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Die Wahrheit des Wortes

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Nur keine Panik

23. Januar 2008

Warum sollte man denn nun in Panik geraten? Der Index mit den 30 wichtigsten Unternehmen in Deutschland ist zum Wochenbeginn völlig abgestürzt. Alles in allem hat der DAX seit Jahresbeginn gut 20 Prozent an Wert verloren. Dies bedeutet die 30 wichtigsten Unternehmen dieses Landes haben ein Fünftel ihres Wertes verloren. Die OECD warnt vor massiver Altersarmut in Deutschland und laut Medienberichten steht das Gesundheitssystem vorm Kollaps. Da schleicht sich bei mir die Frage ein, was wäre denn ein Grund für Panik? Muss Deutschland erst bei der Handball-EM in Norwegen ausscheiden, damit Panik erlaubt ist?

Realismus

Es ist mir durchaus klar, dass Pessimismus nicht gerade wirtschaftsförderlich ist. Aber gerade auch in Deutschland, ist der Grad zwischen Pessimismus und Realismus sehr schmal. Denn egal wie sehr durch einen Großteil der Medien versucht wird Schönwetter zu machen, bleiben Fakten. Die Anzahl der so genannten `Aufstocker`, also der Menschen, die obwohl sie nicht in der Arbeitslosenstatistik auftauchen, da sie einen Arbeitsplatz haben und trotzdem auf staatliche Hilfe angewiesen sind, steigt und steigt. Die Krankenkassen werden auch mehr und mehr in den Kollaps reformiert und das die Rente nicht mehr annähernd sicher ist, dürfte spätestens nach der Auskunft der OECD zu Wochenbeginn auch kein Geheimnis mehr sein.

Die Preise steigen unaufhaltsam, so wurde zu letzt die Inflationsrate für 2007 endgültig auf 2,2 Prozent und damit ein Mal mehr höher, als die Schätzungen lagen, festgelegt. Im Gegenzug wurden die Wachstumsprognosen für das laufende Jahr, schon vor dem Börsencrash am Montag, nach unten korrigiert. Dies wiederum bedeutet, dass dieser erhebliche Faktor noch gar nicht eingerechnet ist. Bei dieser Datenflut hat es für mich nichts mehr mit negativer Hetzerei zu tun, wenn ich sage, dass die momentane, wie auch die Vorgängerregierung, entgegen ihren eigenen Aussagen, in meinen Augen, zu mindestens Wirtschaftspolitisch völlig versagt haben. Dies ist meine Art von Realismus zum Jahresbeginn 2008.

Die Gartenschere

Oftmals ist im Bezug auf die Wirtschaft in Deutschland, die Rede von der auseinander gehenden Schere. Um diese Beispiel aufzugreifen, ist es wohl eine Gartenschere mit überdimensional langen Scherblättern die hier aufgeht. Die Fehleinschätzungen von Wirtschaftsbossen nehmen immer größere Ausmaße an, genau wie deren Verwicklungen in Skandale von Schmiergeldaffären bis zu Lustreisen von Betriebsräten. Dies führt allerdings nicht zu weniger Gehältern oder spürbaren Sanktionen auf Seiten der Wirtschaftselite. Nein, im Gegenteil dieser Teil des Kuchens wächst und wächst, während die Löhne unter dem Strich und damit will ich sagen, der Teil, der am Ende des Tages in der Geldbörse bleibt, sinkt.

Es ist die Rede von Flexibilität an denen es vielen mangelt. Dann sollte aber bitte auch die Frage nach der Motivation gestattet sein. Was bringt es einem Familienvater, wenn er seine Familie vernachlässigt und damit gefährdet, nur um zu arbeiten und das ohne die Aussicht auf Sicherheit in finanziellen Belangen. Wo sollte man die Motivation für Konsum hernehmen mit der Ungewissheit, wie lange sein Arbeitgeber noch in Deutschland bleibt. Wie sollte man sich für die Altersvorsorge motivieren mit der Maßgabe, dass ein Großteil privater Vorsorge, nach heutigem Recht, schon auf die Rente angerechnet wird. Die meisten Menschen zahlen gut die Hälfte dessen, was sie mit ihrer Arbeit erwirtschaften, in die Sozialsysteme aber was erhalten sie im Ernstfall dafür? Nur ein Gnadenbrot zum überleben.

Ehrlichkeit

Natürlich stellt der Kurs, der im Moment gefahren wird, eine temporäre Lösung dar. Die gebetsmühlenartigen Hinweise, dass es keinen Grund zur Panik gibt, bewirken einen Teil an Ruhe für diesen Moment aber sie bürgen auch ein großes Risiko. Denn wie man jetzt schon erkennen kann, gibt es Wahrheiten, die sich nicht für immer, durch Nachrichten von vermeintlich schnuckeligen Eisbärenbabys, überdecken lassen. Wenn ich diese Fakten als Spitze eines Eisberges ansehe, was ich tue, stehen die Zeichen für dieses Land auf Sturm. Denn solche Negativindikatoren sind oft genug der Beginn wirklich großer Krisen, dass hat die Vergangenheit immer wieder bewiesen. Und eine globale Großkrise wäre dann wohl letztendlich auch ein Grund zur Panik. Um diese zu vermeiden oder einzudämmen, wäre ein größerer Anteil an Ehrlichkeit im Vorfeld, also jetzt, sehr bedeutsam.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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