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Die Wahrheit des Wortes

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Opel Optionen Obama

10. September 2009

In wenigen Stunden wird in Berlin zum wiederholten Mal die Zukunft von Opel verkündet und damit ein Zeichen für bzw. gegen weitere Tausende Arbeitsplätze in Deutschland gesetzt. Das sich der Verhandlungsführer von General Motors (GM) John Smith gerade Berlin für seine Pressekonferenz ausgesucht hat, ist bezeichnend, denn es ist nicht nur die politische Hauptstadt Deutschlands, sondern in diesen Tagen auch die Hauptstadt des Verkehrschaos. Manch einer fragt sich schon, wann Berlin wieder Teil der westlichen Zivilisation wird. Die viel größere Frage ist aber natürlich, was wird aus Opel? Man sollte allerdings keine zu großen Hoffnungen in die heutige Pressekonferenz stecken, denn selbst wenn wieder Fakten bekannt gegeben werden, bleibt die Frage, wie lang deren Halbwertzeit diesmal ist. Gerade im Kontext zu Opel, gab es in den letzten Wochen immer wieder so genannte Fakten, die sich allerdings allesamt meistens, als nicht haltbar erwiesen und scheinbar nur dem Zwecke dienten, dass die Belegschaft fleißig, mit immer weiteren Abstrichen produziert.

Binnenkonjunktur? Nein Danke!

In Deutschland pfeift man auf die Binnenkonjunktur und freut sich als Exportweltmeister immer am wirtschaftlichen Tropf fremder Nationen zu hängen. Ähnlich sieht es mit Opel aus, auch hier werden die Interessen der deutschen Wirtschaft nicht mehr im Inland verhandelt, sondern weit weg in den USA. GM entscheidet über Leben oder Tod im Kontext von Opel. Die deutsche Politik darf gerne Wünsche äußern aber mit den Wünschen ist das natürlich so eine Sache, denn schließlich ist das Leben kein Wunschkonzert. Der Verhandlungspartner ist in diesem Fall letztendlich eigentlich die Regierung der USA, denn genau betrachtet ist GM nach der Blitzinsolvenz ein Staatsunternehmen. An dieser Stelle kommt natürlich auch der in Deutschland so groß gefeierte, weltrettende Barack Obama ins Spiel und langsam verstehen wohl immer mehr Menschen, auch hier in Deutschland, dass die Welt die da aus amerikanischer Sicht gerettet werden soll, klar definiert ist und sich auf die eigenen Landesgrenzen bezieht. Die neue US-Regierung möchte sogar bald schon Eintritt für ihr Land nehmen. Richtig, Disneyland kostete schon immer Eintritt aber man darf nicht vergessen, dass wir mittlerweile nicht mehr über die Politik von George W. Bush reden, sondern von der Wechselpolitik eines Brack Obamas.

Aber zurück zu Opel. Man sieht sehr schön, wer in diesem Konflikt, wie aufgestellt ist und man sieht auch ganz eindeutig, dass die Bundesregierung scheinbar nicht allzu gut positioniert ist. Immerhin hat man es bis jetzt geschafft, die Entscheidung bis nachdem Wahltermin zu verschieben und man darf davon ausgehen, dass auch die Optionen des heutigen Tages, egal wie sie ausfallen mögen, ihre volle Wucht erst nach den Bundestagswahlen entfalten werden. Hier geht natürlich auch wieder ein massives Druckpotenzial der Belegschaft von Opel den Bach runter, denn ist die neue Regierung erst einmal gebildet, kann man an dieser Stelle keinen Einfluss mehr als Bürger nehmen. Man sieht sehr schön, dass dieses Kalkül der Großen Koalition schon einmal aufgegangen ist. Die Opelwerke in Bochum und Eisenach könnten bald schon geschlossen werden und im Stammwerk in Rüsselsheim könnte es zu einem massiven Stellenabbau kommen. In Bochum kennt man sich mit Werksschließung schließlich schon bestens aus, in Ostdeutschland fühlt man sich so oder so häufig als der große Verlierer des Turbokapitalismus und in Hessen kann man dann immerhin wohl von einigen geretteten Stellen sprechen. So zynisch es klingen mag, scheint alles in allem auch dies nicht zu einem Schock für die Gesellschaft zu werden.

Das Märchen um betriebsbedingte Kündigungen

Wenn in der heutigen Zeit Stellen abgebaut werden, wie es wohl bald auch bei Opel der Fall sein wird, spricht man gerne davon, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird, was natürlich immer etwas Positives in der Krise darstellt. Was viele Menschen dabei übersehen oder verdrängen ist, dass natürlich der Anteil an betriebsbedingten Kündigungen immer weiter absinkt, dies liegt allerdings nicht daran, dass man in der Wirtschaft nun so etwas wie eine humanitäre Ader entdeckt hat, sondern schlichtweg an der Umstrukturierung des kompletten Arbeitsmarktes in Deutschland. Die Politik in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr von der Sozialen Marktwirtschaft verabschiedet und somit gibt es immer mehr Zeitverträge und Leiharbeiter und in beiden Fällen muss natürlich nicht gekündigt werden, man lässt die Verträge einfach auslaufen. Natürlich muss man sich an dieser Stelle auch immer fragen, was das alles in einem europäischen Kontext zu bedeuten hat, denn schließlich gibt es auch noch die Europäische Union (EU). Die Krise wäre nun eine gute Möglichkeit, dass die EU beweisen könnte, dass sie nicht nur eine Vertretung der globalisierten Wirtschaft ist, sondern den Bürgern auch wirklich hilft. In der Beschneidung der Freiheit von Rauchern ist man hier ganz vorne dabei, auch Glühbirnen kann man ganz einfach vom Markt nehmen. Es ist aber scheinbar nicht möglich sich geeint gegen die USA zu stellen, wenn es um europäische Arbeitsplätze geht. Da wundert sich noch jemand, warum die EU in der Gesellschaft nicht ankommt?

In einigen Stunden stellt sich ein Amerikaner in Berlin vor die Kameras und Mikrofone und wird so über die Medien den Mitarbeitern von Opel einmal mehr Optionen ihrer Zukunft mitteilen. Das es an dieser Stelle um menschliche Schicksale geht, scheint einmal mehr völlig irrelevant zu sein. Es werden Fakten geschaffen, die wahrscheinlich wieder unzählige Familien ins Unglück stürzen werden aber auch das zählt in diesen Tagen nichts. In Berlin kollabiert als Folge des Raubtierkapitalismus der Nahverkehr, denn sparen um jeden Preis war scheinbar viel zu lange die Devise, um bloß gute Zahlen für den `blöden Börsengang`, wie es der Oberberliner Klaus Wowereit (SPD) nannte, zu produzieren. Nun dürfen die Berliner mit dem Chaos klar kommen und man könnte meinen, dass man aus solchen Erfahrungen lernen müsste aber dem ist nicht so, denn der Kurs des Raubtierkapitalismus wird ganz knallhart weitergefahren und dabei überfährt man dann auch schon einmal Unternehmen wie Opel. Welche Folgen all dies für Deutschland hat, steht in diesen Tagen nicht zur Debatte und das obwohl man sich im Superwahljahr befindet und in gut zweieinhalb Wochen Bundestagswahlen anstehen. Es ist der Termin an dem das Volk den Politikern zeigen kann, was sie von ihnen halten. Nun hat aber gerade auch dieser Wahlkampf gezeigt, dass sich von der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bis zum Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier (SPD) alle aus der Verantwortung ziehen und scheinbar darauf hoffen mit dieser Taktik am Ende des Monats diese Große Koalition fortsetzen zu können.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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