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Die Wahrheit des Wortes

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Schumi und die Fragen die nach Genf bleiben

13. August 2009

Wie am gestrigen Tag bereits berichtet, verfolgten wir mit Hochspannung die Pressekonferenz von Michael Schumacher, seinem Manager Willi Weber und seinem Arzt Dr. med. Johannes M. Peil. Es war eine sehr informative Veranstaltung, die man im Hotel Intercontinental in Genf geboten bekam und man kann auch nicht behaupten, dass in den gut 90 Minuten, die diese Veranstaltung andauerte, irgendwie Langeweile aufgekommen wäre. Spannend war es vor allem durch diese drei Hauptprotagonisten noch einmal viele bislang alleinstehende Fakten in einem Gesamtkontext zu erhalten, auch wenn viele Fragen weiterhin unbeantwortet bleiben und sich so natürlich schon die Frage stellt, ob dies auch nicht zu einem großen Anteil so gewollt ist.

Schwere Verletzungen nach Motorradunfall

Zum Verletzungsbild von Michael Schumacher wurde noch einmal ganz deutlich gemacht, dass dieses weit über die Prellungen, von denen lange Zeit in den Medien zu lesen und zu hören war, hinausging. Die Schädelbasis war gebrochen, eine der beiden einzigen das Kleinhirn versorgenden Arterien war gerissen, außerdem war der siebte Halswirbel gebrochen und eine Rippe auf der linken Seite. Von Lebensgefahr direkt wollte niemand sprechen, allerdings wurde klar, wie nah Michael Schumacher an bleibenden Schäden war und das er verdammt viel Glück hatte, dass solche ausblieben. Wenn man sich nun überlegt, dass dieser schwere Motorradunfall gerade einmal knapp ein halbes Jahr zurückliegt, wird einem klar, dass es wirklich sehr fraglich war, ob dieses Comeback zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt realisierbar war. Wie gut dies nun alles wirklich über die Medien kommuniziert wurde, muss jeder Fan für sich selber entscheiden. Fakt ist, dass ein Comeback zum jetzigen Zeitpunkt aus medizinischer Sicht nicht möglich ist. Allerdings räumte Dr. med. Johannes M. Peil ein, dass prinzipiell zu einem späteren Zeitpunkt medizinisch nichts gegen ein Comeback sprechen würde.

Zu dieser Option, später noch einmal in einen Rennboliden zu steigen, wollte sich Schumacher im Rahmen dieser Pressekonferenz nicht klar äußern. Hier wird damit natürlich ein weitere spannender Fakt relevant und zwar der, dass sein Vertrag mit Ferrari in diesem Jahr ausläuft und wohl noch nicht über eine Verlängerung gesprochen wurde, was natürlich Spekulationen über die Zukunft von Schumacher Tor und Tür öffnet. Ob dieser Fakt Einfluss darauf hatte, dass Schumacher, wie es scheint, definitiv zu früh wieder hinter dem Steuer eines F1-Autos saß, wurde in Genf nicht erörtert. Nachdem das angekündigte Comeback oder viel mehr nach der Absichtserklärung des Comebacks, wie es seine Sprecherin so schön im Vorfeld dieser Pressekonferenz in Genf formulierte, nun geplatzt ist, dürfte zu mindestens allen Beteiligten der Marktwert dieses Ausnahmesportlers noch einmal bewusst geworden sein. Dies gilt übrigens erst einmal völlig unabhängig von einem wirklichen Leistungsnachweis. Denn natürlich ist Michael Schumacher in Topform, was auch sein Arzt noch einmal bestätigte, wie gut er im Moment, nach dieser mehrjährigen Rennpause als Formel Eins-Fahrer ist, bleibt allerdings bis auf weiteres unklar.

Das Misstrauen des Managers

Seit über 20 Jahren ist Willi Weber der Manager und auch ein guter Freund von Michael Schumacher und er war auch der jenige, der umgehend nachdem die Comebackpläne bekannt wurden, davor warnte. Um es noch klarer zu sagen, riet Weber ihm sogar davon ab. Dies hätte eigentlich alle stutzig machen sollen, denn finanziell wäre es wohl ein riesiger Erfolg für Weber geworden, mit der Ausnahme, dass die jetzige Situation eintreten würde und das Comeback platzen würde. Natürlich fragte man Weber auch, was mit den bislang für das Comeback produzierten Merchandiseartikeln etc. werden würde. Die Antwort war sehr vielsagend. Gar nichts würde passieren, denn es sei nichts produziert worden. Anhand dessen sieht man sehr schön für wie realistisch der Manager dieses Comeback die ganze Zeit hielt. Anfragen waren mehr als ausreichend da, wie Weber berichtete, so sprach er auch von 25.000 Anfragen für den Campingplatz in der Nähe der belgischen Rennstrecken von Spa-Francorchamps, was die Gesamtdimension auch noch einmal sehr schön verdeutlicht. Wie herb dieser Rückschlag gerade auch für die Fans sein dürfte, die sich nun Tickets für die restlichen Rennen der Saison besorgt haben und ähnliches, dürfte sich von selber erklären und über welche Massen wir sprechen, zeigt die gerade genannte Anzahl an Anfragen.

Es war eine bittere Stunde für den Rennsport, dass ist unbestritten, allerdings konnte auch diese Pressekonferenz bei uns nicht alle Zweifel ausräumen, die seit der Absage des Comebacks aufkamen. Bei allem Verständnis für die Schonung von Schumachers Gesundheit, die natürlich immer an aller erster Stelle zu stehen hat. Bei allem Verständnis dafür, dass man nicht alles im Leben perfekt planen kann, bleiben Fragen offen. Man darf auch nicht vergessen, dass wir auch bei der Formel Eins letztendlich über einen großen und wichtigen Zweig der Wirtschaft sprechen. Vielleicht ist auch genau dieser Aspekt ein Grund für die Skepsis die bleibt. Aber es wäre sehr schön auch in diesem Bereich einfach einmal positiv überrascht zu werden und irgendwann festzustellen, dass hier alles einfach nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit war. Dies wäre ein sehr positives Signal an eine Gesellschaft, die auch gerade von der Wirtschaft und auch der Politik oft genug enttäuscht wurde und auch oft genug getäuscht wurde. Beim Sport sollte außer dem Wettkampf und dem Siegeswillen, den ein Schumacher mit Sicherheit noch hat, vor allem auch ein gewisser Spaßfaktor vorhanden sein. Genau dieser ist aber gerade auch in der Formel Eins in den letzten Jahren durch unzählige Skandale und Streitigkeiten etwas verloren gegangen. Autorennen machen Spaß das ist unbestritten, Entscheidungen am runden Tisch und geplatzte Comebacks sind da eher riesige Spaßbremsen.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Sport · Wirtschaft

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