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Die Wahrheit des Wortes

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Sieben Wochen Sommerwetter

29. Juni 2011

Man braucht schon einen recht gut konstituierten Kreislauf, um mit den aktuellen Wetterverhältnissen klar zu kommen. Fühlte man sich zum Ende der letzten Woche noch massiv an Novemberwetter erinnert, startete diese Woche gleich wieder mit Hochsommertemperaturen. Dies ruft natürlich auch die so genannten Wetterexperten auf den Plan und so quaken die Wetterfrösche was das Zeug hält, denn es war Siebenschläfer und dies bedeutet, wie manch einer meint, dass es nun sieben Wochen lang so ein Wetter, wie zum Beginn der Woche, geben wird. Hört man dann weiter zu, erkennt man auch gleich die Einschränkung, die nicht ganz unwesentlich ist. Das Wetter bleibt in den nächsten sieben Wochen hochsommerlich bis auf die Tage an denen es nicht so ist. Manchmal fragt man sich, ob man solche Experten wirklich braucht, denn dass das Wetter in den nächsten Wochen gut oder schlecht wird, ist soweit irgendwie klar. Man muss sich einfach fragen, ob das Wetter schwerer hervorzusagen ist, als es noch vor Jahren der Fall war oder ob es auch hier einfach ein Qualitätsproblem auf Seiten der vermeintlichen Experten gibt und dieses Problem kennt man nicht nur aus dem Bereich der Wetterprognosen.

Für alles den passenden Experten
Nun, wo geklärt ist, dass es auch diesen Sommer Sommerwetter gibt, was natürlich schon auch irgendwie erstaunlich ist, fand der Sommer doch eigentlich bislang direkt nachdem Winter im eigentlichen Frühjahr statt, kann man sich auch noch den vielen anderen Experten zuwenden. In den letzten Jahren hat man eine wahre Schwemme an Experten aufkommen sehen und es ist spannend dies einmal unter die Lupe zu nehmen ohne sich gleich zu einem Experten im Bereich Experten aufzuspielen. In der heutigen globalisierten raubtierkapitalistischen Welt läuft, gerade auch in der Medienbranche, sehr viel auf freiberuflicher Basis, was natürlich die Arbeitswelt massiv beeinflusst und so wird manch einer ganz schnell vom Angestellten zu einem Experten dessen, was der Markt gerade so braucht. Experte sein ist eigentlich gar nicht so schwer, man braucht ein angenehmes und zum Thema passendes Äußeres und sollte ein bis zwei Fachbegriff des zu behandelnden Themas wissen. Die meisten Menschen glauben dann schon fast alles blind, schließlich hat ein Experte gesprochen. An dieser Stelle kann man wieder sehr schön zum Wetter zurückkehren, auf der einen Seite lassen solche Prognosen, wie sie zum Teil zum Siebenschläfer gemacht wurden, fast alle Interpretationen zu und auf der anderen Seite sind die Worte in sieben Wochen schon längst vergessen. Man sieht, die Experten werden in jedem Fall auf der richtigen Seite sein.

Nun kann man natürlich sagen, dass für die meisten Menschen das Thema Wetter ein doch eher banales Thema ist, ganz anders sieht es da schon im Bereich der Wirtschaft aber vor allem auch im Bereich der Politik aus und hier können die so genannten Experten wirklich gefährlich werden. Vor allem im Bereich der Wirtschaft wird man das Gefühl nicht los, dass Expertenmeinungen oft genug einfach nur eingekauft sind, um marktstrategische Ziele zu erreichen. Dies bedeutet, es scheint unterm Strich nichts anderes als gut gemachte und perfekt getarnte Werbung zu sein. Sehr auffällig ist hier der Bereich der Berichterstattung zum Börsengeschehen. Hier kommt erschwerend noch hinzu, dass dies nicht nur für die privaten Sender gilt, sondern ebenso für die öffentlich-rechtlichen Sendern. Hier stellt sich dann, wie an so vielen anderen Punkte auch, auch wieder die GEZ-Gebühr in Frage, denn diese Art Zwangsabgabe, sorgt natürlich auch für Besonderheiten im Bereich der Werbung bei den Öffentlich-Rechtlichen. Sollte diese These hier also richtig sein, müsste man wirklich darüber nachdenken, ob die GEZ nicht ein Auslaufmodel aus einer längst vergangenen Zeit ist, wo Experten noch gut ausgebildete Fachleute auf ihrem jeweiligen Gebiet waren, denen man durchaus auch ein hohes Maß an Unabhängigkeit unterstellen konnte, denn wie gesagt, auch daran mangelt es scheinbar häufig.

