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Die Wahrheit des Wortes

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Schwarzer Montag in Peking

19. August 2008

Dabei sein ist alles. So lautet das große Credo der Olympischen Spiele und man sollte annehmen, dass dieses auch für die Spiele 2008 in Peking gilt. Wenn man dann allerdings sieht, dass gerade auch in China nur Gold ist was zählt, sollten einem viele Fakten klarer werden. Denn dabei sein ist schon lange nicht mehr das was zählt, vor allem nicht für die großen Länder des Sports. Während Deutschland auch weiterhin durch Überraschungsmedaillen, wie zum Beispiel die Silbermedaille der aus Usbekistan stammenden 33 Jahre alten Oksana Aleksandrovna Chusovitina, den Platz in den Top Ten des Medaillenspiegel behauptet, führt China diesen souverän an. Trotzdem kann man sowohl aus Sicht der chinesischen, wie auch der deutschen Sportler von einem Schwarzen Montag sprechen, den einige der klaren Favoriten dieser Spiele zu verantworten haben.

Dirk Nowitzki und Liu Xiang

Waren die Olympischen Spiele 2008 bislang auch von vielen absehbaren Erfolgen geprägt, lief gestern doch einiges schief. Die Frage die sich dann immer stellt ist die, wie man mit solchen Niederlagen umgeht. Kurz nachdem gestern das chinesische Leichtathletikidol Liu Xiang vor dem 110 Meter Hürdenvorlauf wegen Problemen an der Achillessehne aufgab, brach in China fast so etwas wie Staatstrauer aus. Denn Liu Xiang ist hier das Zeichen, das Aushängeschild für das China im Wandel, für das bessere China. Man kann nun diskutieren, ob es da Symbolcharakter hatte, dass eine der Galionsfiguren in diesem Kontext schon in der Vorrunde ausschied. Zu Mal sich die Gerüchte hartnäckig halten, dass er nicht antreten wollte, denn ob er den Kubaner Dayron Robles wirklich besiegt hätte, sei noch dahin gestellt. Aber in China gilt nur eins und das ist Gold. Somit kamen die gesundheitlichen Probleme vielleicht gar nicht ein Mal so Ungelegen, um es vorsichtig zu formulieren.

Aber auch Deutschland hielt in Peking mit großen Leistungsträgern des Sports und damit auch der Gesellschaft Einzug. Auch hier kann man nun die Frage stellen, ob dieses fast kollektive Versagen der sportlichen Elite bislang ein Signal aus unserer Gesellschaft ist. Das Team, um den deutschen Fahnenträger Dirk Nowitzki, einer der zu einem der deutschen Idole dieser Spiel werden sollte, versagte im Basketball völlig. Die Auswahl der deutschen Schwimmer ging bis auf den Goldfisch Britta Steffen fast komplett unter und versenkte sich somit selbst im Wasserwürfel von Peking. Alleine schon diese Beispiele zeigen sehr schön auf, wie auch dies Mal der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit auseinander klafft. Natürlich gibt es vielfach Erklärungen dafür, warum es gelaufen ist, wie es gelaufen ist aber nur allzu oft klingen diese Ausreden noch nicht ein Mal sehr kreativ.

Vom Wintermärchen in den Sommeralbtraum

Man kann diese Liste des Versagens aber auch noch vervollständigen und das gerade auch was den gestrigen Wettkampftag angeht. Da war die deutsche Handballauswahl, genau die die uns zuletzt noch das Wintermärchen verschafften, als sie Weltmeister wurden. Dies Mal ein medaillenloser Abgang in der Vorrunde und das obwohl gegen Dänemark schon ein schlichtes Unentschieden gereicht hätte um weiterzukommen. Von dem kompletten Ausfall der deutschen Reiter am gestrigen Tag wollen wir gar nicht erst anfangen. Selbst die deutschen Eliten im Frauenfußball, die schon als so gut wie unschlagbar galten, wurden von dem Team der Brasilianerinnen deklassiert und können nun auch ihre Rückreise organisieren. Natürlich gab es auch gestern etwas Großartiges zu feiern, auch wenn es nur die Silbermedaille im Tischtennis war. Was im Kontext dieses Finales gegen China passierte, war eine gute Lehrstunde für alle, wie es laufen sollte.

Timo Boll, der in China bekannter ist als ein bunter Hund, schaffte mit seinem Team zwar, wie erwähnt, nur eine Silbermedaille aber durch sein überzeugendes Understatement im Vorfeld, kam hier alles wesentlich positiver rüber. Boll ist einer der wenigen, dem man das zu Beginn erwähnte Credo wirklich abnimmt. Ansonsten herrscht oftmals eine Arroganz im Kontext zu den vermeintlichen Superstars vor und wenn man dann im Wettkampf versagt, ist es natürlich gleich doppelt peinlich. Nehmen wir den großen deutschen Turner Fabian Hambüchen. Oftmals wird einem vermittelt er sei so etwas, wie das Maß aller Dinge. Wenn so jemand dann gleich zwei Mal, im wahrsten Sinne des Wortes, von seinem Sportgerät abstürzt, darf man sich nicht über Kritik wundern. Beschweren sollte sich allerdings am Ende des Tages keiner und Leistungsdruck kann und darf auch kein Thema sein, denn so gut wie alle Sportler forcieren dies alles vor allem auch selber und zeigen auch Flagge für eine Welt, in dem es nur noch darum geht die Nummer eins zu sein. Es scheint als würde sich das Weltbild, welches sich viele Sportler scheinbar auch als Ausrede für ihr passives Verhalten im Kontext zu Menschenrechtsverletzungen und der Tibetproblematik aufgebaut hatten, nun gegen sie selbst richten.

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Kategorie: Free Tibet · Gesellschaft · Sport

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Art for Europe // 15. Mrz 2010 at 04:58

    [...] Megacities aufzusuchen und zu fotografieren. Neben den bekannten Städten, wie Shanghai, Beijing und Guangzhou sind hierfür aber hauptsächlich Fotoreisen in die wenig bekannten [...]

Schreib was dazu