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Die Wahrheit des Wortes

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Preiswert ist oft billig

24. Juli 2009

In den letzten Tagen hört man in den Medien immer wieder, wie schlecht sich Deutschland ernährt. Immer mehr Kinder und Jugendliche überfetten und die Gesellschaft zeigt sich wieder einmal völlig überrascht, dabei dürfte eigentlich niemand wirklich verwundert sein. Immer mehr Menschen haben aufgehört sich gesund zu ernähren und hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Letztendlich ist es die Entwicklung der Gesellschaft an dieser Stelle, die Schuld an dieser Situation hat und jeder hätte die Möglichkeit gehabt sich dieser Entwicklung entgegen zu stellen bzw. zu entziehen aber offensichtlich hielt man es für nicht wichtig genug. Nun ist es an der Zeit sich wieder zurück zu besinnen aber auch andere Entwicklungen die in ähnliche Richtungen tendieren zu verhindern.

Bio-Supermärkte als aktuellster Trend

Viele Menschen ernährten sich früher noch aus den eigenen Gärten bzw. mit wirklich annähernd frischem Obst, Gemüse und Fleisch aus dem kleinen Tante-Emma-Laden um die Ecke. Natürlich hatte dies alles seinen Preis und die Menschen waren erst einmal froh, als mehr und mehr Supermärkte und Discounter aufkamen. Man konnte nun manchen Dinge auch wesentlich preiswerter erwerben, als noch zuvor in den kleineren Tante-Emma-Läden. Die Bedeutung dessen, was man zuvor noch im Garten anbaute, sank in diesem Zug auch mehr und mehr. Eine weitere Schwierigkeit die diese Entwicklung mit sich brachte, war das der Anteil der Waren die in Supermärkten und Discountern gekauft wurden, stetig anstiegt und somit immer mehr dieser kleinen Läden aufgeben mussten und sich Supermärkte und Discounter in Ketten rasant schnell über das Land ausbreiteten. Hierdurch mussten dann natürlich auch die Kunden, die es vielleicht erst gar nicht wollten, in den angesprochenen Ketten einkaufen. Dies ist ein normaler Verdrängungsmechanismus in der Marktwirtschaft mag man meinen, wobei ein kleines Details übersehen wurde. Natürlich konnten auch große Ketten nicht flächendeckend so preiswert produzieren. Das man dieses Detail von Seiten der Lebensmittelwirtschaft in der Markteroberungsphase nicht an die große Glocke hing, ist verständlich, warum die Politik nicht im angemessenen Rahmen reagierte, bleibt hingegen fraglich, schließlich greifen sie im Moment auch in die privatwirtschaftlichen Märkte ein ohne mit der Wimper zu zucken.

Die Folgen des Schweigens aus der Wirtschaft und dem passiven Verhalten der Politik führten unter anderem zu den oben genannten Auswirkungen, die gerade durch die Medien gehen. Die Nahrungsmittel die in den heutigen Tagen angeboten werden, sind oftmals in wesentlich minderer Qualität. Da auch hier der Verbraucherschutz scheinbar in den letzten Jahren und Jahrzehnten  einiges versäumt hat, ist auf diesem Gebiet auch vieles an Trickserei völlig legal. Wir reden hier also nicht von den extremen Auswüchsen, wie den Gammelfleischskandalen oder ähnlichem. Wir reden hier zum Beispiel von Fakten wie Restfleischveredlung, wo man aus minderen Fleischresten durch Biochemie wieder ganz neue kompakte Fleischstücke produzieren kann. Es wird gespart, wo es nur geht und immer mehr Hersteller geben auch offen zu, dass es eine Preisfrage ist und die Kunden den Preis, den es bei angemessenen Zutaten kosten würde, kaum zahlen würden und auch meist nicht könnten. Es ist halt ein Fakt, dass man hohe Qualität nicht zu absoluten Dumpingpreisen verkaufen kann. Was aber natürlich problemlos geht ist Billiges preiswert herzustellen. Der neuste Trend ist nun übrigens ein ähnlicher wie damals, denn nachdem als eine Art kleine Gegenbewegung Bio immer mehr im Trend lag, schießen nun Bio-Supermärkte, wie Pilze aus dem Boden und auch hier gibt es vieles preiswerter. Spätestens an dieser Stelle sollten die Alarmglocken bei jedem erklingen.

