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Die Wahrheit des Wortes

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Sind wir auch Arcandor?

3. Juni 2009

Zu Beginn der Woche befassten wir uns hier mit der Aussage `Wir sind Opel` und nun stellt sich eine weitere spannende Frage: Sind wir auch Arcandor? Die aktuellsten Entwicklungen in der deutschen Wirtschaft lassen das Gefühl aufkommen, als würden dem Bundesbürger bald nicht nur einige Banken gehören, sondern auch ganze Automobilhersteller und Warenhausketten. Man sollte sich nur immer überlegen, dass das Eigentum was jeder einzelne Bundesbürger erhält, kein Guthaben ist. Der Steuerzahler darf für die Verluste aufkommen, dass ist damit gemeint, dass Geld verdienen auch weiterhin andere. So war es vor der Krise. So ist es in der Krise. Und so wird es wohl auch irgendwann ein Mal nach der Krise sein. Somit endet die Woche, wie sie begann, mit der Feststellung, dass sich nichts geändert hat und all die Versprechen aus der Politik und Wirtschaft leer waren.

Zahlen für die Fehler anderer

Natürlich dürfte es jeder in seinem Leben schon ein Mal erfahren haben, dass man auch für die Fehler anderer Menschen bezahlen muss. Auch dies ist ein Teil eines solidarischen Prinzips, welches auch in Deutschland mehr oder minder noch herrscht. Allerdings sollte dieses System niemals zu einer dauerhaften Schieflage und somit zu einer Benachteiligung irgendwelcher Teile dieser Gemeinschaft führen. Genau diese Schieflage ist in Deutschland allerdings schon vor der Weltwirtschaftskrise entstanden und weitet sich nun durch diese noch weiter und schneller aus. Nachdem wir das Thema Opel nun schon häufiger behandelt haben, wenden wir uns diesmal ganz aktuell Arcandor zu, dem Konzern zu dem auch die Karstadt-Warenhäuser gehören. 650 Millionen Euro soll der Staat und damit letztendlich der Bürger durch seine Steuern, dem Konzern in Form von Bürgschaften zur Verfügung stellen. So will es die Konzernleitung. Wie man in Kreisen der Wirtschaft so denkt, ist mittlerweile bekannt aber was sagt die Politik? Was sagt die Regierung? Die SPD will prüfen, ob es sich um Managementfehler oder um eine Folge der Weltwirtschaftskrise handelt und nur bei krisenbedingten Faktoren zahlen bzw. bürgen. Die CDU hat erst Mal gar keine konkrete Meinung und will abwarten. Diese beiden Standpunkte machen doch sehr deutlich, dass wir mittendrin sind, im Wahlkampf zur Bundestagswahl.

Was will die SPD eigentlich prüfen? Jeder weiß, dass Karstadt schon lange Zeit vor der Weltwirtschaftskrise in der Krise steckte, hat man dies etwa bei der SPD nicht mitbekommen oder möchte man nur geschickter Zeit gewinnen, als die CDU es tut und das mit größtmöglicher Plumpheit. Die Spielbälle die in diesem Wahlkampf aufgefahren werden, werden immer größer und dieses Land ist im Kontext der Weltwirtschaftskrise nicht gerade in der Verfassung für solche Spielereien. Man darf bei alldem niemals vergessen, dass wir von einer Krise sprechen, wie sie die Bundesrepublik Deutschland noch nicht erlebt hat. Man sollte auch berücksichtigen, dass es noch viele Enttäuschungen geben wird. Entweder, sollte die Bundesregierung nicht zu einem breiten Rettungsschlag ausholen, werden all die enttäuscht sein, die nun noch weiter täglich auf die Rettung ihrer Arbeitsplätze hoffen oder sollten diese Rettungskonzepte umgesetzt werden, wird die Enttäuschung zeitverzögert kommen, wenn die Menschen realisieren, wie teuer dies alles für jeden Bundesbürger wird. Diese Entwicklung haben wir die letzten Jahre schon durch die Kosten der Wiedervereinigung nachvollziehen dürfen, haben aber scheinbar nichts daraus gelernt.

Auf Generationen verschuldet

Man sollte annehmen, dass die Regierung, an der nun ein Mal auch eine Vielzahl an Politikern beteiligt ist, die auch schon die Kosten und Folgen der Einheit mitbearbeiten dürften, wissen wie man mit solchen Situationen umzugehen hat und vor allem sollten sie wissen, was für Frustrationen eine solche Informationspolitik beim Volk hervorruft. In Folge der nach der Wiedervereinigung versprochenen Blühenden Landschaften, die es so niemals gab, kam es unter anderem zu einem massiven Anstieg der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland und man muss voraussetzen, dass diese Bilder noch nicht vergessen sind.  Natürlich reden wir bei der aktuellen Krise von etwas völlig anderen aber dies sollte man nicht als etwas Positives ansehen, denn die positiven Aspekte die die Wiedervereinigung mit sich brachte, fehlen diesmal gänzlich. Wenn es in dieser Form weitergeht und man darf davon ausgehen, dass dies auch so sein wird, denn all die Aussagen, dass es bald besser wird, kommen aus der Richtung, aus der auch die Aussagen kamen, die behaupteten es gäbe keine Krise, als diese schon längst da war, werden noch weitere Milliarden oder gar Billionen an Euro an Steuergeldern in die Wirtschaft fließen und dort für immer verschwinden.

Es ist paradox aber so ist das Leben gerade in Bereichen der Politik und der Wirtschaft manchmal. Wir haben es in Deutschland gerade mit einer großartigen gesellschaftliche Gemeinschaftsleistung geschafft einen sehr großen Teil der finanziellen Folgen des Mauerfalls, den wir in diesem Jahr zum 20. Mal feiern, zu schultern und nun geht es direkt mit dem Abzahlen der nächsten Verfehlungen von Experten aus Politik und Wirtschaft weiter. Auch dies Mal wird es Generationen brauchen bis diese finanziellen Verluste ausgeglichen sind und es wird wohl noch viel, viel länger dauern als nachdem Fall der Mauer. Auf der anderen Seite muss man natürlich einräumen, dass die Strategie der Wirtschaftsbosse und Politiker auch aufgeht, denn großartige, breite Massenbewegungen gegen das was im Moment geschieht, gibt es nicht. Die Gesellschaft in Deutschland reagiert, wie leider allzu oft in solchen Situation, mit Lethargie und Gleichgültigkeit. Dies ist in Zeiten einer Krise solchen Ausmaßes natürlich einfach nur erschreckend, denn irgendwann wird es zu spät sein von einem solch passiven Verhalten, wie es im Moment die Mehrzahl der Deutschen an den Tag legt, auf eine aktive, positive Schiene umzuschwenken und dann werden sich wieder viele Menschen fragen, wie konnte das nur geschehen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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