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Die Wahrheit des Wortes

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RAF, Al Qaida und der Staat

24. November 2009

Zu Wochenbeginn bzw. am Ende der vergangenen lief in der ARD der `Baader Meinhof Komplex` von Bernd Eichinger und Stefan Aust, den man für die TV-Ausstrahlung in zwei Teile geteilt hatte. Moritz Bleibtreu machte in seiner Hauptrolle so etwas wie den `RAF-Hengst` und natürlich erinnerten die Bilder und ihre Aussagekraft an so manch einen Beitrag den man Sonntagsabends noch sehen konnte, als Aust noch Spiegel TV moderierte. Richtig spannend wurde es im Anschluss an Teil 1, als Anne Will sich in ihrer Talkshow mit diesem Thema auseinander setzte. Die interessantesten Gäste in dieser Talkshow, die sich immer wieder an diesen Spielfilm anlehnte und dies zum Teil als würde es sich um eine Dokumentation handeln, waren Michael Buback, Sohn des ehemaligen Generalbundsanwalts Siegfried Buback, der von der Roten Armee Fraktion (RAF) 1977 ermordet wurde, Gerhart Rudolf Baum (FDP), ehemaliger Bundesinnenminister und Peter Jürgen Boock, ein ehemaliger RAF-Terrorist. Allesamt waren sich einig, dass dieser Film nicht mehr als Unterhaltung gewesen sei, wobei die Frage natürlich aufkommt, warum sie dann in dieser, auf diesem Film basierenden Talkshow waren? All dies zeigte aber vor allem eines und zwar, wie es auch in der heutigen Zeit in Deutschland um die Wahrheit bestellt ist.

Die junge Republik
In der angesprochenen Sendung mit Anne Will hieß es auch immer wieder, wie jung damals die Bonner Republik noch war. Würde man die zeitlichen Abläufe nicht besser kennen, würde man denken, man redet hier von einer Zeit kurz nachdem Zweiten Weltkrieg. Wenn man sich dann vor Augen hält, dass man von der Zeit Ende der 1960er bzw. Anfang der 1970er redet, wird einem bald klar, dass hier über ein Zeitfenster von mehr als 20 Jahren gesprochen wird. Wenn man nun mehr als 20 Jahre als kurz einstuft oder es als jung bezeichnet, weiß man schon, wie die aktuellen Fehler im heutigen System erklärt werden, denn die Berliner Republik, die Bundesrepublik Deutschland in ihren heutigen Grenzen, ist noch nicht einmal 20 Jahre alt. In der angesprochenen Sendung ging es unter anderem um die Frage nach der Verknüpfung des Staates, also der Regierung bzw. des Verfassungsschutz und dem Terror. Man fühlte sich teilweise doch sehr massiv an den heutigen Umgang mit dem Thema Terror erinnert. An dieser Stelle kommt natürlich eine Frage auf, wer profitierte und profitiert eigentlich am meisten vom Terror bzw. von der Terrorangst und warum ist es so schwer im Kontext der RAF bis zum heutigen Tage Licht in die Dunkelheit der Vergangenheit zu bringen. Ex-Bundesinnenminister Baum (FDP) räumte ein, dass es wohl eine Verbindung zwischen der RAF-Terroristen Verena Becker und dem Verfassungsschutz gab, wie diese genau aussah und das ist die entscheidende Frage, konnte er nicht sagen. Hier merkt man was für ein stabiler Zirkel des Schweigens scheinbar bis in die Gegenwart besteht.

Michael Buback versucht diesen Zirkel nun seit einigen Jahren aufzubrechen und hat vor allem das Problem sich immer wieder erklären zu müssen, da es ihm vor allem auch um die BRD geht. Gerne spielt man sein Engagement allerdings auf eine persönliche Sachlage herunter. Es scheint allerdings so zu sein, als sei es nicht Bubacks Hauptziel die wahren Mörder seines Vaters zu finden, sondern eben auch die Gesamtkontexte aufzuklären. Genau daran scheint allerdings auch in der Gegenwart kein großes, ernsthaftes Interesse von Seiten der Politik zu bestehen, was natürlich mit solchen Unterhaltungsfilmen, wie der von Bernd Eichinger auf Basis des Buches von Stefan Aust, noch einmal untermauert wird. Denn dieser Film dient, wenn überhaupt, der Unterhaltung der Massen und dies hat nur allzu oft schlichtweg etwas mit Ablenkung zu tun. Es ist interessant zu verfolgen, wie sich der Terror aber auch der Umgang damit seit den Zeiten der RAF verändert hat. Die vielen Toten durch die RAF stellten eine tatsächliche Bedrohungslage dar, während es in der heutigen Zeit scheinbar nur noch um eine abstrakte Gefahrenlage geht. Denn der oft beschworene Terrorismus durch islamistische Terroreinheiten hat bis zum heutigen Tage in Deutschland noch nicht ein Todesopfer gekostet. Allerdings reicht die pure Angst in der Mitte der Gesellschaft offensichtlich schon aus, um zum Beispiel Eingriffe in die Privatsphäre der breiten Bevölkerung mit sehr geringem Widerstand durchzubekommen.

