fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Schweine im Weltall

28. April 2009

Wenn nicht so viele Menschen eine solche Angst hätten, hätte die Schweinegrippe schon fast wieder etwas komisches und man könnte gleich an die `Schweine im Weltall´ aus der legendären Muppets-Show denken. Allein hier in Österreich, wo im Moment das fairschreiben-Redaktionstreffen stattfindet, sterben jährlich circa 1.000 Menschen an der normalen Grippe. Daran erkennt man erst ein Mal, wie bedeutsam die bisherigen Fälle der Schweinegrippe weltweit sind. Aber natürlich sind die Menschen, gerade auch in Zeiten der Weltwirtschaftskrise, für weitere Krisenszenarien sehr sensibilisiert. Natürlich ist es sehr vernünftig, dass nun Krisenstäbe eingerichtet werden, damit man für den Fall, dass wirklich eine größere Krise eintritt, auch gerüstet ist. Aber Hysterie ist an dieser Stelle einfach nur unbrauchbar.

Die Nöte dieser Welt

Es gibt in diesen Zeiten wesentlich massivere Probleme auf diesem Planeten, als die Schweinegrippe oder, wie man sie auch nennt, Swine Flu. Aber natürlich eignen sich solche Horrorszenarien hervorragend, um von den tatsächlichen Problemen dieser Tage abzulenken. Bislang bringt vor allem die Tatsache Probleme, dass in Mexiko so viele Menschen an der Schweinegrippe versterben, in anderen Ländern, wo die Erkrankung ebenfalls auftritt, sieht dies ganz anders aus. Aus diesem Grund hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun auch ein Krisenteam auf den Weg nach Mexiko gebracht. Der Gedankengang einer Pandemie ist natürlich auch ein ganz logischer, denn in Zeiten einer solch globalisierten Welt, verteilen sich natürlich auch Erreger wesentlich schneller über große Distanzen. Dies liegt in der Natur des heutigen Reiseverhaltens, in dem man riesige Distanzen in immer kürzerer Zeit zurücklegt. Auch dies muss man wohl als einen Nachteil der Globalisierung ansehen.

Der Faktor Schweinegrippe verdrängt aber natürlich auch hier in Europa wichtige Themen, wie zum Beispiel das Bauernsterben, gegen welches schon in Ländern, wie zum Beispiel Deutschland, Österreich aber auch Spanien demonstriert wurde, auf die hinteren Ränge der internationalen Berichterstattung. Das die Staatsverschuldung von immer mehr Ländern Ausmaße annimmt, die durchaus in den Bankrott für einige Staaten führen könnte, wird ebenfalls weit, weit nach hinten verschoben. Natürlich zeigt die Schweinegrippe auch schon erste Anzeichen an den internationalen Aktienmärkten und man bekommt zum Teil das Gefühl, als hätte manch Finanzzocker nur auf so etwas wie die Schweinegrippe gewartet. Man hat mit ihr eine weitere Ausrede, warum es den internationalen Märkten so schlecht geht. Natürlich reden wir bislang nur über die Probleme unserer Wohlstandsgesellschaft und haben noch nicht ein Mal im Ansatz über die aktuellen Problem der Schwellenländer oder gar der Dritten Welt gesprochen.

Zu wenig Kapital für die medizinische Versorgung

Man sieht allein schon am Beispiel Mexikos, was ein Erreger wie H1N1 in solchen Ländern auslösen kann. Man mag sich gar nicht erst vorstellen was passiert, wenn dieser Erreger in den aller ärmsten Ländern dieser Welt ankommt. Vielleicht sollte man auch viel mehr für diese Länder und Regionen Krisenteams und Krisenpläne auf den Weg bringen. Hier in Österreich lässt man H1N1 nun per Kurier einfliegen, um ein Gegenmittel zu erschaffen und man geht davon aus, dieses in einem Zeitfenster von vier Monaten umsetzen zu können. Solche Möglichkeiten bestehen für die meisten Staaten Afrikas erst gar nicht. Ist das Mittel erst ein Mal entdeckt, stellt sich die Kostenfrage und da wäre es nicht das erste Mal, dass Menschen sterben müssen, weil kein Geld für eine ausreichende medizinische Versorgung vorhanden ist. Dieses Problem mit den Kosten der Gesundheit kennen wir schon von verschiedenen Stellen her und auch dies wird zu einem immer größeren Problem in unserer Gesellschaft, welches sich durch die momentane Krise auch noch ein Mal verschärft. Auch hier sind natürlich die Politiker stark gefordert positiv auf die Pharmaindustrie einzuwirken. Denn medizinische Versorgung sollte etwas sein, was jedem im gleichen Maße zur Verfügung steht.

Denn auch das gerade geschilderte Problem, welches zeigt wie stark die Wirtschaft im Gesundheitswesen verankert ist, geht in der beschriebenen Hysterie um die Schweinegrippe völlig und ganz unter. Auch die Sachlage, die die Schweinegrippe der Welt in diesen Tagen beschert, könnte man als einen Punkt nutzen um zu beweisen, dass es wirklich ernst gemeint ist, wenn man von einem Neuanfang für die Welt spricht. Allerdings wirken die Fakten der letzten Tage eher so, als würde alles wie bislang ungebremst weiterlaufen. Denn auch Ansätze, wie wir sie aus dem Bereich der Aidsbekämpfung kennen, zeigen das auch hier die Gier und Profitorientierung vielfach vor der Hilfe für die Kranken kommt. Genau diese Auswüchse des Raubtierkapitalismus haben uns aber erst an den Punkt der Weltwirtschaftskrise gebracht, an dem wir nun alle stehen. Die Tinte unter den Verträgen des G-20-Treffens in London ist noch nicht ganz trocken und schon scheint sich zu zeigen, dass hier wieder ein Mal sehr viel Geld für ein Treffen ausgegeben wurde, welches letztendlich den Menschen auf dieser Erde nicht wirklich geholfen hat. Auch dies ist ein Ergebnis der Schweinegrippe aber auch von diesem kann man in den Medien dieser Tage nur kaum etwas lesen.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu