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Die Wahrheit des Wortes

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Polen und das Katastrophenjahr

28. September 2010

Es ist unvorstellbar, was die Polen in diesem Jahr durchmachen müssen. Erst im Frühjahr diesen Jahres verstarb ein Großteil der politischen und geistigen Führung des Landes bei einer Flugszeugkatastrophe im russischen Smolensk. Dann vor einigen Wochen die große Flutkatastrophe, die großes Leid und Zerstörung über weite Teile des Landes brachte und nun an diesem Wochenende auch noch das schwerste Busunglück, welches es in Deutschland in diesem Jahr bislang gab. In der Nähe von Berlin starben 13 Polen nachdem ihr Bus von einer 37 Jahre alten Frau, aus bisher ungeklärter Ursache, gerammt wurde und an einem Brückenpfeiler zerschellte. Abermals muss in Polen getrauert werden und wieder waren es Staatsbedienstete und ihre Angehörigen, denn bei den Opfern handelte es sich um Mitarbeiter des polnischen Forstamtes in Zlocieniec (Falkenburg) und ihre Familien. Jetzt muss natürlich erst einmal geklärt werden, wie es zu diesem Unglück kommen konnte, Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Die Katastrophe von Katyn
Es ist fast genau ein halbes Jahr her, als am 10. April im russischen Smolensk die Präsidentenmaschine vom Typ Tupolew TU-154 abstürzte. An Bord war ein Großteil der geistigen und politischen Führung des Landes, allen voran der polnische Präsident Lech Kaczynski und seine Ehefrau Maria. Keiner der Insassen dieses Fluges überlebte diese schlimme Katastrophe. Es begann eine lange Zeit der Trauer in Europa aber natürlich vor allem in Polen. Das Land war ebenso vereint, wie teilweise auch gespalten, was den Umgang mit dem Gedenken an die Opfer dieser Katastrophe anging. Die weltweite Anteilnahme war außerordentlich groß. Das schicksalhafte an dieser Katastrophe war, dass die Delegation auf dem Weg zur Gedenkfeier von Katyn war, wo schon einmal ein großer Teil der Elite Polens umkam. 70 Jahre zuvor hatte der russische Geheimdienst NKDW in einem Waldstück, nahe der Unglücksstelle, tausende Polen töten lassen und nun zum Jahrestag dieses schrecklichen Verbrechen, dies Katastrophe.

Dieser Sommer war von massiven Wetterschwankungen betroffen, dies bekam man auch in Polen zu spüren, wo mehrere Flutwellen ganz Landstriche verwüsteten und so Leid über das Land brachten. Es war die Geschwindigkeit aber auch die unvorstellbare Masse an Wasser die in kürzester Zeit ganze Dörfer verschlungen hatte. Auch um diese Katastrophe musste sich der polnische Premierminister Donald Tusk bemühen und trauriger Weise scheint genau so etwas in diesem Jahr zu einer seiner Hauptaufgaben zu werden. Denn am Wochenende traf er auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Schönefeld ein, wo er sich unter an anderem mit Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und dem brandenburgischen Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) traf und sich ein Bild von der Lage machte. Auch hier steht natürlich die Trauer und das Mitgefühl für die Opfer und ihre Angehörigen im Vordergrund und man begann auch direkt damit die unverletzten Insassen des Busses, die allesamt auf der Rückkehr einer Spanienreise waren, mit Ersatzbussen zurück in ihre Heimat nach Polen zu bringen.

Viele Fragen
Wie es so kurz nach einem solchen Unglück ist, gibt es auch im aktuellen Fall erst einmal mehr Fragen als Antworten. Eine 37 Jahre alte Frau, die mit ihrem weinroten Auto mit Berliner Kennzeichen unterwegs war, wollte am Schönefelder Kreuz von der A113 auf die A10 auffahren, verlor dabei die Kontrolle über ihr Fahrzeug und prallte gegen den in diesem Moment vorbeifahrenden Reisebus aus Polen, dieser prallte in Folge dessen gegen einen Brückenpfeiler. Durch den massiven Aufprall verstarben 13 Personen und fast 40 wurden zum Teil schwer verletzt. Es waren gut 250 Notfallhelfer im Einsatz, sowie natürlich auch Notfallseelsorger. Am Unglücksort bot sich ein Bild des Schreckens, denn es war ein großes Trümmerfeld, wo man neben Fahrzeugteilen, Koffern und Schuhen auch immer wieder Leichen fand. Eine der drängendsten Fragen ist nun natürlich die Frage, wie es zu diesem Unglück kommen konnte. Erlaubt ist an diesem Autobahnabschnitt eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde.

Zur Zeit wird ermittelt, aus welchem Grund die Frau die Kontrolle über ihren PKW verlor und somit das schwerste Busunglück auf deutschen Strassen, welches es bislang in diesem Jahr gab, auslöste. Die Spekulationsbreite ist , wie so oft in solchen Fällen, sehr breit und reicht von Übermüdung bis Unaufmerksamkeit. Von polnischer Seite ist im Moment nur zu hören, dass der Unglücksbus in einem guten Zustand war und von einem sehr zuverlässigen Fahrer gelenkt wurde. Der Chef des polnischen Transportunternehmens POL-BUS, Tomasz Sochacki, zeigte sich schockiert und bekam auch von der polnischen Straßeninspektion den Rücken gestärkt, denn ein Vertreter dieser bestätigte auch noch einmal den guten Ruf dieses aus Suchan in Westpommern stammenden Unternehmens. Die Fahrzeuge des Unternehmens sind seit 2005 28 Mal kontrolliert worden. Kein einziger Bus habe aus dem Verkehr gezogen werden müssen, sagte der Sprecher der Behörde. Man darf also davon ausgehen, dass es hierbei nicht um technische Probleme des Unglücksbus ging. Bis dies alles letztendlich geklärt ist, gilt es trauriger Weise wieder den Opfern zu gedenken.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Technik

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