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Die Wahrheit des Wortes

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Sind wir bald wieder alle Papst?

27. Mai 2011

In gut vier Monaten, in der zweiten Septemberhälfte,  ist es soweit und Papst Benedikt XVI. besucht sein Heimatland. In der heutigen Zeit, in der Moral immer mehr ins Abseits gedrängt wird, wie man auch an den verschiedensten wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Tage und Wochen deutlich spüren konnte, bietet ein solcher Besuch natürlich große Chancen. Man erinnert sich noch gut an den Papstbesuch 2005 in Köln, als gleich ganz Deutschland irgendwie zum Papst wurde. Ob es diesmal ähnlich euphorisch zugehen wird, wird sich im Herbst zeigen. Der Papst fiel bislang eher durch großes Schweigen auf bzw. dadurch, dass er Sachverhalte in einer Art und Weise kommentierte, wo man schon mehr erwartet hätte. Genau diese immer wiederkehrenden Enttäuschungen von Erwartungshaltungen sind es auch, die es der katholischen Kirche, wie auch der Kirche ganz allgemein, auch in Deutschland immer schwerer machen. Immer mehr Menschen fühlen sich einfach nicht mehr gut aufgehoben und leben ihren Glauben deshalb anders aus und dafür gibt es, ohne dies bewerten zu wollen, auch immer mehr Möglichkeiten. Man sieht, dass mit seinem Besuch in Deutschland eine große Aufgabe auf den Oberhirten wartet.

Märchenland Deutschland
Bevor Papst Benedikt XVI. im Herbst Deutschland besucht, steht noch ein Event an, welches die Massen ebenfalls euphorisch machen soll, die Fußball-WM der Frauen. Auch hier stellt sich die Frage, ob dies in dem Maß, in dem es sich die Verantwortlichen wünschen, auch gelingen wird. In jedem Fall weiß man jetzt schon, dass es wieder ein Sommermärchen geben wird. Märchen sind natürlich immer etwas schönes, allerdings haben sie natürlich auch immer kaum einen Bezug zur Realität und vielleicht ist genau dies der Grund dafür, warum man in Deutschland immer wieder so gerne von Märchen spricht. Es scheint doch Tendenzen zu geben, die einen weit von der Realität fernhalten sollen. Wenn man dieser These folgt, stellt sich natürlich die Frage danach, warum man eigentlich von der Realität die in Deutschland herrscht ferngehalten werden soll. Um hier eine passende Antwort zu finden reicht ein Blick auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland, die zeigt, dass sich die Gesellschaft immer mehr spaltet und dies dadurch, dass die Schere zwischen Armut und Reichtum in Deutschland immer weiter auseinandergeht und hier auch die Politik nicht im Ansatz ausreichend gegenlenkt, um diesen Negativtrend zu mindestens aufzuhalten. Der so entstehende soziale Sprengstoff wird in Deutschland zu einem immer unkalkulierbaren Risiko und auch dies sollte eigentlich jedem bewusst sein.

Nun sollte man annehmen, dass man gerade auch im hier geschilderten Bereich eine Aufgabe sieht in der die Kirchen zu mindestens als Mittler eine Rolle spielen sollten aber auch dies zeigt sich faktisch kaum. Man hört hier zwar immer wieder, dass diese Zustände nicht gut sind aber für solche Feststellungen braucht man nun wirklich keine Kirchen. Natürlich sind Kirchen auch immer hilfsbereit, was natürlich auch für die Folgen der steigenden Armut im Land gilt aber dies ist am Ende des Tages auch nichts anderes als Symptombekämpfung, anstatt sich im ausreichenden Maß mit dem Kern des Problems zu beschäftigen. Natürlich tut man so schon ein wenig mehr, als zum Beispiel der Staat, der letztendlich gerade auch durch den Kahlschlag im Sozialsystem die gesamte Lage auch noch befeuert aber es darf bezweifelt werden, dass dies allein ausreicht, um den Ansprüchen der Gläubigen im Land gerecht zu werden. Die Gläubigen sind es natürlich auch, denen immer bewusster wird, dass der Glaube nicht immer direkt etwas mit einer Religion zu tun haben muss und selbst wenn, muss es nicht immer gleich das Christentum sein und hier findet man dann direkt auch einen weiteren Punkt dafür, warum die Kirchen in Deutschland auch weiterhin mit massiven Mitgliederschwund zu tun haben. Die Lösung all dieser Probleme wäre eigentlich relativ einfach aber sie müsste aus dem Inneren herauskommen, aus der Kirche selbst und genau dies wird, wie eben geschildert, leider wohl kaum in absehbarer Zeit geschehen.

