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Die Wahrheit des Wortes

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Nie wieder Loveparade?

26. Juli 2010

Es war das Thema des Wochenendes, die Katastrophe von Duisburg mit 19 Todesopfern und über 340 Verletzten. Am Samstag gegen 17 Uhr war es in Duisburg bei der Loveparade 2010 zu einer Massenpanik gekommen, in dessen Folge es so viele Opfer gab und nun geht natürlich die Suche nach den Verantwortlichen los. Die Antworten scheinen einmal mehr klar zu sein aber wie weit die Kreise sich wirklich ziehen, zeigt ein genauerer Blick auf das Geschehene. Gestern wurden hier schon Augenzeugen zitiert, die von einer Kapazität des Festivalgeländes von 300.000 Besuchern sprachen und sie hatten wohl recht, um nicht zu sagen, dass es noch viel schlimmer war, denn auf dem Gelände war wohl tatsächlich nur Platz für 250.000 Personen. Von Veranstalterseite her hatte man angeblich nur mit 500.000 Menschen, was immer noch das Doppelte des Fassungsvermögens ist, gerechnet. Aber die Ungereimtheiten gehen auch hier noch viel weiter.

1 Millionen Menschen vergessen?
Warum geht der Veranstalter von etwa einer Millionen Besucher weniger aus, als noch vor zwei Jahren in Essen, wo zur Loveparade gut 1,6 Millionen Besucher kamen. Man darf auch nicht vergessen, dass das Ruhrgebiet als Weltkulturhauptstadt in diesem Jahr, und damit natürlich auch in diesem genialen Sommer, auch bei Touristen noch beliebter als sonst ist und dieses Festival natürlich ein Highlight darstellte. Vielleicht ist die Antwort eine ganz einfache. Es ist wohl davon auszugehen, dass der Veranstalter bei dem sechsfachen des Fassungsvermögens des Areals wohl kaum eine Genehmigung bekommen hätte. Wäre nun nicht diese schreckliche Tragödie mit so vielen Toten und Verletzten geschehen, hätte all dies wohl auch niemanden interessiert aber nun ist auch dies ein sehr interessanter Aspekt. Es gibt aber auch noch eine andere Seite, denn es ist natürlich trotz solcher Fragen eine Genehmigung erteilt worden und auch hier hat man auf genehmigender Seite scheinbar eine Millionen Menschen vergessen gehabt.

Der Veranstalter gab nun am gestrigen Tag direkt bekannt, dass diese Tragödie natürlich das Ende der Loveparade sein würde, was erst einmal viele Menschen begrüßten und als angemessen betrachteten. Allerdings gab es auch schon Tragödien auf anderen Festivals und Konzerten und die Reihe, zum Beispiel der betroffenen Bands, ist hier sehr lang und führt von den Rolling Stones über Die Toten Hosen bis hin zu Pearl Jam. Auch hier war teilweise kurz nach den Unglücken ähnliches zu hören aber am Ende des Tages haben sie alle scheinbar gemerkt, dass natürlich auch ein riesiger Berg an Geld hinter alldem steckt und so kann man bis jetzt auch weiterhin Musik von allen hören. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, gilt es wohl abzuwarten, wie es sich in den nächsten Jahren mit der Loveparade wirklich verhält, welche Namensänderungen es vielleicht geben wird oder ähnliches. Nur wirklich daran zu glauben, dass man ein so etabliertes und geldbringendes Produkt vom Markt nimmt, fällt einem schon sehr schwer.

Die große Schuldfrage
Natürlich ist es viel zu früh um zu wissen, wer nun die Schuld für diese Katastrophe trägt. Aber man weiß auch, was in naher Zukunft an taktischen Spielchen beginnen wird. Ein gutes Beispiel ist der Einsturz des Kölner Stadtarchivs und hier ist man nach weit über einem Jahr nach dieser Katastrophe im Rahmen der Schuldfrage noch immer genauso weit, wie am Tag des Einsturzes selbst. Unabhängig von der Schuldfrage, steht allerdings jetzt schon, neben der Loveparade selbst, ein ganz großer Verlierer fest und dies ist wohl das Ruhrgebiet. Man überlege sich, dass mit Ruhr.2010 dieses Jahr das große Jahr für diesen größten europäischen Ballungsraum, der noch immer massive Probleme mit dem Strukturwandel hat, werden sollte und nun diese Katastrophe eine riesige Narbe auf dem neuen, aufpolierten Image hinterlassen wird. Aus Promotionsicht kann und muss man hier wohl wirklich von einem GAU sprechen. Wahrscheinlich wurden hier an einem Nachmittag Millionen an Euros, die man für ein besseres Image investiert hatte, durch den Kamin gejagt.

Bei alldem sollte man aber vor allem eines nicht vergessen, die persönlichen Schicksale, die leidenden Familienangehörigen die ihre Liebsten verloren haben. Denen hilft im Moment all dies gar nichts, keine Diskussion über verbrannte Imageinvestitionen und auch keine Diskussion über den Fortbestand der Loveparade. Hier will man Antworten hören und will wohl einfach nur wissen, wie es überhaupt zu einer solchen Katastrophe kommen konnte: Es wird interessant sein zu sehen, wie diese Antworten aussehen werden. Unabhängig von der Tragweite dieser Katastrophe sind viele Menschen darüber verwundert, dass es bislang immer gut ging und es nicht schon viele eher zu so einer solchen Katastrophe gekommen ist. Auch nicht ganz überraschend, holt auch schon manch einer wieder mit der Verbotskeule aus, wie man es in diesem Land gewohnt ist, anstatt sich um angemessene Lösungen zu bemühen. Großveranstaltungen einfach zu verbieten, kann nicht die Lösung sein, denn das es auch bei noch so komplizierten Herausforderungen auf diesem Gebiet auch positive Lösungen gibt, zeigte gerade erst die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Wirtschaft

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