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Die Wahrheit des Wortes

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Probleme als Lösungsansatz

20. April 2011

Es wird immer schwerer politische Erfolge in Deutschland aufzuzeigen, was natürlich nicht an der Politik liegt, sondern an den Mehrheiten, die mit dem, was die Regierenden beschließen, einfach nicht klar kommen. Gerade erst hat man das Thema E10-Kraftstoff in den Medien schön weit nach hinten geschoben, obwohl es mehr und mehr zu einer Dauerblamage wird, da wartet auch schon der nächste große Flop der Bundesregierung. Es geht um die Neureglung der Hartz-IV-Sätze oder viel mehr, um das damit eingeführte Bildungspaket, welches so oder so schon vielfach kritisiert wurde und nun auch nicht im Ansatz so angenommen wird, wie man es sich angeblich erhofft hatte. Schuld daran sind aber nicht die, die Monate gebraucht haben, um sich auf ein weiteres bürokratisches Monster in Zeiten des Bürokratieabbaus zu einigen, sondern natürlich die Hartz-IV-Empfänger, die, wie immer im Leben, zu wenig Einsatz zeigen. Denn natürlich unterstützt auch die Politik immer wieder gerne dieses Bild von den Menschen am Rande der Gesellschaft, anstatt sich für sie einzusetzen, wie man es von einem Sozialstaat eigentlich erwarten sollte. Wenn der Staat es nicht für seine Aufgabe hält, sich um diesen immer größer werdenden Personenkreis zu kümmern, sollte er es einfach beim Namen nennen und sich nicht mehr als Sozialstaat bezeichnen, dann wären zu mindestens ehrliche Fakten auf dem Tisch.

Stetiger Wachstum
Es gibt in Deutschland stetigen Wachstum, allerdings ist hiermit gar nicht einmal der gemeint, der sich auf die DAX-Werte und die wenigen Profiteure all dessen bezieht, sondern der stetige Anstieg der Armut im Land. Es gibt Menschen in Deutschland, die den Restbestand des Sozialstaates ausnutzen, die kein Interesse daran haben sich um irgendwas zu kümmern, dies zu bezweifeln, wäre grundlegend falsch aber man muss auch festhalten, dass man hier von einer kleinen Minderheit spricht, die man nicht ständig pauschalisieren sollte. Außerdem sollte man auch festhalten, dass immer mehr Menschen mit den heutigen, globalisierten, raubtierkapitalistischen Entwicklungen einfach nicht mehr mithalten können, was sich auch in einem stetigen Anstieg von psychosomatischen Erkrankungen und ähnlichem zeigt. Man sollte davon ausgehen, dass der Staat, dass die Gemeinschaft diesen Gestrandeten in einer Gesellschaft hilft, dies wäre sozial. Sie immer wieder pauschal als faul und arbeitsunwillig zu deklarieren, hat damit reichlich wenig zu tun. Warum setzt sich die Politik nicht dafür ein, dass die wirtschaftliche Entwicklung im Lande allen etwas bringt. Denn Arbeit zu haben ist die eine Sache, davon menschenwürdig leben zu können, leider immer mehr eine ganz andere. Dieses Interesse scheint aber auch nicht die allerhöchste Priorität im politischen Berlin zu haben.

Wenn man diesen Thesen folgt, könnte man zu der Erkenntnis gelangen, dass Probleme, wie sie nun auch massivst mit der Beantragung des Bildungspakets entstehen, durchaus gewollt sind, als eine Art Sanktionierung unter der Hand. Frei nach dem Motto, wenn man es den Menschen nur schwer genug macht, tun sie irgendwann genau das, was man sich als Staat scheinbar von ihnen wünscht, zu billigsten Arbeitskräften werden. So könnte man Probleme durchaus auch schon einmal als so etwas, wie einen Lösungsansatz ansehen. Auch dies hätte natürlich mit einer sozialen Einstellung gar nichts zu tun aber diese muss man in diesem Land so oder so immer mehr suchen. Hilfreich ist hierbei übrigens auch immer wieder die Spaltung der Gesellschaft, natürlich ohne den ausreichenden Hinweis auf die Risiken und Nebenwirkungen, denn wenn man dem Teil der Gesellschaft, der noch einen halbwegs anständig bezahlten Beruf ausübt, auch noch aufzeigt, wie faul und arbeitsscheu der Rest ist, sinkt die Akzeptanz der Hartz-IV-Empfänger immer weiter ab. Die wenigsten Menschen machen sich am Ende des Tages wirkliche Gedanken dazu, dass es auch sie irgendwann einmal erwischen könnte und mit jedem Tag, der sich der eingeschlagene Kurs in Deutschland fortsetzt und weiter etabliert, wächst die Wahrscheinlichkeit.

