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Die Wahrheit des Wortes

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Neuer Skandal bei BP

29. Juli 2010

Als hätte der britische Ölmulti BP nicht schon genug mit dem Skandal um die Ölpest im Golf von Mexiko zu tun, setzt man nun noch einen drauf. Der britische Energiekonzern BP hat in dieser Woche, nicht ganz überraschend, den Rücktritt seines Vorstandschefs Tony Hayward zum 1. Oktober diesen Jahres erklärt. Man reagierte damit auf die Kritik an dessen Krisenmanagement bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Ihm folgt nun der Amerikaner Robert Dudley. Genau dieser Dudley ist im Vorstand bereits für die Aufarbeitung der Ölpest zuständig und es kommt somit die Frage auf, wie lang er diesen Posten wohl bekleidet bevor auch er gehen muss. Nun mag man bei dieser Art der Neubesetzung erst einmal so etwas wie eine positive Entwicklung vermuten aber dies ist nur an der Oberfläche der Fall und die ist auch in vielen Teilen des Golf von Mexiko noch sauber.

Wie gut sich Katastrophen auswirken
Mit Tony Hayward steht immerhin schon einmal ein großer Gewinner der Ölpest im Golf von Mexiko fest. Nach heutiger Lesart, muss man davon ausgehen, dass diese unvorstellbare Schädigung der Ökosystems im Golf von Mexiko BP anzulasten ist und damit hat natürlich der oberste Chef auch die oberste Verantwortung. Genau mit einer solchen Verantwortung rechtfertigt man immerhin auch unvorstellbare Gehälter von Topmanagern, wie zum Beispiel eines Tony Haywards. Nun fragt man sich natürlich, was wohl passiert, wenn solche Menschen ihrer Verantwortung, wie im geschilderten Fall, offensichtlich nicht nachkommen und die Antwort ist ganz einfach, man nimmt noch mehr Geld in die Hand, um sich von ihnen zu trennen. Laut Medienberichten bekommt Hayward seinen Abgang im Herbst diesen Jahres mit 14 Millionen Euro versüßt, da kann man schon einmal festhalten, dass sich die Katastrophe für ihn wirklich rentiert hat. Es sind genau diese Vorgänge, die es den Menschen so schwer machen, die heutigen Prinzipien des Marktes zu begreifen.

Manager zerstören durch ihre Art der Konzernführung nachhaltig die Umwelt, gefährden damit letztendlich auch die Konzerne, die sie leiten bzw. im Notfall auch die staatlichen Haushalte, wenn Staaten zur Rettung solcher Unternehmen eingreifen. Nun werden diese Personen aber nicht für ihr handeln bestraft, sondern auch noch belohnt mit der Rechtfertigung irgendwelcher vertraglichen Bindungen. Dies ist einfach nur der pure Zynismus. Nimmt man an, all dies wäre Zufall, müsste es natürlich spätestens seit Beginn der Weltwirtschaftskrise zu einer Neuordnung genau dieses Systems kommen, da die Fehler immer deutlicher und spürbarer werden aber genau dies geschieht nicht. Viel mehr baut man dieses marode und fehlerhafte System munter weiter aus. Das dabei die Natur auf der Strecke bleibt und natürlich am Ende des Tages die Menschheit, scheint man einfach zu ignorieren und dies nicht nur von Seiten der Wirtschaft, sondern auch von Seiten der Politik.

Das Überdenken der Aufgabenverteilung
Es war einmal so, dass die Politik zum Beispiel durch gesetzgebende Maßnahmen und ähnliches Einfluss auf die Wirtschaft nahm, mittlerweile sieht es allerdings genau umgekehrt aus und der Haupteinfluss geht von der Wirtschaft auf die Politik aus. Es scheint so, als würde es kein Gesetz, keine Verordnung geben, welches sich nicht in irgendeinem Kontext vom Kapital aushebeln lassen würde. Dies kann durch juristische Schritte mit Topanwälten genauso geschehen, wie dadurch, dass doch viele Unternehmen scheinbar ein gewisses Maß an Strafzahlungen schon fest mit eingeplant haben. Dann noch ein bisschen Lobbyarbeit und im Notfall mit der  Keule des Abbaus von Arbeitsplätzen gedroht und schon regieren nicht mehr die Volksvertreter im Sinne derer die sie gewählt haben, sondern die Wirtschaft, die so ihre Interessen durchsetzt. Mit einem freiheitlichen, demokratischen System hat dies allerdings nichts mehr zu tun. Hier müssen die Aufgaben ganz klar neuverteilt werden bzw. wieder auf das alte Niveau gebracht werden.

