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Die Wahrheit des Wortes

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Schland 2.0

7. Juli 2010

Nur noch wenige Stunden, dann hat Deutschland endlich die Möglichkeit ins Finale der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika einzuziehen. Natürlich ist die Erwartung auch hier in der Redaktion in Köln richtig groß und man hofft auch hier auf den vierten Stern aber man darf, wie so oft an dieser Stelle angemahnt, nicht den Bezug zur Realität verlieren. Sportlich gesehen, kann man nur einräumen, dass die Jungs unter Joachim Löw wirklich Großes vollbracht haben und der Titel wohl schon verdient wäre und das wäre natürlich ein Sommermärchen, allerdings kann auch dieses nicht über die Lage der Nation hinwegtäuschen und die sieht nicht im Ansatz so gut aus, wie die Ergebnisse der DFB-Elf. Wirtschaftlich, wie auch gesellschaftlich ist in diesem Land nichts mehr meisterlich, geschweige denn weltmeisterlich. Es wäre zu wünschen, dass, sollte Deutschland wirklich Weltmeister werden, die Euphorie auch auf andere Bereiche übergreift und nicht wieder direkt verfliegt.

Würstchen und Bier für die Konjunktur?
In Zeiten der Weltwirtschaftskrise kramt man scheinbar alles hervor, um noch irgendwie punkten zu können. Deutschland hat seit ewigen Zeiten ein massives Problem mit der Binnenkonjunktur und man setzt auch alles daran dieses nicht in den Griff zu bekommen und dies obwohl hier der Schlüssel für so vieles liegt. Trotzdem werden die Medien in diesen Tagen nicht müde zu erklären, wie sehr das hochsommerliche Wetter und natürlich die WM 2010 in Südafrika den Konsum von Alkohol und Grillgut etc. ankurbeln. Dies ist natürlich ein erster guter Schritt aber ob dieser Deutschland retten kann, darf doch eher einmal bezweifelt werden. Es hat doch eher den Anschein, als würden viele ihren Frust einfach mit Steaks und Bier wegfeiern. Natürlich muss auch das manchmal sein aber es hat mit dem harten Alltag nichts zu tun, auch das sollte jedem bewusst sein. Um zu erkennen wie schnell der Alltag zurück ist, muss man gerade einmal nur gut vier Jahre zurückblicken.

2006 fand die Weltmeisterschaft in Deutschland statt und auch damals wollten die Medien einem verkaufen, dass nun die große Aufbruchstimmung in Schland angekommen sei und nun alles besser würde. Wie nachhaltig diese Stimmung war, weiß man mittlerweile ganz genau und man hat auch gesehen, dass Deutschland kurze Zeit später in die größte Krise seit bestehen der Bundesrepublik abgerutscht ist und an dieser Stelle ist der Begriff der Nachhaltigkeit viel besser aufgehoben. Ob Weltmeister oder auch nicht, auch dieser wundervolle Sommer 2010 wird vorbeigehen und irgendwann ist das letzte Bier am Grill getrunken und das letzte Steak verputzt und was kommt dann? Es bleiben geplünderte Sozialkassen, Arbeitslosenzahlen, die man nicht bis in die Unendlichkeit mit Kurzarbeit schönen kann und ein riesiges Problem mit der Bildung und der Demografie steht auch noch da und wartet auf Lösungsansätze. So schön die Freude über den Fußball auch sein mag, so trüb sieht die Zukunft aus.

Teure Reformen
In diesen Tagen wird in Deutschland wieder fleißig reformiert und Reformen sind es auch die dieses Land so sehr braucht, allerdings scheint Reform im Moment einfach nur ein neuer Begriff für Preiserhöhungen zu sein. Hatten viele Menschen im Herbst noch an einen politischen Umschwung zum Positiven im Land geglaubt, verliert sich auch diese Hoffnung mehr und mehr, denn in diesen Tagen dürfte auch dem letzten klar geworden sein, was von den Versprechen der Tigerentenkoalition zu halten ist. CDU, CSU und FDP verhalten sich nicht großartig anders, als auch schon die Vorgängerregierungen, kaum im Amt öffnen sich die Tore für all die Lobbyisten scheinbar sehr weit. Bürgernahe Politik wird in Berlin schon lange nicht mehr gemacht. Die Union und die Liberalen hatten ihre große Chance, nur leider haben sie über all die internen Grabenkämpfe vergessen diese zum Wohle des Landes zu nutzen und dies ist mindestens als sehr traurig einzustufen. Hätte das Volk einen solchen Regierungsstil gewollt, hätte man nicht wählen brauchen, sondern einfach den bisherigen Kurs weiter verfolgen können.

Eine Minderheit in Bayern sorgt für die Beschneidung der Freiheit der Raucher unter dem Vorwand des Gesundheitsschutzes. Die Gesundheitsreform unter Philipp Rösler (FDP) könnte auch von der SPD oder sonst wem kommen, denn am Ende des Tages scheint es auch hier wieder nur zu heißen, Preise rauf, Leistungen runter. Solche Reformen kennt man noch von der Amtsvorgängerin Ulla Schmidt (SPD), womit sich natürlich auch hier die Frage stellt, was dem (Sch) Land diese neue Bundesregierung tatsächlich zu bieten hat. An dieser Stelle ist man dann auch ganz schnell wieder beim Thema Frust über die Politik. Wenn selbst durch Wahlen herbeigeführte politische Neuausrichtungen nicht zu einem wirklichen neuen Weg führen, fragt man sich nach dem Nutzen all dessen. Es hat doch den Anschein als regiere in Deutschland in Wirklichkeit nur noch das Großkapital und dies völlig parteiübergreifend, in diesem Fall müsste man dann wohl von einer Scheindemokratie bzw. der Diktatur des Kapitals sprechen und im Moment sieht es so aus, als würde sich dieser Kurs noch weiter verschärfen und darüber kann auch Schland 2.0 und die WM 2010 nicht hinweg täuschen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik · Sport · Wirtschaft

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