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Die Wahrheit des Wortes

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Pinas Erbe

14. Februar 2011

Gestern hatte auf der 61. Berlinale in Berlin der Film `Pina` für Pina Bausch von Wim Wenders Weltpremiere. Es ist eine dokumentarische Arbeit über eine ganz große Tänzerin, über ein Stück großartige Kultur aus Deutschland, aus dem Bergischen Land. Es gab eine Zeit da stand dieser Film auf der Kippe, da Pina Bausch leider zwei Tage vor Beginn der Probedreharbeiten am 30. Juni 2009 in Wuppertal verstarb. Die am 27. Juli 1940 geborene Philippina Bausch war aber noch viel mehr als nur eine großartige Tänzerin, sie war Choreografin, Tanzpädagogin und nicht zuletzt Ballettdirektorin des nach ihr benannten Wuppertaler Tanztheaters. Auch dies zeigt, warum dieser Film so wichtig ist und man sagen muss, dass es eine sehr gut Entscheidung, des oftmals umstrittenen Filmemachers Wim Wenders war, diesen Film trotz dieses Schicksalsschlag zu realisieren. Nun muss man leider einräumen, dass aber auch dieser Film von ihm wieder ein gewisses Potenzial an Diskussionsstoff beinhaltet, was vor allem an der verwendeten 3D-Technik im Kontext der Finanzlage im Bereich der Kultur in Deutschland liegt. All dies sollte aber den Inhalt und die Bilder dieses grandiosen Stücks deutscher Kultur nicht überschatten, auch wenn es angesprochen werden muss.

Tanzt, tanzt sonst sind wir verloren
Dieser emotionale Untertitel des Films von Wim Wenders, der ab dem 24. Februar 2011 in den deutschen Kinos zu sehen sein wird und am Wochenende in Berlin Weltpremiere hatte, sagt auch ein Stück darüber aus, wie es um die Finanzen im Bereich der Kultur in weiten Teilen des ehemaligen Landes der Dichter und Denker ausschaut. Ganz konkret betrachtet hat auch das nach der Protagonistin des Films benannte Tanztheater in Wuppertal massive Problem damit, dass immer weniger Geld für Kultur da ist und hier sprechen wir von einem sehr renommierten Haus, welches weit über die Grenzen der Stadt mit der Schwebebahn hinaus bekannt ist. Während lustig und munter unvorstellbare Summen an Banken, die Europäische Union (EU) und ähnliches verschoben werden und man scheinbar damit fast täglich das Ende der Krise feiert, ist die finanzielle Krise in der Kultur noch lange nicht am Ende. Wenn man die Kultur eines Landes finanziell so austrocknen lässt, wie man es hier schon seit Jahren tut, muss man sich natürlich Fragen, ob es nicht eine riesige geistige Krise in Deutschland gibt. Hier wird Kulturgut für die Wirtschaft, schlimmer noch für die Profitgier einiger Weniger, geopfert und dies ist nicht im Sinne einer funktionierenden Gesellschaft.

Hier kommt natürlich auch die Frage auf, ob man das hier behandelte Thema hätte wirklich in 3D umsetzen müssen? Natürlich geht es in diesem wunderbaren Film um Tanz, um Körper, um Dynamik, also ein Stoff, der sich für dieses Technologie natürlich anbietet. Es ist natürlich auch sehr innovativ, dass man mit diesem Film 3D im Bereich der Dokumentation diese Technik etablieren will. Man muss es aber auch so sehen, dass es ein Zeichen unserer Zeit ist, über immer neue bzw. mehr Technik krampfhaft zu versuchen Märkte anzuschieben. Man hat in der Geschichte des Films immer wieder versucht die 3D-Technologie anzuschieben und ist mit diesem Vorhaben immer wieder kläglich gescheitert. Nun versuchen es die Filmgiganten erneut und man wird sehen, ob sie es diesmal schaffen. Aber muss es immer etwas Neues sein? Denn auch genau diese Konsumdiktatur hat zum Kollaps der Märkte im allgemeinen geführt und hat damit natürlich auch eine gewisse Mitschuld daran, dass die Kultur in Deutschland so am Boden liegt. Somit muss man Wim Wenders natürlich fragen, ob es eine so gute Idee war, diesen Film, in dieser Technologie abzudrehen, die eben auch so negativ behaftet ist. Es geht hierbei nicht darum, dass man den Fortschritt nicht aufhalten kann, was man auch gar nicht unbedingt sollte, man muss sich nur fragen, welchem Zwecke der jeweilige Fortschritt dient und dieser scheint vor allem wieder der Profitgier, der oft zitierten kleinen, vermeintlichen Elite zu dienen.

