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Die Wahrheit des Wortes

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So gehen Deutsche. So gehen Verlierer

30. Juni 2008

Es ist geschafft. Die Euro 2008 ist vorbei. Ab sofort stehen damit auch wieder mehr die wirklichen Nachrichten im Vordergrund und nicht irgendwelche Dinge, die sich um das runde Leder drehen, dass die letzten Wochen zur Ablenkung der Massen herhalten musste. Natürlich gratulieren wir als erstes dem Europameister Spanien. Aber unsere Gratulationen gelten natürlich auch dem Vize-Europameister Deutschland. Es ist wohl unbestritten, dass das überzeugendere Team gewonnen hat. Es ist auch ein Fakt, dass Deutschland sich zu mindestens von der Platzierung her, gegenüber der letzten Weltmeisterschaft verbessert hat. Allerdings muss man auch festhalten, dass nicht nur zur Europameisterschaft der Anspruch und die Wirklichkeit wieder weit auseinander lagen. Deutschland ist gegangen und zwar als Verlierer, dass muss man auch festhalten.

Viel Glück aber nicht genug

Die Medien reden natürlich die Dinge immer gerne schön. Es gibt dabei allerdings Fakten, die man immer im Auge behalten sollte. Denn Fakt ist, dass Deutschland es in das Finale der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz geschafft hat. Dies ist eine Leistung auf die man erst ein Mal Stolz sein kann. Allerdings bleibt auch festzuhalten, dass über die ganzen drei Wochen, auch oftmals mehr Glück als Verstand im Spiel war. Denn so überragend, wie es oft in den Medien dargestellt wurde, war schon das erste Spiel gegen die Polen nicht. Gegen Kroatien wurde einem erst ein Mal klar, wie es ohne das Glück, welches gegen Österreich zurückkam, ist. Portugal war dann das Signal. Welches Signal? Realistisch gesehen, hätte es mit einem anderen Schiedsrichter, der das Ballack-Foul vor dem Tor gepfiffen hätte und das Klose-Abseits berücksichtigt hätte, auch hier schon vorbei sein können. Aber auch gegen die Türkei blieb den Deutschen das Glück erhalten. Fakt ist, wie gesagt, das Deutschland Vize-Europameister ist aber überzeugend sieht irgendwie anders aus.

Nehmen wir stellvertretend Michael Ballack, der immer wieder so hoch gelobt wird. Aber wofür eigentlich? Man sagt immer er braucht ein großes Finale, dabei geht oft unter, dass er dieses, in diesem Jahr, schon mit Chelsea hatte und gegen ManU das Champions League Finale verloren hat. Man sollte eben akzeptieren können, wenn man scheinbar ewig der Zweite ist. Fakt ist, dass Ballack so gut wie das ganze Turnier nicht sichtbar war. Dieser Fakt gilt natürlich nicht nur für ihn, aber bei ihm war eben die Distanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit sehr groß. Gerade ging der große Empfang mit ihm und der deutschen Nationalmannschaft auf der Fanmeile in Berlin zu Ende, wo sich die Nationalmannschaft bei den Fans bedankte. Leider und auch das ist Realität, griff nachdem verlorenen Spiel gegen Spanien auch wieder etwas für dieses Land typische, die bundesweiten Fanmeilen leerten sich in Höchstgeschwindigkeit. Wenn man sich die Fanmeile heute in Berlin anschaute, die eher an einen Kinderchor erinnerte, geschah dies allerdings nicht, weil alle schnell noch nach Berlin wollten.

