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Die Wahrheit des Wortes

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Rauchfreies Bayern

6. Juli 2010

Wenn man einfach einmal auf die Raucherdiskussion oder eben die Nichtraucherdiskussion verzichtet, sind die Rauchverbote, wie zum Beispiel das aktuelle aus dem Freistaat Bayern, auch Indiz für etwas ganz anderes. In diesem Staat, und damit ist nun Deutschland ganz allgemein gemeint, gibt es keine Grauzonen, hier gibt es scheinbar auch keine Schnittmengen, nur zwei völlig gegensätzliche Lager. Dies ist übrigens nicht nur beim Thema Rauchverbot so. Es scheint auch gar kein Interesse an Kompromissen, an der Findung von Schnittmengen zu bestehen und dies verkompliziert dann doch immer wieder einiges. Warum muss die Meinung der Raucher richtig oder falsch sein oder umgekehrt? Warum können nicht beide Lager ein wenig richtig liegen und man legt die Frage des Rauchverbots zum Beispiel in die Hände der Gastwirte und unterlegt es Notfalls mit einer Quote, als maximale staatliche Einmischung.

Die Gesundheit der Bürger
Nun argumentiert man von Seiten der Regierung immer gerne damit, dass man eine Pflicht hat die Gesundheit der Bürger zu schützen und sich deshalb gesetzgeberisch zum Beispiel in solche Themen, wie Nichtraucherschutz so massiv einmischt. Dies ist natürlich schon sehr erstaunlich, denn wenn es um andere wesentlich größere Gefahren geht, wie zum Beispiel der drohende Kollaps im Gesundheitswesen, der sich aktuell schon in einer immer größer werdenden Zweiklassenmedizin zeigt, hält sich der Aktionsradius des Bundesgesundheitsministeriums unter Minister Philipp Rösler (FDP) doch in einem sehr überschaubaren Rahmen. Nimmt man Gammelfleisch oder andere große Verseuchungen von Lebensmitteln, sieht es beim Bundesverbraucherschutzministerium unter Ilse Aigner (CSU) auch nicht besser aus. So wirkt der Aktionismus im Kontext von Rauchverboten natürlich schon ein wenig, wie die pure Heuchelei.

In Bayern, dass muss man natürlich anmerken, kam dieses strenge Rauchverbot nun auf Grund eines Volksentscheides auf aber auch hier stellt sich die Frage, warum so etwas nur auf gewissen Gebieten möglich ist, denn würde man den Volksentscheid auf anderer Basis auch nutzen, würde in Deutschland einiges anders aussehen. Demokratie, wie sie an dieser Stelle gelebt wird, ist natürlich sehr lobenswert, allerdings ist Ausgewogenheit mindestens genauso wichtig. Man könnte zum Beispiel Volksentscheide im Kontext der Finanzpolitik einführen, allerdings müssten sich dann wohl Menschen, wie Josef Ackermann, Meister der Zahlen bei der Deutschen Bank, noch wärmer anziehen, als es manch bayrischer Gastronom in diesen Tagen auf Grund des Rauchverbots tun muss. Man sieht hier sehr deutlich, wie sehr dieses System im Ungleichgewicht ist, auch wenn es im Moment einige aus der Fraktion der Nichtraucher freut, sollten die sich überlegen, ob sie von dieser Prozedur auch noch so angetan sind, wenn es einmal einen Volksentscheid gegen ihre Interessen gibt.

Regeln und ihre Ausnahmen
Schaut man sich einmal im Nachtleben hier in Köln, wo die Redaktion ihren Sitz hat, um, stellt man bald fest, dass es scheinbar für jede Regel auch eine passende Ausnahme gibt und dies kann letztendlich auch nicht die Lösung sein. In Bayern sieht man es übrigens scheinbar auch sehr ähnlich, so gibt es schon in diesem Jahr einen Sonderstatus in dieser Sache für das Münchener Oktoberfest. Eine weiter Lösung die viele Menschen immer mehr bevorzugen und dies natürlich gerade auch bei einem so traumhaften Sommer, wie es ihn bislang in Deutschland gibt, ist es den öffentlichen Raum zu nutzen und sein Bierchen mit Zigarette in Parks oder an Seeufern oder ähnlichen Locations zu genießen, dies hat dann auch gleich noch den Vorteil, dass es preiswerter ist. Natürlich schädigt ein solches Verhalten einmal mehr die Binnenkonjunktur aber warum sollte dies die Bürger interessieren, wenn die deutsche Politik sich um diesen Wirtschaftssektor auch so gut wie gar nicht kümmert.

Nichtraucher sollten natürlich die Möglichkeit haben ungestört lecker zu essen und zu trinken, dies ist gar keine Frage aber Raucher sollten genau dieses Recht auch haben und beim leckeren Essen oder beim Feierabendbier auch rauchen dürfen. Den Stand, den man aktuell in Bayern hat, diskriminiert ganz eindeutig die Raucher und dies darf in einem freiheitlichen System, für welches man die Bundesrepublik Deutschland immer wieder verkaufen mag, nicht vorkommen. Bei aller Freude sollten die, die nun rauchfrei auf ihren Sieg anstoßen, berücksichtigen, dass es beim nächsten Mal auch sie treffen könnte und dann darf man sich natürlich nicht beschweren. All dem könnte man aber natürlich vom ersten Moment an aus dem Wege gehen, wenn man eine Regierung hätte, die sich für die Belange aller Bürger gleichermaßen einsetzen würde, da es hier aber scheinbar nur noch um lobbyistisch gesteuerte Politik geht, sind die Bürger halt an solchen Stellen auf sich selbst gestellt und sollten sich genau überlegen was sie daraus machen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Andrea Bondi // 6. Jul 2010 at 11:17

    Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Politik nicht in der Lage – oder gewillt ist, Verantwortung zu übernehmen. Und was ist schließlich einfacher, als die Bevölkerung sich selbst zu überlassen und/oder die Kontrahenten aufeinander zu hetzen…..Dieses konkrete Beispiel hat NICHTS aber auch gar nichts mit Demokratie zu tun! Das ist nur ein Armutszeugnis für die Bayrische Regierung!
    Die Komiker sitzen in München, lachen sich in´s Fäustchen und waschen ihre vollkommen verdreckten Hände in Unschuld! Das ist einfach nur ekelerregend!

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