Immer mehr Oberflächlichkeit
In der heutigen, so stark medial geprägten Gesellschaft breitet sich auch immer mehr Oberflächlichkeit aus, was natürlich in so gut wie allen Lebensbereichen ein Problem darstellt. Ein gutes Beispiel hier für ist auch die Geschwindigkeit mit der die Atomkatastrophe im Atomkraftwerk (AKW) von Fukushima schon wieder aus dem Gedächtnis radiert wurde, ohne dass man überhaupt auch nur im Ansatz die Möglichkeit geboten bekommen hätte, sich mit den schrecklichen Folgen dieser Megakatastrophe ausreichend zu beschäftigen. Ähnlich sieht es übrigens auch mit dem Krieg in Libyen aus, der sich scheinbar auch mehr und mehr hinzieht und zu einem Normalzustand wird über den man auch kaum noch in einer dem Thema angepassten Art und Weise berichtet oder sich gar damit in der Tiefe der Problematik auseinandersetzt. Genau dieser Zustand macht vielen Menschen Angst und verunsichert sie auf das Tiefste. Diesen Weg nun einfach zu teilen, wie es eben zum Beispiel auch die Kirchen tun und all dies nur, mit genau einer solchen Oberflächlichkeit, zu begleiten, ist natürlich der aller einfachste Weg aber auch der verkehrteste. Es entzieht den Menschen eine weitere Basis, die viele im Moment so bitter nötig haben. Stellt man nun fest, dass es hier scheinbar immer mehr Zusammenhänge zwischen der Politik, der Wirtschaft und eben auch den Kirchen gibt, sprich, die Verläufe doch sehr ähnlich bis einheitlich sind, wird einem auch klar, warum sich die Menschen, die große Probleme mit dem eingeschlagenen Weg der Wirtschaft und der Politik haben, auch ein großes Problem mit der Kirche haben.

Die Euphorie, die man noch verspürte, als Papst Benedikt XVI. die Nachfolge seines verstorbenen Vorgängers Papst Johannes Paul II. angetreten hatte, dürfte mit Sicherheit mehr als verflogen sein, denn zwischendurch, und auch dies lastet schwer auf der katholischen Kirche, hat man auch noch neben den normalen Alltagssorgen, um es einmal vorsichtig zu formulieren, mit den schweren Folgen eines riesigen Missbrauchsskandal zu kämpfen. Aber auch dieser ungeheuerliche Skandal könnte als Chance betrachtet werden, wenn Papst Benedikt XVI. sich endlich einmal einen Ruck geben würde und dieses Thema, welches so viele Menschen beschäftigt, nachhaltig und überzeugend auf die Tagesordnung setzen würde. Gerade auch für diesen letzten Punkt, würde sich natürlich der anstehende Besuch in seinem alten Heimatland bestens anbieten. Betrachtet man allerdings den bisherigen Weg des Papstes, darf man wohl davon ausgehen, dass dies nicht geschehen wird. Wenn auch diese Chance verpasst wird, werden auch ein paar Jubelbilder nicht darüber hinweg helfen, dass sich auch noch weitere Menschen, gerade auch von der katholischen Kirche entfernen werden und ihren Glauben anders leben werden. Dies wiederum kann eigentlich weder das Interesse des Papstes, noch das des Vatikans sein. Denn am Ende des Tages ist man auch hier auf die Basis angewiesen und auch dies sollte man im Vatikan bei der Planung des anstehenden Besuchs ganz genau berücksichtigen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik · Umwelt · Wirtschaft

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