Pochers Vollausfall gegen Spanien

Aber noch ein Mal kurz zurück zum Turnier. Über die Schiedsrichterleistungen könnte man viele einzelne Artikel schreiben, denn ihre Leistungen in den letzten drei Wochen waren oftmals so gut, wie der neue Rasen im Basler St. Jakob-Park. Aber es gab noch weitere Fakten die blamabel waren, so zum Beispiel der Ausfall der Bild-und Tonübertragung im Halbfinale gegen die Türkei. Aber auch hier zeigt sich ein roter Faden, denn auch die Abschlussfeier in Berlin glänzte durch technische Probleme aber auch durch ein Gesangstalent namens Oliver Pocher. Auch der fiel im Turnier bzw. im Rahmenprogramm immer wieder durch eine Leistung, die auch nicht für ganz oben ausreicht, auf. Vielleicht sollte man alles Mal ein wenig anders angehen und nicht immer die anderen stark oder schwach reden, wie man es gerade braucht und vor allem sollte man jetzt nicht schon den WM-Titel in Südafrika beanspruchen. Denn dieser ständige Größenwahn, der sich nicht nur im Sport zeigt, führt meist nur zu einem. Enttäuschung.

Deutschland sollte sich nicht immer darauf beruhen, sich darauf ausruhen, was es hier Mal gab oder wer man Mal war. Das Land der Dichter und Denker. Genau und heute glänzt man mit der Band Revolverheld und Oliver Pocher. 1996 Europameister und heute? Gomez, Klose und Ballack. Wenn man sich stattdessen einfach Mal auf das beruft, was an Potenzial wirklich da ist, stellt man vielleicht schon früher fest, dass es nicht zum Europameister reicht aber es wäre allen ehrlicher gegenüber und die Enttäuschung, wenn man es dann doch nicht nach ganz oben schafft, wäre auch nicht ganz so groß. Immerhin hat man in diesem Turnier bislang auf den Meistertitel der Herzen verzichtet, dies ist durchaus ein Anfang. Deutschland ist gegangen, dass ist Fakt, genau wie das sie als Verlierer dieses Spiels gegangen sind. Da ändern auch die Unverschämtheiten eines Pochers gegenüber der spanischen Nation nichts. Man hätte heute Größe zeigen können, sich meisterlich zeigen können aber alles was man zeigte war, dass man nicht verlieren kann. Schade, denn zu mindestens dieser Titel wäre leicht zu haben gewesen.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Neues aus Österreich · Sport

Bis jetzt 14 Kommentare ↓

  • 1 stephanie // 30. Jun 2008 at 21:20

    Du musst das eher mit Humor sehen, das mit dem Pocher heisst doch nicht dass man nicht verlieren kann, sondern dass man Spass haben will. Ich bin wahrlich kein Pocherfreund und im Stillen habe ich mich auch über die Niederlage der Deutschen gefreut, aber ich fand es heute auch ganz schön bei der Feier in Berlin, dass man trotzdem noch lachen kann, trotz der Niederlage, auch wenn es zum Teil überheblich gewirkt hat, aber dass Spanien der wahre Meister ist, war glaube ich jedem Teilnehmer klar.

  • 2 Tobias // 1. Jul 2008 at 02:48

    1. Pocher geht als erstes nach vorne, als die Mannschaft aufgerufen wird.

    2. Ist sein Lied total schlecht.

    3. Drittens war seine “So gehn die Deutschen” ziemlich peinlich.

    4. Schaut Euch die Veranstaltung doch mal an.

  • 3 stephanie // 1. Jul 2008 at 08:29

    na ich hab es doch selbst live gesehen, und so schlimm fand ich es nicht, aber gut, das ist Geschmackssache und über den lässt es sich bekanntlich wunderbar streiten.
    Aber sehen wir es einfach so, nach der EM ist vor der EM, und da muss man sich schon wieder auf die potentiellen Gegner vorbereiten. Und Pocher ist nun mal einfach schlecht, da gebe ich Dir recht, ich frage mich überhaupt wie er zu diesem Posten kam.

  • 4 Thomas // 1. Jul 2008 at 12:26

    Pochers Auftritt war beschämend.Das erinnert an alte Klischees.

  • 5 Karl Krause // 1. Jul 2008 at 13:29

    Nach einem zweiten Platz 2002, einem dritten Platz 2006 und einer Vize-Europameisterschaft 2008 immernoch zu behaupten, die deutsche Nationalmannschaft könne im internationalen Vergleich nicht oben mitspielen, halt ich für ziemlich albern.

