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Die Wahrheit des Wortes

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Sichtbare Rezession – Kommentar zum Wochenende

8. November 2008

Eine Horrormeldung nach der anderen jagd durch die österreichischen Medien. Autokonzerne (General Motors und Ford in den USA) stehen kurz vor dem Aus. Man spricht bei diesen Unternehmen vom Ausgehen des Geldes mit Ende des Jahres. 10 Millionen Arbeitslose gibt es derzeit in den USA. Und auch in Österreich “drohen” Firmen mit Kurzarbeit und Entlassungen. Mehrere Tausend Menschen dürfen mit der Kündigung rechnen. Fakt ist, dass das Geld ausgeht. Genau jenes Ding, dass in den Demokratien der industrialisierten Welt die Gesellschaften zu regieren scheint.

Ich schlage dann den aktuellen Falter auf und lese ein Rezept für Kartoffelpürree. Es ist vielmehr die Anleitung, wie man es macht, und dass ein solches jeden Gast überrascht, weil es hausgemacht ist und “selbst gestampft”. In welchem Jahr leben wir eigentlich – 2008, 1950 oder gar in den Dreißigern?

Dann erinnere ich mich an meinen Studienkollegen, der jetzt in Budapest lebt und dort arbeitet. Der mir vor einigen Wochen am Skype mitteilte, dass er nicht nachvollziehen kann, wie der “normale” Ungar mit seinem Gehalt durchkommt. Wohnen sei billig, doch die Lebensmittelkosten sind hoch. Allein der Alkohol ist leistbar. Heute ist Ungarn bekanntlich bankrott und wird u.a. von der Weltbank unterstützt.

Dann erinnere ich mich, dass mir der Vorstand einer Bank hier in der Region noch vor einigen Tagen im Interview mitteilte, wir würden bald wieder Kartoffel anbauen und unser Gemüse selber ziehen. Wir sollten uns schon mal drauf einstellen und das kommende Frühjahr fürs Bestellen des eigenen Gartens nützen – sofern ein solcher vorhanden ist. Und aus Erfahrung weiß ich, dass sich ein Hochbeet auch auf einer Terrasse errichten und bestellen lässt.

Dann erinnere ich mich daran, dass ich vor einigen Wochen in einem deutschen Sender die Vorstellung eines HARTZ IV Kochbuches sah. Rezepte wurden gesammelt, mit denen man ein Festtagsmenue mit drei Gängen für fünf Personen mit maximal 20 Euro zaubert inklusive zwei Flaschen Wein. Da gabs dann Kraut und Kartoffel, ein wenig Fleisch und etwas Süßes – also doch 1950? Man sagte in dieser Doku, in Zeiten der Krise und Minimaleinkünfte würden die Menschen wieder näher zusammen rücken und daheim gemeinsam essen und feiern statt auszugehen. Das “Kochbuch für harte Zeiten” kostet einmalig 12 Euro und schon zaubert man feinstes mit Minimalbudget.

Und jetzt erinnere ich mich an meinen eigenen Einkauf heute bei Billa. Ich sehe leere Regale! Ich sehe, dass sich die Obstabteilung verkleinert hat. Ich sehe, dass Obst nicht mehr im Regal überquillt, sondern einzeln geschlichtet ist! Ich sehe, dass Kartoffel billig sind und kaufe Kartoffel. Ich sehe, dass Schlagrahm (Obers) zur Neige geht und ich mir schnell noch einen Becher mitnehme. Ich sehe, dass die seitlichen Ständer für Waren verschwunden sind. Dann telefoniere ich mit Freunden und die berichten das selbe in den Geschäften wahrgenommen zu haben. Und gleichzeitig koche ich hausgemachtes Kartoffelpürree.

Am Ende noch ein Zitat aus dem Falter:

“…die Entwicklung in vielen Demokratien: Das Einzige, was zählt, ist Geld. Sagst du irgendetwas, hast aber kein Geld, wird es oft gleich als trivial abgetan oder einfach nicht ernst genommen.” Also rechne ich jetzt damit, dass meine Worte nicht ernst genommen werden, weil ich kein Geld habe. Und morgen gibt es Schupfnudeln – die werden aus Kartoffelteig gemacht.

AMW

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Neues aus Österreich · Wirtschaft

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