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Die Wahrheit des Wortes

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Obama, der Welt-Führer. Kommentar zum Wochenende

24. Januar 2009

Auch Österreich hat in den letzten Tagen Anteil an der Angelobung Obama´s zum 44. Präsidenten der USA genommen. Mit Live-Bildern aus dem Weißen Haus und etwas berührten und von Obama´s Persönlichkeit sichtlich beeindruckten Journalisten bekam man die Bilder ins Haus geliefert. Trotz all dem bleibt bei der Redaktion ein vorsichtiger Beigeschmack bei diesem Amtsantritt erhalten.

Obama ist der erste schwarze Präsident. Und schon diskutiert man in österreichischen Medien, wie schwarz Obama wirklich ist. Man hat auch schon eine Übergangsform für sein Schwarzsein gefunden: er ist ein Weltbürger, ein Kosmopolit und damit im Grunde kein Schwarzer. Interessant, wirklich! Will man damit sagen, dass “richtige Schwarze” keine Kosmopoliten sind?

Sah man in Obamas Gesicht, als er zur Angelobung schritt, sah man einen Menschen mit harter und entschlossener Mimik. Das passte dann auch zu seiner Rede. Er meinte, die USA werde jene, die freundschaftliche auf sie zukommen auch freundschaftlich behandeln; nicht jedoch jene, die es mit der Faust tun. Was will Obama damit sagen? Vielleicht dass er mit Härte und Entschlossenheit gegen die USA-Gegner vorgehen werde. Und wer soll das sein und zu welchem Zweck? Das ließe sich einfach beantworten, wenn man genau hinhört, über was Obama spricht: über die alten Werte der USA, welche in der Verfassung stehen. Nämlich Freiheit und Demokratie. Und alle, die gegen die Freiheit und Demokratie sind, denen wird man dann mit Härte begegnen, oder wie dürfen wir das verstehen? Es riecht fast danach, dass Obama nun “seine” USA wieder auf Kurs bringt und der Welt zeigen will, dass ein US-amerikanisches Demokratie- und Freiheitsverständnis das richtige ist. Yes, We Can! Und die Menge jubelt. Dabei tut sich fast eine Art Führerkult auf. Österreichische Journalisten schrieben Obama eine Email und schlossen diese mit den Worten: “We do not need cowboys!”

Apropos: der Schwur auf die Bibel passt exzellent dazu. Der gelernte Amerikaner sieht in seinen USA ja den Gottesstaat – auch wenn das jetzt ein paar Leser hier irritiert. Jedoch ist dies im Wesenszug des Amerikaners verankert, was dieser unter Patriotismus versteht. Und wenn dann ein Obama auf die Bibel von Lincoln seinen Amtseid ablegt – den er übrigens gleich zweimal tat, weil er beim offiziellen einen Patzer drin hatte -, dann kann man nur hoffen, dass dies kein böses Omen ist. Lincoln führte die Vereinigten Staaten durch den Bürgerkrieg. Wohin wird Obama die Vereinigten Staaten führen? Oder darf man an dieser Stelle bemerken, dass viele Arbeitslose einen sicheren Job bei der Armee finden werden? Übrigens, das österreichische Bundesheer wirbt ebenfalls schon mit dem sicheren Job beim Heer!

Die Richtung in Sachen Naher Osten erschreckt den kritischen Beobachter. Härte und Konsequenz hört man als Zwischentöne von Obama´s Reden heraus. Härte gegenüber Afghanistan und Pakistan. Dafür Rückzug aus dem Iraq, der außer Spesen nichts gewesen den USA eingebracht hat. Also schaufelt man mal hier brav die Kriegsressourcen frei und verwendet sie an Ort und Stelle des Bösen: in Bin Ladens Heimat. Wir sind schon neugierig, wie Obama diesen “Feldzug” dann nennen wird, denn gegen Bush´s “Achse des Bösen” wird er wohl nicht vorgehen. Vielmehr wird sich Obama´s Argumentation wahrscheinlich um Demokratie und Freiheit drehen.

Guantanamo wird geschlossen, und schon wird deutlich, wie sehr Europa mit den USA verbandelt ist. Wohin mit den Häftlingen, Mr. Obama? Na dorthin, wo sie sicher sind. Europäische Staaten könnten diese aufnehmen, und Österreich hat sich heute mit Ausnahme der Grünen entschlossen dagegen geäußert. Kommentar: Wer Guantanamo verursacht hat, soll auch die Konsequenzen tragen. Also nix mit Abschieben der Häftlinge in die EU, Mr. Obama! Wenn derartige Diskussionen jetzt schon drei Tage nach Amtsantritt des 44. Präsidenten im Raum stehen, würde es nicht wundern, wenn Obama gemeinsam mit der EU gegen den Terror im Nahen Osten vorgehen will und dies auch von der Europäischen Union einfordern möchte. Kann es sein, dass wir dann null komma nix gemeinsam mit den USA an der Kriegsfront gegen den islamistischen Terror stehen?

AMW

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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