    Offensichtlich macht die Eventisierung des Fußballs, die gleichbedeutend ist mit der Regel, dass nur attraktiver Offensivfußball guter Fußball sei und somit der einzige, der einen Titel verdiene, auch hier nicht halt. Im Endeffekt spielt es schlichtweg keine Rolle, wie gut oder schlecht die Deutschen gespielt haben. Was wäre die Alternative gewesen? Die Türken, die definitiv keine bessere EM gespielt haben als Ballack, Klose, Gomez und Co. Aber denen hätte man es scheinbar eher gegönnt… merkwürdig.

  • 6 Marcel // 1. Jul 2008 at 14:59

    Aha, wieder mal diese Miesmacher. Kann es wohl nicht ertragen das die Deutschen gut Fußball spielen. Besser als viele andere Nationen.
    Die Deutschen sind gut, waren gut, und werden immer gut sein. Noch keine Mannschaft war so oft auf den vorderen Plätzen bei EM und WM.
    Das man solche Leistungen nicht anerkennt ist typisch deutsch. Immer auf die eigenen rumhacken.
    Und jetzt ein Satz bei denen hier viele durchdrehen, aber ich meine es so:
    Ich bin stolz ein Deutscher zu sein!

  • 7 Thorsten // 1. Jul 2008 at 15:06

    Hallo Marcel man sollte Miesmacherei und Realismus nicht verwechseln. Denn eine Spur Realismus im Leben kann nicht schaden. Und es gibt auch nichts wofür man sich entschuldigen sollte bzw. in die defensive gehen sollte wenn man sagt, dass man Stolz hat auch als Deutscher. Denn das kann man ja auch durchaus sein.

  • 8 Dahlia Travers // 1. Jul 2008 at 15:30

    Natürlich spielt die deutsche Nationalmannschaft oben mit, natürlich zählen am Ende Tore und nicht wie sie erzielt wurden, aber bitteschön, Karl, ist es denn so verwerflich, wenn man sich wünscht, attraktiven und spannenden Fußball zu schauen? In meinen Augen hat gerade die von Dir benannte Eventisierung (schönes Wort!) dazu beigetragen, dass viele Deutsche, die sonntags auf den Tribünen örtlicher Regional- und Kreisligavereine als Zuschauer schmerzlich fehlen, über Nacht zu „Kennern des Sports“ mutiert, unkritisch und unreflektiert diesen teilweise unterirdisch anzusehenden Fußball bejubelten. Diejenigen, die sich das ganze Jahr über für den Sport interessieren und begeistern, hätten es tatsächlich den Türken gegönnt, noch weiter zu kommen. Technisch betrachtet haben sie keinen besseren Fußball gespielt, stimmt. Aber sie waren heiß, haben sich während des gesamten Turniers selber immer wieder motiviert, auch noch gekämpft, als schon alles verloren schien – und sind am Ende wegen eines nur als Glückstreffer zu bezeichnenden Tores aus einem bis dahin wirklich gleichwertigen Spiel geflogen. Und das Endspiel? Vollmundig kündigte man an, durch verstärktes Pressing den Gegner zu besiegen, eine Spieltaktik, die bis dahin (und dann auch nicht im Finale) zu sehen war. „Wir hauen die Spanier mit 5:1 vom Platz“ tönte eine Radiomoderatorin großspurig. Ein bisschen mehr Realitätssinn für die eigenen Fähigkeiten (und Grenzen) und – nur für mich – etwas attraktiver spielen, dann wär ich schon zufrieden. Und vielleicht auch beim nächsten Mal für Deutschland.

  • 9 Reds Fan from Germany // 1. Jul 2008 at 21:36

    Was will man von Pocher schon erwarten…

    Aber dass die Spieler in die Schmähgesänge einstimmen gegen eine Mannschaft, von der sie kaum 24 Stunden zuvor vorgeführt wurde, zeugt von großen charakterlichen Defiziten – einfach unwürdig.

