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Die Wahrheit des Wortes

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Porsche und Macht bleiben in der Familie

23. Juli 2009

Und wieder einer dieser plötzlichen Überraschungen am so düsteren Wirtschaftshimmel. Eigentlich hatten alle erst in der zweiten Tageshälfte des heutigen Tages mit dem großen Wurf im Übernahmekampf zwischen VW und Porsche gerechnet aber dann ging es am gestrigen Abend scheinbar alles ganz schnell. Porsche zog seine Aufsichtsratssitzung vor und gegen 7 Uhr stand fest, dass Wendelin Wiedeking mit sofortiger Wirkung geht und durch den bisherigen Produktionsvorstand und Ziehsohn Michael Macht ersetzt wird. Damit dürfte nun der Weg für VW komplett frei sein und man muss davon ausgehen, dass die dortige, vor einigen Stunden begonnene Aufsichtsratssitzung, zur Übernahme von Porsche führen wird. Damit zeigt sich auch immer mehr ein gewisses System, welches klar zeigt, dass die Bündnisse zwischen Wirtschaft und Politik immer enger werden. Letztendlich hat sich so nämlich auch das Land Niedersachsen und damit auch Christian Wulff (CDU) durchgesetzt. Am Ende des Tages scheint dann alles in einer Familie zu bleiben, die dann den Doppelnamen Wirtschaft-Politik trägt. Bei VW und Porsche ist es da etwas einfacher, es war vorher der Familienname Porsche und dieser wird auch weiterhin dominieren, nur mit ein bisschen mehr Macht.

Opelaner müssen bis nach den Wahlen um ihre Jobs bangen

Es gibt viele Punkte die man gerne als Zufälle oder Einzelfälle verbuchen möchte, nur die Indizien sind schon sehr erdrückend. Fangen wir mit dem Beispiel Opel an. Hier wurde schon vor Wochen in den etablierten Medien massiv darüber berichtet, dass Opel aus dem maroden Mutterkonzern General Motors (GM) herausgelöst worden sei. Außerdem schien genau diesen Medienvertretern zu Folge festzustehen, dass der aus Österreich stammende Automobilzulieferer Magna das deutsche Automobilunternehmen retten würde. Es schien alles noch einmal gut zu gehen für die Mitarbeiter des angeschlagenen Automobilbauers aus Rüsselsheim. Dann wurde plötzlich von der gleichen Seite der Massenmedien völlig überrascht die Wende verkündet. Es gab plötzlich insgesamt drei Bieter und nichts sei entschieden, außerdem würde wohl die Hauptentscheidung beim Mutterkonzern GM liegen und sogar die Insolvenz war wieder eine Option. Eine wirklich erstaunliche Wendung der Situation. Aber es sollte noch besser werden. Hieß es zu Beginn dieser Woche noch, dass bis zum Ende dieser Woche, aller spätestens nächste Woche, Fakten in diesem Fall geschaffen seien, sprechen neuste Gerüchte und es fällt einem immer schwerer noch von Nachrichten zu sprechen, davon dass es wohl alles erst im November unter Dach und Fach sei. Hier kann man nun natürlich wieder über die oben angesprochene Verbindung zwischen Wirtschaft und Politik philosophieren.

Natürlich würde man wohl allen Parteien einen riesigen Gefallen erweisen, wenn in diesem Milliardenpoker die Karten erst im Spätherbst auf dem Tisch liegen würden, denn dies würde verhindern, dass man vor den Bundestagswahlen im September diesen Jahres wirkliche Fakten hat. Fakten vor großen Wahlen würden Politikern letztendlich die Möglichkeit für Wahlversprechen nehmen und damit würde Potenzial und Boden verloren gehen. Fällt die tatsächliche Entscheidung natürlich erst nach den Wahlen, können Politiker vorher noch das Blaue vom Himmel versprechen. Folgt man nun dieser These, werden Deutschlands Probleme noch größer, denn Opel ist nur ein massives Problem der Wirtschaft. Diese ist aber offensichtlich nicht in der Lage ohne die Politik zu Lösungen zu gelangen. Hier sei nur Ordnungshalber erwähnt, dass sich diese Hilfe bei der Lösung diverser Probleme, meistens nur auf finanzielle Unterstützung bezieht, alles andere lehnt man schon aus Prinzip ab. Geht nun natürlich diese Lähmung der letzten Wochen noch über Monate weiter, ist noch größerer Schaden anzunehmen. Auch hier wäre die Politik, wie aber auch die Medien gefordert mehr zu tun, um die Gesellschaft vor diesen Fehlern, die noch immer im großen Umfang geschehen, zu schützen. Natürlich ist auch hier nicht mit einer Trendwende zu rechnen. Denn es scheinen vielfach noch immer die Gründe für ein Umdenken zu fehlen, was natürlich in den Tiefen der Weltwirtschaftskrise umso erschreckender ist.

