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Die Wahrheit des Wortes

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Neue Runde in der Krise – Neue Chance für die Kirchen

7. August 2009

Die Wirtschaftsinstitute versuchen zwar auch weiterhin die Krise einfach weg zu reden aber man hat auch hier das Gefühl, dass diesen vermeintliche Experten immer weniger Menschen Glauben schenken. Aber wem kann man noch glauben und wem vertrauen? Der Realwirtschaft steht wohl, genau wie der Schweinegrippe, noch das Schlimmste bevor. Die Aussichten für den Herbst und Winter sehen nicht gut aus. Es ist mit Massenarbeitslosigkeit und einer schwerwiegenden Krankheitswelle zu rechnen, die Zeichen sieht man im Moment schon überall. Das Virus breitet sich munter aus, Adidas brechen die Gewinne weg, der Lufthansa die Passagiere und selbst die Deutsche Bahn hat nun schon ein massives Problem im Bereich der Personenbeförderung. Man sieht langsam aber sicher beginnt die zweite Runde der Krise aber so abgedroschen es auch klingt, bietet diese neue Runde auch Chancen, gerade auch für die Kirchen in Deutschland.

Zwischen Obama und Biedermann

Deutschland, wie auch Europa und der Rest der Welt, werden gerade von der zweiten Welle der Krise erfasst und man darf davon ausgehen, dass diese noch wesentlich härter wird, als die erste Welle es noch war. Denn wir reden dann wohl nicht mehr nur von der reinen Weltwirtschaftskrise und ihren Folgen, sondern auch noch von einer unvorstellbaren Krankheitswelle, ausgelöst durch die Schweinegrippe. Da hier noch niemand voraussagen kann, wie das Virus in der Hauptinfektionszeit auf der Nordhalbkugel mutieren wird, ist auch nicht konkret prognostizierbar, wie schlimm es wirklich werden wird. Man muss berücksichtigen, dass auch dies zu einem weiteren negativen Faktor für die Wirtschaft werden könnte. So sprechen Wirtschaftsfachleute davon, dass die Schweinegrippe zum Beispiel in Argentinien gut ein Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) vernichtet hat, da es natürlich durch eine solche massive Welle auch zu Produktionsausfällen bis hin zum völligem Stillstand des öffentlichen Lebens kommen kann. In einer solche Situation wächst natürlich die Angst in der Bevölkerung vor Arbeitslosigkeit, sozialem Abstieg und Armut. Aber Angst stärkt auch immer den Glauben und an dieser Stelle kommen nun auch die Kirchen ins Spiel.

In der ersten Runde der Krise schöpften die Kirchen und gerade auch die katholische Kirche das Potenzial, welches in der Natur der Sache liegt, nicht wirklich aus und dies lag wohl auch zu einem großen Teil an Papst Benedikt dem XVI. Die Kraft schien gebunden in Auseinandersetzung mit zum Beispiel der Piusbruderschaft und ähnlichem, da fühlen sich die Gläubigen natürlich in einer so schweren Zeit auch ein stückweit allein gelassen. Es ist unverständlich, dass sich die Kirchen in einer solchen Zeit der Angst so passiv verhalten, anstatt Lösungen für die Gläubigen anzubieten. Eine Erklärung wäre natürlich schlichtweg, dass sie dazu genauso wenig in der Lage sind, wie die vermeintlichen Experten aus der Politik und Wirtschaft, was natürlich kein gutes Licht auf sie werfen würde. Papst Benedikt der XVI. meldet sich in diesem Kontext nur äußerst selten zu Wort, was natürlich irgendwo auch zu seiner introvertiert wirkenden Art passt. Dem widerspricht dann aber natürlich seine, wie Showeinlagen wirkenden, medienwirksamen Auftritte zum Beispiel mit dem US-Präsidenten Barack Obama oder auch mit dem neuen deutschen Schwimmstar Paul Biedermann. Der letztere Auftritt wurde spätestens an dem Punkt für ein Kirchenoberhaupt sehr merkwürdig, als er die mitgebrachte Baseballmütze ausprobierte. Diese Verhaltensweisen passen einfach nicht zusammen.

Betriebswirtschaftliche Aspekte in der Kirche

Als sich die Krise vom Finanzsektor langsam auf die Realwirtschaft ausweitete, hatte man schon oft das Gefühl, dass von Seiten der Kirchen etwas fehlt. Es fehlten die klaren Worte und Mahnungen, denn alles was in dieser Richtung kam, wirkte doch oftmals wie eine reine Pflichterfüllung und mit diesem Verhalten positioniert man sich nicht in der Mitte der Gesellschaft. Die Menschen suchen gerade auch in dieser immer stärker werdenden Ellenbogengesellschaft nach Halt, eine große Chance für die Kirchen im allgemeinen aber auch für die katholische Kirche im speziellen, Schäfchen zurückzugewinnen. Dieses defensive Verhalten in einer Zeit in der man auch bei den Kirchen über schwindende Mitgliederzahlen klagt, ist nicht nachvollziehbar. Genauso wenig verständlich ist, warum die Kirchen nicht noch aktiver gegen die Armut, gegen die immer weiter auseinandergehende Schere zwischen den Reichen und den Armen vorgehen. An dieser Stelle reicht es natürlich nicht aus nur, wie der Rest der Protagonisten es auch tut, von Zeit zu Zeit darauf hinzuweisen, dass dies alles nicht gut sei. Denn das wissen die Menschen auch ohne die Kirchen und bekommen es, im wahrsten Sinne des Wortes, auch an vielen anderen Stellen gepredigt.

Wie bereits zu Beginn des Artikels beschrieben, rollt nun die zweite, noch größere Welle der Krise auf uns zu, man muss nur in die Medien blicken und wird bald feststellen, was da alles kommt. Aber genau diese neue Runde bietet natürlich auch für die Kirchen ein enormes Potenzial den verlorenen Boden der letzten Jahre und Jahrzehnte zurückzugewinnen. Um dies zu erreichen benötigt es aber Aktivität, es müssen ganz klare Zeichen gesetzt werden gegen die Armut und Ungerechtigkeit in Deutschland und der Welt. Sollte auch diese neuerliche Chance versäumt werden, stellt sich natürlich die Frage, warum die Kirchen nicht klar Stellung gegen das beziehen, was in der heutigen Zeit von Wirtschaft und Politik so forciert wird. Man müsste dann natürlich auch darüber nachdenken, wie tief die Kirchen mittlerweile in dieses turbokapitalistische Machtsystem miteingebunden sind und vielleicht auch deshalb kein Interesse haben klar Stellung zu beziehen. Es gibt jetzt schon Indizien, die genau dies vermuten lassen. Denn wenn man sich nur betrachtet, wieweit die Kirchen als Träger im Bereich der Krankenpflege, aber vor allem auch der Altenpflege aktiv sind und hier reden wir von den Märkten der Zukunft, was auch der Deutschlandplan von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD) sehr deutlich macht, scheint klar zu sein, dass auch hier betriebswirtschaftliche Aspekte einen immer größeren Raum einnehmen. Die Kirchen sollten sich nur sehr genau überlegen, welche Aspekte ihnen langfristig wichtiger sind, denn daran werden nun einmal auch sie am Ende des Tages gemessen.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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