Die Sieger der Terrorangst
So nähern wir uns Stück für Stück den waren Profiteuren des Terrors und der Angst davor. Natürlich haben gerade auch im Bezug auf die aktuelle Bedrohung durch den internationalen Terror auch Bereiche der Wirtschaft massiv profitiert, ohne das scheinbar nachhaltig geprüft wurde, wie dies geschehen konnte, denn durch den Terrorakt 911 verloren die Börsen massiv und es gab genügend Leute, die scheinbar wussten, wann dies geschehen würde und somit, wie durch Zufall, ihr Portfolio pünktlich an dieses undenkbare Szenario angepasst hatten, was ihnen unbeschreibliche Gewinne bescherte. Die wahren Sieger sind allerdings wohl noch eher in der scheinbar vorgeschalteten Politik zu suchen, denn hier werden scheinbar Türen und Tore geöffnet. Die heutige Form des Terrors wendet in Deutschland fast nur Psychologie an und wenn man sich betrachtet, was hier tatsächlich passiert ist und was alles an Warnungen durch die Medien verbreitet wurde, muss man entweder festhalten, was für ein wahnsinniges Glück Deutschland bislang hatte oder aber es gibt ganz andere Gründe dafür, dass es nur um Bedrohung geht. Auf Basis dieser abstrakten Bedrohungslage durch das Terrornetzwerk Al Qaida oder ihr vermeintlich nahestehenden Organisationen, die oftmals mit doch sehr fragwürdigen Fakten untermauert wurde, versuchte der Bundesinnenminister der Großen Koalition Wolfgang Schäuble (CDU), der nun übrigens Bundesfinanzminister ist, scheinbar in Deutschland einen Überwachungsstaat aufzubauen. Auch ein schöner Ansatz, um darüber nachzudenken, wer hier in welchem Kontext der Sieger ist.

Plötzlich scheint es so, als würde der Staat selber gegen die Freiheit agieren und dies eben immer unter einem Tarnmantel den man Terrorbekämpfung nennt, was und in welcher Form hier allerdings bekämpft werden soll, scheint oftmals mehr als fraglich. Die Kofferbomber vom Kölner Hauptbahnhof, die Sauerland-Gruppe alles Sachverhalte die sehr viele Fragen aufwerfen, die wohl niemals beantwortet werden und der große Unterschied zur RAF, dass hier nicht ein Mensch ums Leben kam. An dieser Stelle schließt sich auch wieder der Kreis zu dem zu Beginn angesprochenen Popcorn-Film `Baader Meinhof Komplex`. Vieles war, ist und bleibt in den dunklen Kanälen zwischen Politik und Verfassungsschutz begraben. Man spricht sowohl im Kontext der aktuellen terroristischen Bedrohung, wie auch damals im Kontext zur RAF, immer wieder vom Schutz der Geheimdienste, was auch dazu führt, dass wichtige Akten im Fall Siegfried Buback gesperrt sind. Es kann schon einmal der Verdacht aufkommen, dass eine gewisse Allmacht der Geheimdienst zu sehen ist und genau dies darf es in einer Demokratie nicht geben, schließlich wählt man in Deutschland noch immer den Bundestag und nicht den Bundesnachrichtendienst (BND). Man muss sich an einem Tag wie diesem natürlich auch die Frage stellen, ob die Medien ihrer Aufgabe noch nachkommen, gerade auch wenn sie Filme, wie den `Baader Meinhof Komplex` ausstrahlen. Aber die Rolle der Medien in Deutschland, aber natürlich auch im Rest Europas, ist noch einmal ein Thema für sich, welches übrigens zu letzt auch noch Ulrich Wickert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sehr schön kommentierte.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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