christen.
Ein Zusammenhang zwischen Gewalt und Religion BEI ALLEN (der drei großen monotheistischen) Religionen besteht insbesondere dadurch, dass WENIGE MENSCHEN für sich eine Deutungshoheit im Namen einer unspezifischen Masse beanspruchen, und diese dann mit Gewalt durchsetzen wollen. Das lässt sich aber genauso für politische Ideologien und auf wirtschaftlicher Basis konstatieren und ist viel mehr ein Problem im Naturell des Menschen…
lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit!
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