Die Risiken und Nebenwirkungen
Die Gesellschaft zu spalten, mag dem ein oder anderen, sehr kurzfristig denkenden Menschen sehr gut ins Konzept passen, da es aktuell manche Sachlagen vereinfacht. Es wäre allerdings hilfreich, hier ein wenig über den Tellerrand zu schauen. Denn eine permanente Destabilisierung des Staates wird diesen Stück für Stück von innen her auffressen. Einen Beweis dafür brachte gerade erst die letzte Studie zum Thema Angriffe auf die Polizei, die abermals erschreckend anstieg. Der Frust frisst sich zwar in den meisten Fällen bei den Menschen ein aber es gibt auch immer einen gewissen Anteil, der diesem Frust, zum Beispiel mit hemmungsloser Gewalt, freien Lauf lässt. Steigt nun der Anteil an frustrierten Menschen in einer Gesellschaft massiv an, steigt natürlich auch genau dieses Gewaltpotenzial mit an. Dies ist aber nicht das einzige Problem der gesellschaftlichen Spaltung. All der Frust führt natürlich auch zu einem hohen Maß an Perspektivlosigkeit, der sich dann wiederum in Fakten, wie zum Beispiel rückgängigen Geburtenraten zeigt aber auch in der Abwanderung deutscher Fachkräfte und Akademiker und hiermit beginnt sich eine Schraube zu drehen, die nichts Gutes erwarten lässt und es ist fatal, dass deutsche Politiker dies ganz offensichtlich einfach versuchen zu verdrängen bzw. ignorieren.

Deutschland ist, auch wenn die Machthabenden gepaart mit einem großen Teil der etablierten Massenmedien versuchen es anders darzustellen, auf einem nicht sehr guten Weg und die Probleme werden immer gravierender und ganz und gar nicht weniger. Wenn die Annahme des Bildungspaketes so daneben geht, wie es sich im Moment darstellt, wäre die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gut damit beraten, sich nun einmal wirklich nachhaltige Gedanken zu diesem Thema zu machen und diese sollten weit über eine Fristverlängerung hinausgehen. Denn man muss auch sehen, dass der nächste Einschnitt schon zum Beginn des nächsten Monats ansteht, denn dann gilt die Freizügigkeit für den deutschen Arbeitsmarkt im Bezug auf die östlichen Staaten der Europäischen Union (EU) und dies dürfte auch noch einmal einen weiteren Schock am deutschen Arbeitsmarkt auslösen und auch nicht gerade für eine Erhöhung des Lohnniveaus sorgen. Auch hier wird am Ende wohl noch einmal mehr Armut stehen, ähnlich wie im Kontext der Leiharbeit, welche zum Teil auch so hoch, als Übergangsvariante in den ersten Arbeitsmarkt, gelobte wurde und sich in weiten Teilen nur als weitere Aushöhlungsmaßnahme des Lohnniveaus im Sinne der Arbeitgeber entpuppte. Man sieht Frau von der Leyen (CDU) hat ausreichend zu tun und die Zeit drängt.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Martin // 20. Apr 2011 at 10:00

    danke für den interessanten Artikel Thorsten :-)

    ja, dieses Bildungspaket zeigt wie die heutigen politschen Führer denken …

    Bildung als Paket zum downloaden, vielleicht erfindet ja noch ein Bürokrat eine Weisheitspille, die man nur einnehmen muss und so die Gesetzmäßigkeiten des Lebens aushebeln kann und durch die Gesetze der politischen Führer ersetzt

    nein im Ernst, wie du sagst es sieht nicht sehr gut aus, aber nicht nur die Regierung, es ist auch die große Masse der Menschen die mit ihren völlig falschen Vorstellungen vom Leben bzw. mit ihren vielen Selbstlügen und Illusionen, diesen Irrweg ihrer FÜhrer mitgeht …

    Wie du weist habe ich mir sehr viele Gedanken über eine Zukunft für uns alle gemacht, aber es ist sehr schwer, Menschen zu finden, die sich aktiv dafür einsetzen …

    Falls jemand aktiv werden möchte, hier beschreibe ich einige Möglichkeiten dazu http://www.onlinetechniker.de/?q=node/544

Schreib was dazu