fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

proNachrichten – Fördert die GEZ Rassismus?

25. Juli 2011

Die unglaubliche Attentatsserie, die Ende letzter Woche Norwegen erschütterte, ist die größte Tragödie, die das Land im Norden des Kontinents seitdem 2. Weltkrieg erlebt hat. Aber dieser Freitag am Ende der letzten Woche, der Norwegen noch mehr veränderte, als der Tod von Olof Palme Schweden veränderte, war auch eine Tragödie im Kontext der Medienlandschaft und hier gerade auch im Bezug auf Deutschland. Was sich hier in den ersten Stunden nachdem eine Bombe das Regierungsviertel in Oslo erschütterte und in einem Umkreis von gut einem Kilometer Fassaden beschädigte, abspielte, ist wirklich nicht nachzuvollziehen. Es gab in der norwegischen Hauptstadt sieben Tote und unzählige Verletzte aber es sollte sich schon bald zeigen, dass der zweite Teil dieser Attentatsserie der weitaus schlimmere sein sollte. Während Rettungskräfte, Polizei und auch Medienvertreter noch völlig und ganz auf Oslo fixiert waren, tauchte auf der kleinen Insel Utoya vor den Toren Oslos ein als Polizist verkleideter Mann auf und richtete mit einem Maschinengewehr ein Massaker an, bei dem 86 Personen ums Leben kamen. Es war ein Jugendcamp der sozialdemokratischen Partei von Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg, wo sich diese grausige Bluttat abspielte. Gerade für die großen privaten Nachrichtensender, stand scheinbar sehr schnell fest, wo man die Täter suchen musste und wo wahrscheinlich die Hintergründe zu finden seien.

Das darf nicht passieren
Immer wieder wurde auf den Einsatz der norwegischen Armee in Libyen hingewiesen aber auch auf das Engagement in Afghanistan. Da passte es auch wunderbar in das Bild, dass bei dem Bombenattentat in Oslo auch ein Regierungsbüro des Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg stark beschädigt wurde. Als dann die ersten Nachrichten von einer Schießerei auf der kleinen Fjordinsel Utoya aufkamen, die an der längsten Stelle gerade einmal 500 Meter lang ist, verfestigte sich das Bild der islamistischen Terroristen, die scheinbar Jagd auf den norwegischen Ministerpräsidenten machten, noch viel mehr, denn auch er wurde hier erwartet, allerdings zu einem ganz anderen Zeitpunkt. Bei aller Hektik, die eine solche Katastrophe logischerweise auch immer für die Medien mit sich bringt, bleibt es unfassbar welche grundlegenden, journalistischen Fehler hier begangen wurden. Schon kurz nachdem Bombenattentat brachte zum Beispiel der Nachrichtensender n-tv immer wieder Interviews mit dem deutsch-norwegischen Journalisten und Theologen Hans-Joachim Schilde, dieser äußerte sich auch massivst in eine Richtung, die man zu mindestens tendenziell, als feindselig gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund einstufen konnte. Für ihn schienen der oder die Täter auch eindeutig festzustehen und im radikal-islamischen Bereich zu suchen zu sein. Es war erschreckend, wie einseitig hier hinsichtlich der Motivation der Tat berichtet wurde und dies nur auf Grund eines Bombenanschlags und einer Schießerei, den mehr Indizien gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Man muss einräumen, dass auch das erste Statement von US-Präsident Barack Obama in der Art des Vortrags einen islamistisch motivierten Anschlag vermuten ließ aber über solche Statements aus dieser Ecke der Welt ist man nun wirklich auch nicht mehr überrascht und leider auch nicht mehr schockiert. Es gab allerdings auch frühzeitig schon Experten, auch bei n-tv, die sich zurückhaltender, gerade auch im Kontext der Motivation hinter dieser Tat zeigten. Sehr zurückhaltend war man bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehsender und hier vor allem auf der ARD, wo man sich gerade auch im Kontext der Tathintergründe sehr zurückhielt. Nach einigen Stunden stand dann auch fest, dass es eine klare Verbindung zwischen den beiden Bluttaten geben sollte und noch etwas später war klar, dass diese Verbindung der Täter Anders B. war, der noch auf der Insel Utoya verhaftet werden konnte. Schritt für Schritt lösten sich so alle über Stunden aufgebauten und verbreiteten Nachrichten zu einem Terroranschlag mit einem islamistischen Hintergrund völlig auf und es gab vom ersten Augenblick an Fakten, die zeigten, dass man mit diesen Vermutungen auf dem falschen Weg war. Denn warum sollten die Attentäter, und hier mutmaßte man auch direkt über deren hervorragende Ausbildung in Pakistan, zweimal dort zuschlagen, wo der Ministerpräsident gerade nicht ist. Außerdem passte die Art der Attentatsausführung auch nicht in das Bild, welches man aus diesem Bereich sonst kennt. Die Bombe hätte noch gepasst aber diese passt bei jedem, wie auch immer gearteten Terroranschlag, die Schießerei auf der Insel passte allerdings gar nicht mehr, all dies fiel aber scheinbar niemand auf bzw. wollte man es scheinbar auch gar nicht sehen.