Geld Macht Meinung
Es ist vielfach einfach so, dass es mittlerweile so scheint, als sei es völlig normal sich die ganz persönliche Meinung einfach zu kaufen. Es ist eine Frage des Geldes und der Macht, wenn man vom Thema Meinungsbildung spricht. Will heißen, möchte man ein Produkt verkaufen, schafft man sich ein paar Experten, im Notfall noch ein neues Prüfsiegel und hat schon einen hervorragenden Ruf für sein neustes Produkt. Nach außen, und dies ist auch genauso gedacht, entsteht natürlich der Anschein alles sei unabhängig, genau dies ist allerdings oft genug nicht der Fall. An dieser Stelle wäre es natürlich spannend zu wissen, ob man bei einem solchen Vorgehen nicht von Betrug ausgehen müsste aber um dies zu klären, bräuchte man wiederum einen Rechtsexperten. Leicht erkennt man hier, dass ganz bewusst eine Schwemme an Experten geschaffen wurde, denn man muss den Konsum immer weiter ankurbeln und die Menschen sind auch aufgeklärter, als es noch vor Jahrzehnten der Fall war. Hätte man diese Aufklärung nun wirklich unabhängigen Personen überlassen, würden wahrscheinlich die Hälfte der Waren noch in den Regalen stehen und der Protest gegen massivste Umweltverschmutzung, wie man sie noch immer durch den Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk (AKW) von Fukushima erleben muss, wäre wesentlich stärker und nachhaltiger aber auch hier gab es genug Experten, die all dies banalisierten.

Womit der Übergang zu den Experten in der Politik fließend ist und hier reicht ein Blick auf das Bundeskabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und einem wird schnell klar, wo der Hase hier herum hoppelt. Nehmen wir den Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) dessen Kompetenz zuvor noch als Bundesgesundheitsminister gelobt wurde, da er Arzt ist und dieser leitet nun die wirtschaftlichen Geschicke der Bundesrepublik Deutschland?! Man weiß natürlich auch, dass dies kein Einzelfall ist, sondern die Regel. An dieser Stelle verweist man immer wieder darauf, dass es die Stäbe im Ministerium sind, die die eigentliche Arbeit machen. Sollte dies wirklich zutreffend sein, darf man wohl einige hochdotierte Gehälter in Berlin in Frage stellen. Politische Entscheidungen basieren in den meisten Fällen auch wieder auf Expertenrat und dieser wird auch oft genug extern eingeholt, womit der Bereich des Lobbyismus erreicht ist und nicht nur das permanente Versagen beim Thema Energiewende zeigt, wo ein solches Vorgehen hinführt. Letztendlich merkt man, wie ausgehöhlt der Unterbau ist auf dem diese Republik mittlerweile nur noch steht, dass in einer solchen Situation früher oder später massive Einsturzgefahr besteht, versteht sich von selbst. Dies zeigt vor allem eines und zwar, wie viel besser es dem Land und letztendlich der Welt gehen würde, wenn es viele Experten nicht geben würde aber es wesentlich mehr, wirkliche Unabhängigkeit geben würde.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Umwelt · Wirtschaft

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