Kein Geld für Kultur
Theater aber auch Galerien und viele anderen Institutionen, die eine stabile Gesellschaft so dringend benötigt, werden geschlossen. Die Kulturetats der Städte sinken stetig und auch die Wirtschaft zieht sich in der kulturellen Verantwortung oftmals mit der Aussage leerer Kassen aus der Affäre. Wenn man sich überlegt, wie viele, gerade auch kleine, Inseln des kulturellen Lebens in Deutschland hätten geredet werden können, wenn die Wirtschaft aufhören würde sich ständig mit Champagner und Kaviar selbst zu feiern, ging es dem Land schon etwas besser. Stattdessen scheint man auch im Bereich der Kultur nur noch über Rentabilitäten nachzudenken und genau dies ist natürlich ein völlig falscher Ansatz. Kultur hat natürlich auch immer etwas mit Bildung zu tun aber auch für diesen Bereich hat man in Deutschland kaum noch finanzielle Mittel und wird auch hier das Ausmaß des Sparwahns in diesem Bereich erst begreifen, wenn es zu spät ist. Wenn man diesen Kurs in der Politik und der Wirtschaft in Deutschland nicht bald verändert, wird dieses Land nicht nur finanziell weiter verarmen, sondern vor allem auch geistig und dies wäre eine Schande für ein Land, welches schon so viel zu bieten hatte, eben gerade auch im Bereich der Kultur. Genau an dieser Stelle zeigt sich natürlich auch wieder, dass Pina als Person, wie auch als Film sehr wichtig für Deutschland ist, denn es zeigt was man zu bieten hat und wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Man meint oftmals, dass vieles im Bereich der Kultur nur einem kleinen Kreis zugänglich ist und schiebt dies gerne darauf, dass man so tut, als wäre es wahnsinnig elitär, dabei ist das Hauptproblem, dass oftmals auch das Geld fehlt, viele Veranstaltungen und Veranstaltungsorte so zu präsentieren, dass es die breite Masse der Bevölkerung mitbekommt. Somit geht natürlich sehr viel an Kultur verloren und deshalb ist es auch schön, dass durch Wim Wenders Film natürlich auch wieder mehr Interesse auf diesen so wichtigen Teil des Lebens gelenkt wird und mehr Menschen verstehen werden, wie wichtig er ist. Natürlich ist all dies auch der Schieflage im Land geschuldet und man spielt auch gerne verschiedene Bereiche gegeneinander aus, um so vom falschen Verhältnis der Verteilung des Kapitals in Deutschland abzulenken. Deutschland hat nicht wirklich das Problem mangelnden Kapitals, sondern das Problem einer völlig falschen und ungerechten Aufteilung von Kapital. Die Frage muss also nicht heißen, ob in einer Stadt ein Schwimmbad oder ein Theater geschlossen wird, womit der eben genannte Konflikt natürlich entsteht bzw. angeheizt wird, sondern warum eigentlich alles so einfach im Bereich der Wirtschaft verschwinden kann. Am Ende des Tages bleibt wohl nur zu hoffen, dass möglichst viele Kulturschaffende auch weiterhin immer weitermachen, denn sonst sind wir verloren.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Technik · Wirtschaft

Bis jetzt 3 Kommentare ↓

  • 1 Art for Europe » Vier Jahrzehnte - Städte? Stationen! Portraits. // 15. Feb 2011 at 09:40

    [...] wurde allerdings auch aus dieser Gegend ausgesendet und zwar haben mich die Bilder aus dem Film `Pina` für die großartige Tänzerin Pina Bausch von Wim Wenders so beeindruckt, dass sie [...]

  • 2 Art for Europe » Brücken und Berge // 21. Feb 2011 at 01:26

    [...] Tochter der Stadt, Pina Bausch, wird in diesen Tagen auch geehrt, denn gerade läuft der Film `Pina` von Wim Wenders an und auch hier taucht dieses Bauwerk auf und dies war auch eines der Bilder, die [...]

  • 3 Art for Europe » Der etwas andere Tanz in den Mai // 2. Mai 2011 at 06:06

    [...] war natürlich auch wieder ein Highlight dieses ganz besonderen kulturellen Events in Wuppertal. Auch danach konnte man wieder einmal beim Publikum, wie auch bei allen beteiligten Akteuren eine [...]

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