Die Sache mit dem Migrationshintergrund
Über Nacht veränderten sich die Opferzahlen auf der kleinen Ferieninsel Utoya mehr als dramatisch und gingen sehr schnell vom einstelligen Bereich in Richtung 100. Mittlerweile hatte die norwegische Polizei auch offiziell den Tatverdächtigen präsentiert, die Person, die man auf der Insel verhaftet hatte, war der eben erwähnte 32 Jahre alte Norweger Anders B. Der Tatverdächtige ist groß und blond und an dieser Stelle wird es unfassbar, wie man scheinbar auf der ARD, und damit auf einem durch die sehr umstrittenen GEZ-Gebühren finanzierten Sender, Rassismus schürt. Man sprach davon, dass man bei einem großen, blonden Menschen einen Migrationshintergrund wohl ausschließen könnte. Auch ich bin groß und blond und hätte, wenn ich nun nach Norwegen auswandern würde, sehr wohl einen Migrationshintergrund. Hier wird scheinbar und vor allem unterschwellig verkauft, dass nur Menschen mit dunklen Haaren und dunkler Hautfarbe einen Migrationshintergrund haben können. Dies wirkt dann wieder nach der gewohnten Hetze, wie man sie im Kontext des vermeintlichen Kampfes der Kulturen kennt. Inwiefern eine solche Art des Journalismus eine Art Zwangsabgabe, wie die GEZ-Gebühr es scheinbar auch ist, rechtfertigt, ist doch wohl mehr als nur fragwürdig. Schaute man sich die Bilder von der kleinen Fjordinsel an, die es am nächsten Tag gab, zeigte sich, dass sich in diesem Jugendcamp sehr viele Menschen mit dunklen Haaren und dunkler Hautfarbe aufhielten und damit ist dieses Ziel wohl für Rechte, wesentlich interessanter gewesen, als für Islamisten, wobei man auch an dieser Stelle nicht einfach Religion grundsätzlich an ethnischen Merkmalen festmachen sollte. Nach bisherigen Ermittlungsstand, sieht es nun auch genauso aus und man geht von einem fundamentalistisch, christlich geprägten Attentat aus, was natürlich vor allem die ins Abseits stellt, die hier auf Moslems als Attentäter tippten und damit auch nicht hinterm Berg hielten.

Man sieht, was hier alles übersehen wurde und man spürt, wie gefährlich eine solche Art des völlig voreingenommenen und ganz und gar nicht unabhängigen Journalismus ist. Natürlich darf man nun auch nicht den Fehler machen und übertrieben in der anderen Richtung hetzen aber man spricht nun immerhin von einem christlichen Fundamentalisten und hackte man doch bislang sehr gerne und immer wieder auf den Fundamentalisten aus dem Bereich des Islams herum, bleibt dies im Kontext dieser so schrecklichen und schockierenden Bluttat im Kontext des Christentums aus. Man versucht gar das Christentum nach Möglichkeit rauszuhalten, was natürlich erstaunlich ist, versucht man doch auf der anderen Seite den Islam immer ganz schnell, als das Böse mit an Bord zu holen und auch dies kann man durchaus als rassistisch einstufen. Völlig richtig und dies ist schockierend genug und völlig unabhängig von Religion zu sehen, hat Norwegen nun eben, genau wie Schweden durch das Attentat auf Olof Palme, seine Unschuld verloren und auch wenn man dort nun mit Demokratie auf diesen Akt des Terrors reagieren will, wird Norwegen nie wieder so sein, wie vor dem Tag dieses schrecklichen Anschlags. Was man daraus lernen sollte und dies gilt natürlich vor allem für die Medien und hier sowohl für die privaten, wie auch für die öffentlich-rechtlichen, ist, dass man es sich gerade bei solch tiefgreifenden Nachrichten, wie die über diesen Akt des Terrors, nicht so einfach machen darf. Rassismus ist ein großes Problem und dies in alle Richtungen und das hier, ebenso in alle Richtungen, ganz offensichtlich auch die Religionen eine große Rolle spielen, ist hier auch noch einmal ganz deutlich geworden und dies ist schon schlimm genug, da braucht es nicht noch irgendwelche Hetzereien aus dem Bereich der Medien, wenn man langfristig an einem friedlichen Zusammenleben interessiert ist.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

Schreib was dazu