Verfährt man weiter nachdem bisherigen System, kann man wohl kaum von einer Demokratie sprechen, sondern sollte stattdessen von einer giergesteuerten Scheindemokratie reden. Ob dies im Interesse der Mitglieder der Regierungen in Deutschland ist, sollte wohl bezweifelt werden. Allerdings treten die Volksvertreter in diesem Land, wie natürlich auch in vielen anderen Staaten der Welt, nicht gerade den Beweis an, als hätten sie ein gesteigertes Interesse daran etwas an der momentanen Situation zu verändern. Denn das Prinzip, dass Verantwortungslosigkeit auch noch mit hohen Abfindungen belohnt wird ist auch hier in Deutschland an der Tagesordnung. Der Redaktion ist auch kein Fall eines deutschen Topmanagers bekannt, der nach einem gravierenden Fehler plötzlich Hartz IV empfangen würde, ganz im Gegenteil leben diese Menschen auch danach weiterhin auf großem Fuß, was beweist, dass die Übernahme von Verantwortung, doch eher als sehr relativ einzustufen ist. Auch hier erkennt man deutlich an welchen Stellen dieses System völlig versagt.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 11 Kommentare ↓

  • 1 Manfred Vogl // 29. Jul 2010 at 07:31

    Und Du glaubst, daß das einen Top-Manager aus dem BP-Konzern juckt, was Du da schreibst?

    (-;

  • 2 Martina Jäger // 29. Jul 2010 at 07:48

    ja sie wissen, dass man ihnen noch nichts anhaben kann.
    die (ver)sagenden machthaber aus wirtschaft, politik und gesellschaft.
    sie cooperieren mit dem wissen, dass ihr zusammenhalt wichtig ist, um zu überleben.

    eigenartig, leider auch erklärbar, dass das volk (zu dem zähl ich mich auch) wenig courage hat
    und keine verantwortung übernimmt,
    wenn diese schon von den machthabenden sich zum eigennutz entwickelt.

    stimmabgaben bei wahlen scheinen da echt nur ein magerer beitrag zu sein.
    aber auch da hab ich die hoffnung,
    dass das bewusstsein über ein notwendiges handeln sich entwickeln wird und
    die eigene unmündigkeit als unakzeptabel erkannt wird.

    schließlich hinterlassen wir den shit ja unseren kindern -
    und üben ja auch eine vorbildfunktion aus,
    was courage und den weg vom denken zum handeln betrifft.

  • 3 Martina Jäger // 29. Jul 2010 at 07:50

    lieber manfred,
    es juckt sie nicht, was uns ja auch nicht jucken sollte…
    der autor schreibt nicht für die, davon geh ich mal aus…

  • 4 Andrea Bondi // 29. Jul 2010 at 08:11

    @Manfred: Wenn alle so eine Einstellung an den Tag legen, dann wird uns wohl erst “der jüngste Tag” von diesen Verbrechern befreien! Es ist traurig, dass es immer noch Menschen gibt, die nicht begriffen haben, dass nicht die herrschenden Eliten das System ändern, sondern es ist an der “Basis” etwas zu tun! Das hat allerdings auch etwas mit Veränderung zu tun und dies wiederum ist vielleicht unbequem! Also was macht man? Man nimmt einfach alles so hin, wie es einem präsentiert wird und schiebt die Verantwortung für die gesamten Katastrophen von sich! Warum hat denn BP so einen Status erreichen können? Liegt das nicht vielleicht auch an der Tatsache, dass jeder, aber auch wirklich jeder 1 – 2 Autos benötigt um sich von A nach B zu bewegen? Und viele Autos benötigen viel Sprit!!!!!
    Wenn die Massen endlich begreifen würden, dass Einigkeit stark macht, dass wir alle gemeinsam am Schaltpult sitzen und denen da oben den Hahn zudrehen können, dann sähe es schon anders aus.
    Aber da ist ja diese Bequemlichkeit, diese Starre, dieser Unwille sich in Bewegung zu setzen und etwas zu tun. Da ist es einfacher, so Sätze wie;” Und Du glaubst, daß das einen Top-Manager aus dem BP-Konzern juckt, was Du da schreibst?” von sich zu geben!
    Damit wird höchstens zu Ausdruck gebracht, dass man überhaupt nichts begriffen hatg!

  • 5 Manfred Vogl // 29. Jul 2010 at 08:58

    Ja sagt’s einmal, Weiberleut’, wie denkt denn Ihr über andere?
    Wo steht etwas von meiner “Einstellung” zu der Thematik und wozu glaubt Ihr, hab ich mein knappes Statement mit einem Smiley, nochdazu kopfüber, versehen?!?