Wie bei Oma

Ein weiterer Fakt, der diese Entwicklung aber auch noch forcierte ist, dass Menschen immer mehr verlernt haben selber zu kochen und es ist nicht gemeint etwas aus der Tiefkühltruhe in den Herd zu transferieren und zu erhitzen. Immer weniger Menschen können in dem Sinne, wie es noch vor einigen Jahren oder Jahrzehnten der Fall war, kochen. Die Bedeutung des Essens hat in der Gesellschaft abgenommen und natürlich sind auch die Entwicklungen des immer schneller Werdens, der Rastlosigkeit weitere Fakten die hier mit reinspielen. Überstunden machen, dann nur kurze Zeit zum umziehen, um wieder auf die Rolle zu gehen, also zwischendurch noch schnell eine Pizza in den Ofen. Dies ist vielfach der Alltag in der heutigen Zeit, natürlich übertragen sich diese Verhaltensmuster dann auch auf die Kinder und Jugendlichen und dies führt dann natürlich zu Überfettung und ähnlichen Erscheinungen, die sich immer mehr ausweiten. Ein weiterer recht aktueller Fakt ist die immer größer werdende Armut, die natürlich dazu führt, dass sich viele Menschen einen Garten, Bio oder gar Lebensmittelspezialisten gar nicht mehr leisten können, sondern auf billige Lebensmittel angewiesen sind. Wo eine solche Entwicklung hinführt, kann man sich in der heutigen Zeit schon in den USA ansehen, wo ein ganzen Land verfettet und auch dies wird wohl, wie so vieles aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, bei uns ankommen, wenn jetzt nicht massiv eingegriffen wird.

Eine weitere negative Entwicklung in diesem Kontext ist aber auch, dass die Eingriffe in die Umwelt immer massiver werden. So kann man in sehr vielen Fällen aus Samen, die man aus Obst und Gemüse, welches man im Supermarkt oder Discountern gekauft hat, nicht mehr nachzüchten, da die Pflanzen schon so sehr von der Lebensmittelindustrie verändert wurden, dass eine eigene Nachzucht unmöglich ist. An einem solchen Beispiel sieht man sehr schön, wie weit die Entwicklung auch in diesem Gebiet schon fortgeschritten ist. Wenn man sich nun noch überlegt, dass wir hier noch nicht einmal über die Welthungerproblematik reden, sondern nur über ein verhältnismäßig kleines Problem der Industrienationen, sollte einem eigentlich das Essen im Halse stecken bleiben. Die Märkte sind zu einem gewissen Teil aufgeteilt und es wird schwer den verlorengegangen Grund zurück zu gewinnen und man muss vor allem auch darauf achten, dass sich der Weg in die Zukunft nicht noch negativer entwickelt, denn natürlich schreitet auch hier die Technik immer weiter fort und dies leider ganz offensichtlich nicht im Sinne der Gesellschaft und ihrer Gesundheit. So schön es ist, dass die Medien dieses Thema mittlerweile häufiger aufgreifen, dürfte man auch hier mehr verlangen und die Kochshows, die im Moment die Programm überfluten, sind oft so realitätsfern, dass man sie nicht wirklich als zielführend bei der Lösung dieser Probleme anführen könnte. Wer hier noch sehr große Dienste leisten kann, sind die älteren Menschen in unserer Gesellschaft, denn nicht umsonst spricht man bei einem besonders leckeren Essen davon, dass es schmeckt, wie bei Oma und dieses Potenzial sollte man auch nicht unterschätzen und dies gilt übrigens nicht nur für den Bereich der Ernährung.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

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