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Die Wahrheit des Wortes

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Rund um Köln am Ende?

14. April 2009

Auch dieses Jahr war es Ostermontag wieder soweit, große Teile des Bergischen Landes, wie aber auch Teile von Köln wurden abgesperrt, damit fast 100 Profiradrennfahrer ihren Sport ausüben konnten. Das Radrennen `Rund um Köln` fand in diesem Jahr zum 93. Mal statt. Wie oft es noch stattfinden wird, scheint allerdings sehr ungewiss. Denn natürlich hat man auch hier in der Region massiv mit den Folgen der Dopingproblematik im Radsport zu kämpfen. Der Radsport hat massivst an Ansehen verloren, was vor allem zur Folge hat, dass immer mehr Sponsoren abspringen, was natürlich zu Finanzierungsengpässen führt und auch beim 93. Rund um Köln dürfte der Veranstalter am Ende des Tages noch ein Mal draufgezahlt haben. Man sieht auch 2009 scheint kein gutes Jahr für den internationalen Radrennsport zu werden.

Nur Nationalteams

Es gab viele verschiedene Daten und Fakten die an diesem Ostermontag sehr deutlich machten, wie schlecht es auch um diesen Radklassiker bestellt ist. Nicht nur ein Absinken des Preisgeldes, von 7.150 Euro im Jahr 2008 auf 5.785 Euro in diesem Jahr, war ein Indiz für den Verfall dieses Sportereignisses. Das Rennen wurde auch in der Wertigkeit von HC auf 1.1 herabgestuft und wirklich große Namen suchte man vergeblich. Außer den hausgemachten Problemen, kommen aber auch andere Probleme hinzu, so konnte im letzten Jahr auf Grund von Schnee, erst gar nicht gestartet werden und in diesem Jahr hatte man mit massivem Nebel zu kämpfen, auch wenn der eher dem WDR bei der Übertragung des Events zu schaffen machte, als den sportlichen Akteuren. Gestartet wurde in Reichshof, was auch von einer Tradition abweicht, denn in den letzten Jahren startete man immer in Leverkusen vor der BayArena. Man sieht schon, dass sich vieles verändert hat und nur das Wenigste zum Guten. Hatte man den Zielort in den letzten Jahren in ein eher unattraktives Kölner Industriegebiet verlegt, weil es einfach sehr preisgünstig war, hatte man sich in diesem Jahr für den attraktiven Rheinauhafen entschieden. Wohl eine der wenigen positiven Entwicklungen, die es im 101. Jahr des Radklassiker zu vermelden gab.

Auf Grund der massiven Sponsoren- bzw. Dopingproblematik in diesem Sport, traten in diesem Jahr auch nur zwölf Nationalmannschaften an, was zur Folge hatte, dass die 96 gestarteten Radprofis, die 205 Kilometer lange Strecke, fast ohne Werbung abradelten. Aber auch dies war etwas halbherzig, denn der WDR, der in gewohnter Weise das Rennen komplett übertrug, ließ so gut wie keine Chance aus, die Sponsoren trotzdem zu erwähnen, was den Zweck etwas aushebelte aber natürlich im Sinne der Sponsoren gewesen sein dürfte. Natürlich regiert auch im Radsport das Geld die Welt. Wir leben in einer Welt, in der es scheinbar nur noch um wirtschaftliche Aspekte und immer weniger um klare Leistungen oder fairen Wettkampf geht. Das Rennen wurde zu Beginn lange Zeit vom Österreicher Harald Totnschnig und vom Polen Jacek Morajko angeführt. Diese teilten sich dann ganz fair die Prämien für die Bergwertungen und die Sprintwertungen, dass dies wahrscheinlich so abgesprochen war, kommunizierte auch der WDR ganz offen, als sei es das normalste der Welt. In der Wirtschaft mag dies auch so sein aber im Sport erwartet man als Zuschauer doch, dass so etwas durch Wettkampf und nicht durch Absprachen entschieden wird.

Neue Wege der Tour de France

Die wirklich großen Namen sah man in diesem Jahr, wie gesagt, eigentlich gar nicht oder wenn, streichelten sie zum Beispiel als eine Art Maskottchen die Startfahne, wie es ein Jens Voigt tat. Man sieht hier sehr schön, wie weit es auch um Politik im Sport geht und wie weit dies geht, zeigte sich auch noch an anderer Stelle. Man versuchte, egal wie menschenleer die Strecke zum Teil auch war, immer wieder zu erklären, wie groß das Zuschauerinteresse noch immer sei, das darf man durchaus auch anders sehen. Das mittlerweile eine Teilfinanzierung über Startgelder, aus zwei so genannten Jedermann-Rennen, akquiriert wurden, sagt auch wieder einiges über diese Veranstaltung aus. Es läuft auch im Radsport, wie in der großen Politik bzw. Wirtschaft, die Großen setzen den Karren in den Dreck und die kleinen Leute dürfen bezahlen. Man sieht, immer wieder geht es um das Thema Geld. Da man bei allem Idealismus, den man auch gerade diesem Rennen nachsagt, davon ausgehen muss, dass es nicht ewig in den roten Zahlen laufen kann, muss sich etwas ändern. Da man die Dopingproblematik ganz offensichtlich im Radsport nicht ausreichend in den Griff bekommt, muss man nun andere Wege gehen. Wie absurd die angedachten Vorgehensweisen sind, zeigt sich dabei auch sehr schön an der bald anstehenden Tour de France.

Bei der Tour de France hat man einfach einige wichtige Posten neubesetzt und zwar hat man die Menschen entfernt, die sich massiv gegen Doping eingesetzt haben. Nun geht man davon aus, dass der Kampf gegen Doping bei der Tour de France weitgehend beendet ist. Dies ist natürlich auch ein Weg. Denn führt man einfach keine Dopingkontrollen durch, gibt es auch keine Dopingskandale und schon wäre der Sport nicht mehr skandalbehaftet. Gut man löst das Dopingproblem damit nicht und es ist fraglich, ob man dann überhaupt noch von einem fairen Sport sprechen dürfte aber die Einnahmen würden wieder steigen und das ist ganz offensichtlich am Ende des Tages, dass aller wichtigste. Vielleicht sollten wir uns alle viel mehr daran gewöhnen, dass auch der Sport als Teil der Gesellschaft keine Ausnahme darstellt und das diese Gesellschaft krank ist, zeigt sich auch außerhalb des Sports zur Genüge. Man muss ja auch sagen, dass es nicht nur um den Radsport geht. Im Profifußball haben wir regelmäßig die Wettskandale, im Handball reden wir über massive Schiedsrichterbestechung und auch Doping ist in vielen anderen sportlichen Bereichen an der Tagesordnung. Es ist halt wie im Rest der Gesellschaft auch, Lug und Trug scheinen sich mehr zu rechnen, als ein ehrlicher Wettstreit. Apropos Wettstreit, den Radklassiker `Rund um Köln` gewann in diesem Jahr der Däne Martin Pedersen und den hatte wohl niemand auf dem Plan, hoffentlich ist das kein schlechtes Omen.

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Kategorie: Gesellschaft · Neues aus Österreich · Sport · Wirtschaft

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