    Kennt Ihr den Spruch “Der Schelm denkt, wie er ist”?

    (-;

    Mein Auto kostet nicht mehr als zwei Monatsgehälter, ich habe aber eine Jahreskarte für das Gesamtnetz (Schiene und Bus) und weiß zudem, daß nicht alles Erdöl in den Benzintank fließt!

    (-;

    Ich esse sogar selbstangebautes BIO-Popcorn, meine Kinder schummeln nicht beim Spielen und ob der gesammte BP-Vorstand oder -Aufsichtsrat zurücktritt liegt nicht in meinem “Machtbereich”!!! (würde auch nix ändern, wenn die zurückträten!)
    Ich bin sogar froh, daß ich nicht da oben mitschwimmen muß.
    Schaut Euch z.B. den Joschka Fischer an, was aus dem geworden ist.
    Eine Krähe, noch dazu eine fett gewordene, pickt keiner anderen ein Auge aus.

    Habt ihr aus Orwells “Animal Farm” nix gelernt? Jedes Schwein wird zur Sau und dann zum Menschen – bis auf die toten.

    LiGrü und viel Spaß bei der Revolution

    ManfredVogl

  • 6 Andrea Bondi // 29. Jul 2010 at 09:37

    @Manfred: So, jetzt hast Du Dich aber erklärt! Ob mit Smily kopfüber oder nicht! In jedem Fall stellt dieses Statement einen repräsentativen Querschnitt der Massen dar! Es wäre doch einmal etwas Neues, wenn man beginnen würde die Zusammenhänge zu erkennen!
    Und diese pseudointelektuellen Zitate aus Orwells “Animal Farm” machen das Statement rund um Bio-Popcorn, nicht schummelnde Kinder und Jahreskarten auch nicht besser oder gscheiter!

  • 7 Manfred Vogl // 29. Jul 2010 at 10:13

    @pseudointellektuell:
    Goebbels-Neusprech?
    Da schreibt frau groß vom Zusammenhangerkennen …

    (-;

  • 8 Andrea Bondi // 30. Jul 2010 at 07:23

    @Bio-Popcorn…..na, da haben wir uns aber kräftig in der Schublade vergriffen! Spricht aber für sich selbst! Kann mich nur für die Demaskierung bedanken!

  • 9 Martina Jäger // 30. Jul 2010 at 07:45

    eine revolte halt ich auch nicht für sinnvoll,
    auch wenns nett wäre und für mich verständlich.

    dass der mensch mit der gewonnenen macht dann im weiterführenden prozess
    eher egozentrische vorstellungen ausleben wird,
    mit angepasster moral,
    und das ursprüngliche ziel für
    weitere eigene interessen missbraucht wird, das sehe ich schon so.
    dieses verhalten ist steinzeitlich gesehen “menschlich”.

    wir sind noch nicht so weit, langzeitig verantwortungsbewusst mit uns und anderen umzugehen.
    dabei spiele ich auf gruppendynamische prozesse an,
    die in ihrer auswirkungen eben sehr dynamisch in viele erwünschte und unerwünschte richtungen laufen.

    der weg übers überschaubare umfeld ist mir wichtig.

    bewusstsein schaffen (nehmen und geben) für sich und andere.
    das braucht zeit und viel reflexion
    das mit mir, mit familie, freunden, kollegen, stadtteil – es darf wachsen.
    und sicherlich trifft man auf menschen, die weit weg von solchen vorstellungen sind.
    da liegt es an einem selber,wie man sich hier verhält – ich habe meinen weg.

    eeeeeeh – ja klar, manchmal würd ich auch gerne mal druffhauen… sagt der kerle in mir…

    dennoch

    bin ich ein vollblutweib :-DDD mit aller lebenslust

  • 10 Manfred Vogl // 30. Jul 2010 at 10:30

    Genau mein Punkt, Martina!

    Selber besser machen und im Umfeld anfangen.

    Daß der Thorsten nicht für die BP-Manager schreibt war mir eh klar (-;
    nur weiß ich, daß mein Herz mich selbst betrügt und ich bin, wie gesagt froh, nicht da oben mitschwimmen und überleben zu müssen. Und ich weiß auch, daß Geld und Macht den Charakter nicht verderben sondern höchstens schneller offenbaren.

    LiGrü Manfred

  • 11 Martina Jäger // 31. Jul 2010 at 12:23

    dass ist echt fair geschrieben
    mal die machthabenden leutles
    als ums überleben kämpfende schwimmer zu bezeichnen.
    danke für diese neue perspektive, darüber denk ich mal am weekend. ;-)

    heiße grüße aus dem sommerlichen würzburg

Schreib was dazu