Medialer Abfindungspoker um Wiedeking

Kehren wir in diesem sehr der deutschen Technik verbundenen Artikel aber noch einmal zurück zum großen Sportwagenhersteller aus Süddeutschland. Denn auch hier hat sich, wie bereits zu Beginn erwähnt, vieles bewegt. So hatte sich in den letzten Stunden die vermeintliche Abfindung für den Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking im Gegensatz zu ersten Meldungen, um das Zweieinhalbfache nach oben geschraubt. Wohl gemerkt standen diesen 250 Millionen Euro, vermeintliche 10 bis 12 Milliarden Euro Schulden entgegen. Wollte man hier einmal vorsichtig in der Gesellschaft testen, wie viel zumutbar ist? Dann hätte dieser Test wohl zu einem Ergebnis geführt, denn ganz aktuell spricht man `nur` noch von 50 Millionen Euro, von denen die Hälfte an eine soziale Stiftung gehen soll. Egal wie, es wirft keinen seriösen Schatten auf die etablierten Medien, dass man so etwas scheinbar mitträgt. Denn diese sollte viel eher darüber berichten, wie es passieren konnte, dass der Mann den sie so lange, sogar noch in der Krise, als einen der Elitemanager dieses Landes hochgehalten haben, sich scheinbar so verzocken konnte. Man muss annehmen, dass damals wohl nicht allzu ordentlich gearbeitet wurde, denn 10 bis 12 Milliarden Euro verschwinden nicht einfach so. Man hat manchmal tatsächlich das Gefühl, dass sich die Mächtigen der Familie Porsche und ihr nächstes Umfeld, schon über all dies amüsieren, denn all dies lenkt natürlich auch wieder hervorragend von den Problemen ab, die die Massen bewegen könnten. Denn abgesehen von der Höhe der Abfindung, die mit Sicherheit die gut 3 Millionen Euro im Skandal um den HSH Nordbank-Chef Prof. Dr. Dirk Jens Nonnenmacher in den Schatten stellen werden, bleiben gravierende Fragen offen. Das diese nun kurzfristig vom Wiedeking-Nachfolger Michael Macht beantwortet werden, ist eher unwahrscheinlich.

Was würde eine solche Fusion eigentlich für die Arbeitsplätze bedeuten? Eine Fusion, gerade auch in einer solchen Größenordnung, ist ohne massiven Stellenabbau kaum vorstellbar. Wie weit reicht der Einfluss des Emirats Katar, welches sich nun angeblich auch an der Kapitalerhöhung um 5 Milliarden Euro, die in der Nacht beschlossen wurde, beteiligt? Nur am Rande sei erwähnt, dass sich die Börse bzw. natürlich, um es ganz korrekt zu formulieren, die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen immer über Entlassung und Kapitalerhöhungen freuen, denn dies bedeutet weniger Kosten und sinkende Schulden. Dies bedeutet natürlich in der Regel mehr Gewinn. Da lachen die Herzen der Meister des Turbokapitalismus. Das diese Hochs an den Börsen unter anderem auf steigenden Arbeitslosenzahlen basieren, die am Ende des Tages zu noch mehr Staatsverschuldung führen, die dann wieder alle Bürger, sowohl die mit Job, ebenso aber auch die Arbeitslosen schultern müssen, wird in den Medien auch nicht gerade an die große Glocke gehangen. Selbiges gilt auch für den Bereich, dass all die Fusionen in den verschiedensten Wirtschaftszweigen zu immer weniger Wettbewerb führt, was die Situation der Verbraucher in Deutschland noch einmal verschlechtert. Womit man schon an dieser Stelle resümieren kann, dass ganz offensichtlich Ethik und Moral weder in der Wirtschaft, noch in der Politik aber eben auch nicht bei den etablierten Medien eine erwähnenswert große Bedeutung hat. Im Umkehrschluss erwartet man allerdings genau diese Fakten von der Gesellschaft und hält es dieser immer wieder vor, wenn Einzelne sich nicht an die ethischen oder moralischen Vorstellungen derer halten, die jeden Tag erneut beweisen, dass es ihnen in eigener Sache völlig egal ist. Dies verdient einmal mehr den Begriff: Absurdistan!

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich · Politik · Technik · Wirtschaft

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