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Die Wahrheit des Wortes

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Selbstmord wegen Einsturz des Kölner Stadtarchivs?

27. März 2009

Kritische Fragen sind oftmals für die, die sie gestellt bekommen schmerzhaft. Auch wir hier in der Kölner Redaktion merken hier und da, dass wir mit kritischen Fragen auf Unverständnis stoßen. Diesen Fakt nehmen wir gelassen zur Kenntnis, denn das wir Unverständnis anstatt Antworten erhalten, sehen wir durchaus als Motivation für weitere Fragen an. Wenn ein historisches Stadtarchiv neben einer riesigen U-Bahn-Baustelle einstürzt, lässt das Vermutungen zu. Wenn sich eine 84 Jahre alte Dame das Leben nimmt, die nachdem Einsturz des Stadtarchivs in einem Hotelzimmer untergebracht wurde, weil auch ihr Haus der Katastrophe zum Opfer fiel , gibt das Anlass zu Spekulationen. Vermutungen und Spekulationen sind aber erst ein Mal keine knallharten Fakten, sondern führen in einem ersten Schritt zu einer Menge Fragen und wie auch viele Kollegen von uns, werden wir nicht aufhören diese zu stellen, auch wenn dies dem ein oder anderen nicht passen sollte.

Schuld hat meistens niemand

Nachdem im Trümmerfeld an der Severinstraße in Köln die Leiche des 17 Jahre alten Bäckerlehrlings Kevin K. und die des 24 Jahre alten Studenten Khalil G. geborgen worden sind, gibt es nun scheinbar einen weiteren Todesfall im Zusammenhang mit dem Einsturz des historischen Stadtarchivs in Köln. Mitarbeiter eines Kölner Hotels fanden die Leiche einer 84 Jahre alten Frau, die sich das Leben genommen hat und in einem Abschiedsbrief mitteilte, dass sie nicht mehr konnte. Auch sie lebte in einem Haus, welches nachdem Einsturz des Stadtarchivs abgerissen werden musste. Juristisch bedeutet dies natürlich nicht, dass es zwingend einen Zusammenhang zwischen ihrem Selbstmord und dem Verlust ihrer Wohnung gibt. Alles in allem geht es hier wohl so oder so eher um eine moralische, als um eine juristische Frage. Genau dieser Punkt der Moral scheint im gesamten Katastrophenfall von Köln allerdings etwas unterzugehen. Es wird debattiert und begutachtet. Behauptet und dementiert und überall dies scheinen die Menschen mit ihrer Situation alleine gelassen zu werden.

Richtig, im Fall der 84 Jahre alten Dame, gab es schnell Statements, dass sie zu einer der bestbetreutesten Opfer dieser Katastrophe gehörte und das sie beste psychologische Betreuung hatte. Fakt ist, sie nahm sich das Leben und das alleine sagt tausend Mal mehr aus, als die Statements derer, die sich um sie gekümmert haben. Man wies auch direkt daraufhin, dass sie schwer krank gewesen sei und kurz vor der Einweisung in ein Krankenhaus gestanden hätte. Auch das überrascht nicht, denn realistisch betrachtet gibt es nun auch nicht so viele Menschen, die sich in einem so fortgeschrittenem Alter, allerbester Gesundheit erfreuen können. Deshalb nimmt man sich aber in der Regel auch nicht gleich das Leben. Es klingt so als suche man jetzt schon wieder schnell nach Gründen für diesen Selbstmord, die möglichst weit weg von der Katastrophe liegen, die sich dort ereignete. Es ist diese Art mit der immerzu versucht wird schicksalhafte und tragische Einzelfälle zu schaffen, diese haben den Vorteil, dass das Interesse an der Schuldfrage, an der Frage nach Verantwortung minimiert wird.

Die vertraulichen Mitschnitte des OB S.

Diese gerade beschriebene Vorgehensweise, die natürlich weit über die Stadtgrenzen Kölns hinausgeht, sorgt aber in der breiten Masse der Bevölkerung vor allem für eins, Misstrauen. Im Fall des Einsturz des historischen Stadtarchivs von Köln, richtet sich dieses Misstrauen vor allem gegen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) aber auch mehr und mehr gegen die Stadt bis hin zu ihrem Oberbürgermeister (OB) Fritz Schramma (CDU). Auch auf dieser journalistischen Internetplattform kamen schon Fragen auf, wie weit man OB Schramma (CDU) noch Vertrauen kann, was mit einer der Grundvoraussetzungen für sein Amt ist. Denn was sich hier seit dem Tag der Katastrophe alles getan hat, wirft ein äußerst dubioses Licht auf alle Beteiligten. OB Schramma (CDU) selbst scheint sich aber auch schon so seine Gedanken zu machen, wem er noch wie weit vertrauen kann, denn nur so lässt es sich erklären, dass er Aufzeichnungen von einer vertraulichen Sitzung machte. Genau aus diesem Grund ermittelt nun auch die Staatsanwaltschaft gegen ihn. Man braucht kaum zu erwähnen, dass auch so etwas nicht gerade das Vertrauen steigert.

OB Schramma (CDU) sagte dazu nur, dass die Aufnahmen ungehört gelöscht worden seien. Vielleicht tauchen irgendwann ein Mal `die vertraulichen Mitschnitte des OB S.` irgendwo auf. Dies könnte übrigens passieren, ganz ohne das der OB Schramma (CDU) gelogen hätte, denn seine Aussage bezieht sich nur auf einen Löschvorgang und darauf, dass die Aufnahmen nicht abgehört wurden. Man kann auch ohne mitzuhören Kopien anfertigen. Aber soweit wollen wir hier in der Redaktion gar nicht gehen und setzen einfach voraus, dass es keine Kopien gibt. Trotzdem bleibt in Folge dieser Katastrophe ein riesiges Misstrauen, da scheibchenweise Fakten ans Licht geraten, die wir hier wahrscheinlich noch nicht ein Mal als Spekulation aufgegriffen hätten, so absurd sind sie. Das traurige ist, dass man eben völlig und ganz das Vertrauen verliert. Man merkt es zum Beispiel daran, dass nun Ergebnisse der Asbestuntersuchung des Trümmerfeldes vorliegen die besagen, dass keine Belastung durch Asbest vorliegt. Direkt schießt einem die Frage durch den Kopf, ob hier wohl die Wahrheit gesagt wurde?

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik

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