    Zum Thema “Stolz ein Deutscher (Spanier, Türke, Russe oder was auch immer) zu sein”: zweischneidige Sache, meine ich. Eigentlich kann man nur stolz auf etwas sein, was man geleistet oder sich verdient hat. Aber letztlich bin ich ja auch stolz, ein Liverpool-Fan zu sein, und das ist ja letztlich auch nichts, was ich mir verdient oder geleistet habe…

    Jedenfalls finde ich es als Reds Fan einfach nur geil, dass unser Kop Hero El Nino dem Lehmann den entscheidenden Treffer eingeschenkt hat :)

  • 10 Karl Krause // 2. Jul 2008 at 11:44

    An Dahlia:

    Ich verstehe nicht, wieso sich die deutschen Kicker für ein vermeintliches Glückstor beinahe schämen sollen und die Türken für die Spiele gegen die Tschechen und Kroatien bejubelt werden. Von wegen nicht aufgebene und immer an sich glauben und so… Dass die deutsche Mannschaft überhaupt keinen Kampfgeist an den Tag gelegt hätte kann doch niemand ernsthaft behaupten. Das ist Fußball auf höchstem Niveau, da stolpert man nicht einfach so mir nichts dir nichts durch.

    Das Endspiel war miserabel, keine Frage. Das liegt meiner Ansicht nach aber nicht an der fehlenden Klasse der deutschen Kicker, sondern an verschiedenen Kleinigkeiten drumherum, Verletzung Ballacks, Jogis Personalpolitik, der Lutscher Bierhoff etc. pp. sowie letztenendes an den Spaniern selbst, die in diesem Turnier einfach von niemandem gestoppt werden konnten.

  • 11 Thomas // 3. Jul 2008 at 18:24

    “Deutschland ist gegangen und zwar als Verlierer”

    Naja, das haben Turniere, die in ein KO-System münden, so an sich. Freilich hatten es die Schweizer insofern besser, die haben schließlich ihr letztes Spiel gewonnen und sind damit als Sieger gegangen. Ich bezweifle aber, daß die Deutschen gerne mit ihnen tauschen würden.

  • 12 Michael // 8. Jul 2008 at 21:47

    Sorry, aber Fußball ist eine wunderschöne “NEBENSACHE”.

    Aber eben nur Nebensache, mehr nicht, eher weniger.

    Da gab und gibt es weitaus wichtigere “Sachen” hier und heute und für morgen und übermorgen.

    Es scheint mir, daß die Politiker immer mehr eine Richtung für die Bevölkerung einschlagen, die wir auch aus dem “alten Rom” her kennen:

    BROT und SPIELE…….

    Wo das Ganze wohl noch endet?!?!?

  • 13 arnepeter // 29. Jul 2008 at 17:16

    Michael stimme ich zu. Weshalb man Stolz sein könne, “ein Deutscher” zu sein, ist mir solange ein Rätsel, solange deutsches Militär am Hindukusch Deutschland “verteidigt”, solange die deutschen Bomben auf Belgrad von 1999 (unter Völkerrechtsbruch) von den herrschenden Medien als “normal” angesehen werden, solange deutsche Waffen gesetzwidrig in Spannungsgebiete gesendet werden, solange mit deutschen U-Booten, die mit Atomwaffen ausgestattet werden können, der “Terrorismus” bekämpft werden soll, solange alte Nazis wie Filbinger staatsoffiziell geehrt werden dürfen,Traditionstreffen der SS-”Kameraden” und die NPD toleriert werden . . . Pfui Deibel! Stolz kann man auf all jene Deutschen sein, die den gewaltverherrlichenden und gewalttätigen Medien einschließlich der Fußball-Euphorie nicht erliegen. Das “fairschreiben”-Team verschreibt sich da leider sehr oft und – was die Faktenlage betrifft – alles andere als fair. Wer gehört zu diesem Team?

  • 14 Thorsten // 29. Jul 2008 at 18:54

    Hallo Arne oder Peter oder???

    also die Redaktion von fairschreiben.de, die aus verschiedenen Personen aus verschieden medienbezogenen aber auch ganz anderen Bereichen kommt, sieht nicht das man sich – was die Faktenlage – angeht unfair verhält. Diese Plattform ist fair. Scheinbar sind wir irgendwo auch einer Meinung, warum Dein Problem der Redaktion nicht ganz klar ist.

Schreib was dazu