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Die Wahrheit des Wortes

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Nicht geschrieben ist auch vertuscht

10. Februar 2009

Aufmerksam darf man die Berichterstattung der Medien verfolgen. Blättert man die Wirtschaftsteile der österreichischen Tageszeitungen durch, jagt eine Horrormeldung die andere. Liest man sich in manche Artikel ein, dann fällt der sprachliche Stil auf und wirkt ein wenig einfach ohne viel Inhalt. Und eines vermisst man. Kritische Statements zu den Ereignissen. Ja nicht anecken scheint das Motto zu sein. Ja keine Schlüsse ziehen oder gar Fakten gegenüberstellen und nach Verbindungen suchen.

Wir blättern heute einmal die Wirtschaftsseiten durch und lesen diese Schlagzeilen in Standard und Kleine. Österreich bei Firmenpleiten am zweiten Platz / Wir leben in einer Zeitenwende / Lufthansa leidet unter Krise Fracht bricht ein / Österreicher sparen schon / Remus kündigt zehn Prozent der Belegschaft / Doka Schalungsplatten-Hersteller in Amstetten kündigt 190 Stellen / Otto Versand sperrt 2010 den Standort Kalsdorf zu / Aus für Papierfabrik in Hallein …. und so geht es weiter. KTM-Chef Pierer weist darauf hin, dass kein Stein über dem andern bleiben wird, und die Frächter heute schon einen Auftragseinbruch von 60 Prozent hätten. Außerdem ist der oberösterreichische Fertighausanbieter Romberger seit heute konkurs, die traditionsreiche Wäschefirma Schiesser ist insolvent. Und die Magna Werke in Ilz und Lannach sind seit Februar in Kurzarbeit für ein halbes Jahr. Als Draufgabe lesen wir, dass die EU Staatskassen vermutlich 2010 leer sein werden. Droht gar der EU ein kollektiver Staatsbankrott? Und was dann?

Darf man als Journalist wirklich nur Ereignisse aufzählen, ohne Themen hinterfragend miteinander zu verbinden? Was passiert, wenn Ereignisse bloß aufgezählt, sprich erwähnt werden? Und was passiert beim Leser, wenn Ereignisse miteinander verknüpft werden? Es wird wohl so sein, dass Querverbindungen zu Unruhe unter den Menschen führen können. Also scheint man sich darauf zu beschränken, nur die Ereignisse anzuführen. Nicht jedoch hier auf fairschreiben. Hier wollen wir verknüpfen und Themen öffnen.

Berater erzählen im Interview, es gäbe keine Krise, es wäre nur eine Sache der Einstellung, ob ich die Krise in mein Leben lasse oder nicht. Fakt ist jedoch, dass Österreich mit 224 Firmenpleiten auf 10 000 Unternehmen an zweiter Stelle hinter Luxemburg in der EU rangiert – Zahlen für das Jahr 2008. Fakt ist, dass ob Krise hin oder her, in Österreich Firmen nur schwer überleben. Fakt ist, dass ohne Sozialhilfe und Sozialleistungen laut ÖGPP – wir haben berichtet – ganze 43 Prozent der Österreicher armutsgefährdet sind. Fakt ist, dass gestern Abend in der ZIB 1 nur ein einziges Mal (!) und sonst nicht mehr inklusive der Printmedien von heute  eine Zahl erwähnt wurde, die aufhorchen lässt. Nämlich 2,7 Millionen Österreicher würden keine Steuern zahlen, weil deren Einkommen unter der Mindestgrenze von rund 17 500 Euro liegt (d.i. ein monatliches Einkommen bei unselbständiger Tätigkeit von 1250 Euro). Welchen Anteil hier die Selbständigen und Unselbständigen haben, ist aus diesen Zahlen nicht ersichtlich. Doch, keine Steuern zu zahlen ist keine Auszeichnung – die Untergrenze wurde nur minimal als staatliche Hilfsmaßnahme angehoben. Keine Steuern zu zahlen bedeutet schlichtweg zuwenig verdient. Auch ist es egal, ob davon Pensionisten mit Passiveinkommen oder Teilzeitarbeitskräfte davon betroffen sind. So oder so, der Prozentsatz ist hoch! Es wären bei der Zahl der Erwerbstätigen satte 63 Prozent der Bevölkerung und gemessen an der Gesamtbevölkerung noch immer 32,4 Prozent, ein Drittel! Fakt ist auch, dass zwei Millionen Menschen in Österreich laut ÖGPP Probleme haben, mit ihrem monatlichen Einkommen auszukommen.

All diese Fakten nicht nebeneinander aufzustellen, nach Verbindungen zu suchen und dafür nicht einmal die Chance einzuräumen kommt dem Titel dieses Beitrages gleich. Denn nicht geschrieben ist auch vertuscht.

AMW

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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