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Die Wahrheit des Wortes

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Schnell vergessen – Robert Enke

10. November 2010

Auf den Tag genau vor einem Jahr nahm sich der Keeper von Hannover 96, Robert Enke, das Leben. Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass er an Depressionen litt und dies der Grund für seinen Selbstmord war. Es entbrannte eine vermeintlich tiefgründige Diskussion über diese Krankheit und es wurde im Sport, aber auch im Rest der Gesellschaft, viel darüber diskutiert, was sich gesellschaftlich alles ändern müsste, damit solche Tragödien nicht mehr geschehen. Genauso schnell und heftig diese Diskussion aufgekommen war, so schnell war sie auch wieder vorbei. Das wirklich traurige ist, dass Robert Enke somit noch ein zweites Mal starb, denn sein Tod hätte etwas bewirken können und zu mindestens noch anderen Erkrankten helfen können aber dies hat leider nicht funktioniert. Dies bedeutet natürlich auch, dass sein Tod damit völlig ohne Sinn blieb. Dies sind die dunklen Seiten dieser schnelllebigen und völlig erfolgsorientierten Gesellschaft und man sieht, wie hoch der Preis sein kann, umso erschreckender ist es da, dass man diese Chance nicht genutzt hat.

Der Fußballzirkus
Ein besonderes Augenmerk ist bei dieser Tragödie natürlich auf den Fußball gerichtet, da es sich bei Robert Enke um einen Bundesligaspieler handelte und mehr noch, er hatte Ambitionen bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika zwischen den Pfosten zu stehen und seine Chancen standen richtig gut. Trotzdem entschied er sich vor einem Jahr sich vor einen Zug zu werfen und sein Leben so zu beenden. Die Nachricht war ein Schock, auch in der damaligen Redaktion in Köln, gerade auch weil kurz nach der Nachricht natürlich noch keine Hintergründe dieses Freitods begannt waren. Nach und nach kam erst ans Licht, dass das Leben des Robert Enkes durch Depressionen tief getrübt war und vieles von dem, was er nach Außen trug, ganz offensichtlich nur Fassade war. Die Nation trauert und man darf davon ausgehen, dass ein großer Teil dieser Trauer aus tiefstem Herzen kam und hiermit sind vor allem die Fans gemeint, denn was sich in den Folgetagen in Hannover abspielte, war schon ein klares Zeichen aber es gab leider auch eine andere Seite.

Wie im richtigen Leben schienen die Fans auch in diesem Fall wieder näher am Leben gewesen zu sein, als die Offiziellen. Die, die damals am lautesten nach Veränderungen im Sport und in der Gesellschaft schrieen, waren auch die, die als erstes wieder zur Tagesordnung übergingen und man muss sagen, dass sich auch die Medien nicht besser verhielten. Es war eine Nachricht mit der man gutes Geld verdienen konnte, Quote machen aber dann kamen auch schon wieder die nächsten Schlagzeilen und Robert Enke, genau wie seine Erkrankung waren wieder aus den Medien verschwunden. Auch die Offiziellen aus dem Fußballzirkus hatten bald schon wieder die Dollarzeichen in den Augen und es schien ganz so, als hätte man gut darauf geachtet, dass dieser tragische Todesfall bloß nicht dem Sport schaden würde. Es war eine riesige Chance, die hier leichtfertig vergeben worden ist und dies kann man wohl kaum mit irgendeiner gesellschaftlichen Verantwortung unter einen Hut bekommen. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn man diesen traurigen Anlass dafür genutzt hätte für Veränderungen zu sorgen aber dies würde am Ende des Tages zu weniger Leistungsdruck führen und dies könnte Gift für die Gewinnmaximierung bedeuten und das gilt es scheinbar um wirklich jeden Preis zu verhindern.

Kein Südafrika für Robert Enke
Ein große Chance, ein großer Traum wäre natürlich die WM 2010 in Südafrika gewesen, die Krönung einer jeden Fußballerkarriere. Robert Enke beendet den Kampf um diese Plätze für sich auf seine ganz eigene Art aber trotzdem ging der Kampf auch nach seinem Ableben in der normalen Härte weiter. Schnell hatte man ihn und sein Schicksal scheinbar vergessen. Auch beim Turnier selbst, hätten sich viele gewünscht, das Enke irgendwie ein Thema gewesen wäre aber so etwas Negatives wollte man scheinbar beim Sommermärchens, welches letztendlich trotzdem keins wurde, nicht dabei haben. Abgesehen von der Trauer um diese Person, darf man nicht vergessen, dass es auch um so etwas, wie um eine Volkskrankheit geht und hier gilt es auch zu berücksichtigen, dass es versäumt wurde diese Plattform ausreichend zur Aufklärung zu nutzen und das ist beschämend. Denn ansonsten spricht man doch auch immer gerne von der besonderen gesellschaftlichen Verantwortung des Sports und die sollte in jedem Fall noch ein bisschen über die Nachwuchsförderung hinaus gehen.

Auch wenn dieser erste Jahretag nun wahrscheinlich auch den ein oder anderen Medienvertreter wieder auf den Plan rufen wird, um das Thema noch einmal kurz auf den Schirm zu holen, muss man sagen, dass auch die Medien ihrer Aufgabe hier kaum nachkamen, denn auch sie hatten die große Chance mehr aus dem Thema zu machen und es nicht wieder so schnell ablegen müssen. Natürlich gilt auch hier der Druck des Geldes, dass ist schon klar und genau, dass war auch eines der Themen vor einem Jahr. Man muss aber annehmen, dass dies nun schon bei vielen in Vergessenheit geraten ist und das ist sehr traurig oder ein sehr alarmierendes Signal den auch Vergesslichkeit gilt als ein Symptom bei Depressionen. Ein Jahr nach dieser großen Tragödie muss man leider sagen, dass sich nichts verändert hat und auch dieser Todesfall leider nichts bewirken konnte. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber immerhin, dass man beim nächsten Mal die Verantwortlichen beim Namen nennen kann, es sind all die, die diese große Bühne, die dieser Tod mit sich brachte, nutzten, um sich zu profilieren und dies unter dem Vorwand etwas verändern zu wollen, damit so etwas in Zukunft nie wieder geschieht. Genau diese Menschen hätten es in der Hand gehabt und hätte es zu mindestens einmal versuchen sollen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Stefan Braun // 11. Nov 2010 at 00:20

    Es stimmt, dass das Thema schnell wieder von der Bildfläche verschwunden war – wie eigentlich alle Themen, sobald etwas Neues auftaucht.

    Immerhin: vor Robert Enke haben sich schon viele umgebracht – ohne Schlagzeilen.

    Die Frage ist, was hätte getan werden können. Besser: was getan werden kann. Depression wird immer mehr zu einer Volkskrankheit. Das liegt wohl an unserer Art zu leben; immer schneller, immer mehr, am besten gleich.

    Da kann jeder von uns etwas tun. Nämlich den Druck von anderen nehmen, indem man seine Erwartungen auf ein realistisches Maß schraubt. Die Erwartungen an sich selbst hinterfragen. Sich wieder auf Werte besinnen – ich weiß, ausgetreten und missbraucht. Aber Werte sind etwas, was Halt und Orientierung gibt im Leben. Damit meine ich Werte, die jeder für sich selbst definiert; keine von anderen vorgegebene “Werte”. Einfach in sich hineinhören, was einem wichtig ist.

    Dann brauchen wir auch die Medien nicht. Und Funktionäre braucht sowieso keiner ;->

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