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Die Wahrheit des Wortes

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Olympische Spiele im Kriegsgebiet?

17. März 2008

Diese Frage klingt natürlich erst ein Mal völlig unvorstellbar. Aber wenn man davon ausgeht, wie viele Menschen und auch hochrangige Politiker und Sportfunktionäre, die Einstaatenpolitik Chinas als normal hinnehmen und man die Worte des Repräsentanten des Dalei Lamas in Europa Kelsang Gyaltsen aufgreift, der vom `Kriegszustand` spricht, müsste sich vieles ändern, um nicht von Olympischen Spielen im Kriegsgebiet reden zu müssen. Die Ausschreitung die in der letzten Woche, zum 49. Jahrestages des tibetischen Aufstandes gegen die chinesische Herrschaft ihren Beginn in Tibet nahmen und einen Schwerpunkt in der Hauptstadt Lhasa hatten, haben sich mittlerweile auch auf Nachbarprovinzen, wie Szechuan ausgebreitet. Gerade für Tibet selbst gilt, dass für die nächsten Tage Böses zu erwarten ist.

Kommerz und Macht an erster Stelle

Laut aktuellen Informationen des ZDF Morgenmagazins, ist von bis zu 80 Toten die Rede. Der Dalei Lama selbst spricht von einem `kulturellen Völkermord` und was macht die Welt? Sie versteckt sich hinter Floskeln und Verklausulierungen. Man konnte nur erschreckt sein, wenn man sich die Statements von Thomas Bach, seines Zeichens Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes und Vizepräsident des IOC, am Wochenende anhörte. Im Namen des IOC ließ er im Interview mit der FAZ vom Sonntag verlauten, ` Wir verfolgen die Entwicklungen und Vorfälle mit großer Aufmerksamkeit und Sorge …und hoffen auf eine Lösung durch friedlichen Dialog. ` Kann das alles sein, in einem Konflikt wo Unschuldige unterdrückt, gefoltert und ermordet werden? Ich erinnere mich noch gut an die Antiapartheid-Bewegung, die letztendlich zur Freiheit von Nelson Mandela geführt hat. Dies war natürlich in einer anderen Zeit, was nicht für die heutige Zeit spricht, wo ein Bono Vox satt, durch unter anderem die Erfolge, die ihm und seiner Band U2 der Kampf gegen die Apartheid in Südafrika gebracht haben, im SPD-Präsidium neben Peter Struck (SPD) sitzt.

Genau dies zeigt aber was heute zählt. Macht und Kommerz. Immer wieder wird darauf verwiesen, dass ein Boykott der Olympischen Spiele völlig kontraproduktiv wäre. Selbst Amnesty International vertritt diese Meinung, was auch einiges über diese Organisation aussagt. Haupttenor aller ist, dass China so im Fokus der Weltöffentlichkeit steht und deshalb die Zeit reif ist Zeichen zu setzen. Man darf gespannt sein. Denn im Vorfeld der Olympischen Spiele scheint dies noch nicht wirklich zu funktionieren. Aus Tibet werden alle Touristen und Journalisten ausgewiesen und man darf vermuten, dass dies geschieht um keine Zeugen für das zu haben, was wohl noch bevorsteht. Somit werden wir ein Mal mehr eine sehr magere Nachrichtenlage mit vielen Gerüchten haben, auf die man nicht wirklich bauen kann, vor allem keine Gründe für einen Boykott. All diese Fakten werfen vor allem eine Frage auf, geht es nicht vielleicht schon wieder um etwas völlig anderes, als um das Leben und die Gesundheit der Menschen in Tibet?

Neue Strategien im Kampf gegen Unrecht

Milliarden an Geldern hängen an diesem Megasportevent und so zynisch es klingen mag, so real ist es auch, denn all diese Milliarden werden scheinbar aufgewogen gegen ein Volk und zwar in diesem Fall aufgewogen mit den Tibetern. Natürlich sind die Medien gegen einen Boykott der Olympischen Spiele, sie würden sich ansonsten selber auch das Geschäft des Jahres zerstören. Natürlich meint Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dass die Lösung des Konfliktes nur im direkten Dialog liegen müsste. Man will doch nicht die Geschäfte von Siemens, Adidas und vielen anderen deutschen Firmen, die dort ihr Geld verdienen, gefährden. Man darf bei allem eines nicht vergessen, China ist einer der Märkte, die wohl die Zukunft bestimmen werden und wer will sich solche Märkte schon wegen ein paar Tibetern, die unterdrückt werden, kaputt machen lassen. Die globale Welt funktioniert nun ein Mal völlig anders, als sie es vor 20 oder mehr Jahren noch tat und das müssten sich auch Gegner solcher Unterdrückung, egal ob aus den Medien, der Politik, der Wirtschaft oder des Sports überlegen und ihre Strategien anpassen. Aber auch nur wenn der Wille zur Veränderung gegeben ist. Scheinbar hapert es aber vielfach genau daran.

