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Die Wahrheit des Wortes

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Ostwestgeschäfte

25. Februar 2009

Außer das ich als Redakteur für diese journalistische Internetplattform tätig bin, reise ich auch schon seit Jahren für das Projekt Art for Europe durch Europa und dokumentiere Kunst und Kultur. Natürlich nutze ich diese Auslandsaufenthalte auch immer für meine journalistische Tätigkeit der ich hier nachgehe. Gerade komme ich aus der ungarischen Hauptstadt Budapest zurück, eine Stadt die ich zuletzt vor fast 20 Jahren, kurz nachdem Fall des Eisernen Vorhangs, besucht hatte. Natürlich war es außerordentlich spannend zu sehen, wie sich das Land in den letzten gut 20 Jahren entwickelt hat, zum anderen war es aber natürlich auch sehr interessant in dem Land zu sein, welches wohl nach Island der Staatspleite am nächsten ist. Das was man so vor Ort erlebt ist noch ein Mal unendlich weit von dem entfernt, was einem die Massenmedien suggerieren. Genau von dieser Seite, der Seite die man nicht so gerne zeigt, möchte ich in diesem Artikel berichten.

Telekom und Sparkasse

Genau wie es mir schon seiner Zeit in Kroatien auffiel, fand ich auch in Budapest viele Symbole und Schriftzüge, die die Vermutung zu lassen, dass es sich hier um Unternehmen bzw. Tochterunternehmen aus Deutschland oder dem Westen im allgemeinen handelt. Dies gilt gerade auch für die Bereiche Telekommunikation und das Bankenwesen. Man hat das Gefühl als seien landeseigene Betriebe seit dem Fall des Eisernen Vorhangs massiv zurückgedrängt worden. Irritierend ist es da natürlich, wenn nun deutsche Unternehmen jahrelang den Tipp gaben in die ehemaligen Ostblockländer zu investieren, denn letztendlich hat man dann wohl, wenn auch über einen kleinen Umweg, doch wieder zu einem nicht unerheblichen Teil in westliche Werte investiert. Nun ist heute die Angst groß, dass die Weltwirtschaftskrise die östlichen Länder noch massiver trifft, als sie den Westen schon traf. Ein Szenario welches man sich eigentlich gar nicht vorstellen mag und welches mit Sicherheit auch nicht zur Stabilität innerhalb der EU beiträgt. Überraschen dürften einen diese Entwicklungen natürlich nicht, denn sie sind bei den gerade beschriebenen wirtschaftlichen Verflechtungen nur normal.

In Ungarn selbst fiel es mir schwer Menschen mit einem glücklichen und zufriedenen Gesichtausdruck zu finden, die Euphorie der damaligen Tage scheint hier längst verflogen zu sein. Heute ist man in der EU, bezahlt allerdings noch immer in der landesüblichen Währung, dem Forint und dieser leidet an einem massiven Wertverlust. Für die Menschen bedeutet dies, dass sie in einer Falle sitzen, denn die Preise nähern sich doch mehr und mehr der Eurozone an. Dies bedeutet, dass Leben in Ungarn wird nicht gerade einfacher und dies noch ein Mal in einem ganz anderen Verhältnis, als der Zeit in den meisten Teilen der westlichen EU. Im Baltikum hat genau diese negative Entwicklung schon zu Ausschreitungen geführt und auch in Ungarn häufen sich Streiks und Demonstrationen. Nach der großen und viel zitierten Einheit der EU klingt dies alles nicht. Man muss sich die Frage stellen, was es den Menschen bringt Reisefreiheit zu haben, was es ihnen bringt westliche Produkte beziehen zu können, wenn ihnen für all dies die finanzielle Grundlage fehlt. Denn so hat es den Anschein als seien sie wieder sehr weit vom Westen entfernt, wenn auch dies Mal nicht aus politischen Gründen, sondern viel mehr aus wirtschaftlichen Gründen, was für das Gefühl innerhalb einer Gesellschaft letztendlich unerheblich ist.

Alles wird gut

Eine Parole die gerade dieser Tage an den verschiedensten Stellen in Ost, wie West ausgegeben wird. Man muss dies durchaus als einen Tanz auf dem Vulkan einstufen, denn was passiert, wenn sich die aktuelle Lage noch weiter verschlimmert? Vor einigen Tagen hörte man auf verschiedenen Fernsehsendern schon wieder vermeintliche Experten, die von Einstiegspreisen an den Börsen sprachen. Als ob nicht schon genug Kleinanleger genau durch solche Tipps ihr Erspartes verloren hätten. Bei diesen Experten handelt es sich meistens um Personen die zwei Dinge vorzuweisen haben, zum einen natürlich ein Interesse daran Menschen zum investieren anzuregen, denn irgendwo muss man Gelder akquirieren und der Interbankenmarkt ist noch immer massiv gestört und als zweites sollte man nicht vergessen, dass dies genau die Menschen sind, die durch ihre hemmungslose Zockerei die Krise mit verursacht haben. Erschreckend genug, dass diese Menschen in den Medien noch immer eine Plattform bekommen, sollte man hier viel eher politische Impulse gegen setzen, anstatt Endeignungen durch den Staat salonfähig zu machen. Ganz offensichtlich sind allerdings mittlerweile die Verflechtungen zwischen der Wirtschaft und der Politik so eng, dass ein, einer Demokratie würdiges Handeln gar nicht mehr möglich ist.

Zurück nach Ungarn, was mir auch noch auffiel ist, dass sehr viel an Tradition über all die Jahre verloren gegangen ist. Dieses Problem ist natürlich kein Problem, welches man rein auf den Osten beziehen kann, denn auch in den westlichen Teilen der EU müssen Traditionen nur allzu oft einem vom Volk nicht gewollten EU-Einheitsbrei weichen. Ein Verlust an Tradition und damit letztendlich auch an Identität bietet natürlich auch nicht gerade ein solides Fundament für eine gut funktionierende Wirtschaft. Auch unter diesem Aspekt ist es nicht verwunderlich, dass der wirtschaftliche Kollabierungsprozess im Ostteil Europas noch massiver ist, als in den westlichen Teilen. Dies gilt natürlich mit der Ausnahme Islands. Hier zeigt sich allerdings auch noch ein Mal der schöne Effekt, dass in Krisenzeiten nationales Gedankengut natürlich Vorrang vor internationalem Denken hat. So erklärte die neue isländische Regierung gerade, dass die Deutschen, die in Island investiert haben und alles verloren haben, keine Entschädigung bekommen, da dies der eigenen Bevölkerung nicht zu vermitteln sei. Eine Warnung die man gerade auch in Deutschland sehr ernst nehmen sollte. Denn wie das Ende dieser Weltwirtschaftskrise aussehen mag, kann wohl keiner sagen aber die Indikatoren weisen nicht in eine rosige Zukunft, nicht für Deutschland aber vor allem auch nicht für Ungarn.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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