Natürlich stehen wir noch einige Zeit vor den Olympischen Spielen aber man darf wohl daran zweifeln, dass große Ausstatter, wie zum Beispiel Nike oder Adidas mit `Freiheit im Sport bedeutet auch Freiheit in Tibet` oder ähnlichem werben werden. Persönlich bezweifle ich auch, dass Sportler, die immer wieder angepriesene Pressefreiheit zu den Olympischen Spielen in Peking, nutzen werden um auf das Unrecht in Tibet hinzuweisen. Denn natürlich stehen auch sie in einer gewissen Abhängigkeit zu ihren Ausstattern und die haben ein großes Interesse daran, nicht nur die Geschäfte im Vorfeld der Spiele, sondern vor allem auch das Geschäft danach voll abzuschöpfen. Da macht sich Kritik am Handelspartner einfach nicht gut. Die Kulturschaffenden, die sich gerade auch im Bereich des vom Dalei Lama angesprochenen `kulturellen Völkermord` engagieren sollten, haben ein ähnliches Problem, denn sowohl im Bereich der bildenden Kunst, wie auch im Sektor der Musik ist China natürlich auch einer der Märkte der Zukunft. Erschwerend kommt gerade auch im Bereich der Musik hinzu, wer sollte etwas bewegen? Die Ikonen der alten Zeit von Bono bis Niedecken scheinen entweder satt oder desillusioniert zu sein und was heute aus der Retorte von Dieter Bohlen gezaubert wird, hat laut meinen Anschein weder das Rückrat, noch die geistige Reife um etwas auf die Beine zu stellen.

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Kategorie: Free Tibet · Gesellschaft · Politik · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 jane // 17. Mrz 2008 at 12:20

    Bloß nicht Übertreiben!!!

    In Deutschland gibt es jetzt auch die Neonazis, die gehen auf die Straße und mit Bezug auf die Plünderung der Stadt durch die Vandalen.

    Kann man dann auch so schreiben:

    “Fußball WM in Naziland?”

  • 2 Olaf // 8. Apr 2008 at 22:30

    Olympische Spiele in Peking: Ja oder Nein?

    Die Diskussion über einen Boykott der olympischen Spiele aufgrund der aktuellen Situation in Tibet wird inzwischen sehr intensiv geführt und die Meinungsmehrheit zwischen Befürwortern und Gegnern wechselt nahezu täglich. Genauer betrachtet, wird die Diskussion jedoch sehr einseitig geführt. Zum einen geht die chinesische Führung nicht erst seit den letzten Protesten in Tibet sehr hart gegen Regimekritiker vor. Eine Diskussion über die Austragung der olympischen Spiele in China hätte also schon bei der Vergabe vor sieben Jahren an Peking geführt werden müssen. Geschehen ist dies jedoch nicht oder nur sehr leise. Zum anderen soll hier auf dem Rücken der Sportler eine Saktionierung Chinas ausgetragen werden. Diese sind jedoch eines der schwächsten Glieder in den internationalen Beziehungen zu China. Was wäre, wenn die olympischen Spiele nicht gerade in diesem Sommer in China stattfinden würden. Welche Argumente würden dann die Debatte zum Thema Tibet bestimmen? Fraglich ist zudem, ob ein Boykott der olympischen Spiele tatsächlich eine Veränderung zu Gunsten der Menscherechte bewirken oder diesem Ansinnen nicht sogar zuwider laufen würden. Die Erfahrung zumindest hat gezeigt (siehe die olympischen Spiele in Moskau), dass ein Fernbleiben von den Spielen wenig nutzt.
    So verwundert es, dass trotz dieser regen öffentlichen Diskussion aktuell niemand darüber nachdenkt, andere Wege des Protestes zu beschreiten. In erster Linie sind hier die wirtschaftlichen Beziehungen zu nennen. Hier sind die Möglichkeiten, die Missbilligung kund zu tun, sehr vielfältig. Sie müssen nur genutzt werden. Es stellt sich die Frage, ob im Fall China das Gewinnstreben zu Lasten der Durchsetzung der Menschenrechte in Tibet und in China insgesamt geht? Der materielle Schaden durch einen Boykott der olympischen Spiele ist jedenfalls deutlich geringer, als der von Wirtschaftssaktionen – für beide Seiten – für China sowie für dessen internationale Handelspartner. Wenn es uns aber so ernst mit den Menschenrechten ist – und das sollte es uns sein – dann können wir nicht nur unsere Spitzensportler dafür zur Verantwortung ziehen, sondern auch die Akteure, welche bisher von den (wirtschaftlichen) Beziehungen zu China profitiert haben. Genau diese haben die moralische Verpflichtung, auf ihre chinesischen Handelspartner sowie auf die chinesiche Regierung einzuwirken. http://www.nachrichtenmagazin.info

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