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Die Wahrheit des Wortes

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NEDA SOLTANI-Der Engel des Irans

23. Juni 2009

Neuer Tag, neues Glück, wie man so schön sagt und dies gilt vor allem im Kontext der Wahrheitsfindung im Irankonflikt. Dies gilt allerdings wohl kaum für die Menschen im Iran selbst, denn dies scheint einer der wenigen Fakten zu sein, die im Moment klar sind. Die Niederschlagung eines Aufstandes, das Vorgehen gegen Regimegegner, all dies sind leider Fakten, die das Leben auf dieser Erde schon immer geprägt haben und wahrscheinlich auch in Zukunft prägen werden, was am Rande bemerkt offensichtlich zeigt, dass die Menschheit nicht lernfähig ist. Allerdings zeigt der Konflikt im Iran, in dem es an der Oberfläche um den, durch mutmaßlichen Wahlbetrug, wiedergewählten Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und seinen Gegner Mirhossein Mussawi geht, eine ganz neue Qualität. Die Art wie hier vorgegangen wird, ist eine relativ neue. Wobei eines der großen Probleme dieses Konfliktes, weit über die Grenzen des Irans hinausstrahlt. Denn die Wahrheit, die Tatsachen bleiben immer mehr auf der Strecke. So entsteht eine große Skepsis gegenüber vielen Informationen, die man über die Medien zu diesem Thema übermittelt bekommt.

YouTube, facebook und Twitter sind die großen Sieger

YouTube, das große Videoportal im Internet, hatte sich einmal auf die Fahne geschrieben, keine Gewaltakte zu zeigen, dies scheint lange schon Geschichte zu sein. Was in der Fernsehwelt die Einschaltquoten sind, sind in der Welt des Internets die Klickzahlen und die bekommt man, wie es in unserer Welt leider oftmals der Fall ist, auch immer wieder über den Horror und die Brutalität die es tagtäglich auf dieser Erde gibt. Wir erinnern uns an den Amoklauf von Winnenden, auch hier konnte man die letzten Sekunden des Täters, bevor er sich selber richtete, im Internet beobachten. Der neuste Fall, der eine riesige Welle an Klicks auslöste, ist der Tod der 19-jährigen Studentin Neda Soltani, deren Sterben auf den Strassen Teherans man auch im Internet sieht. Es ist ein blutiger Tod, genau wie es wohl auch ein blutiger Konflikt ist, insofern mag man meinen, dass solche Bilder natürlich einen hohen symbolischen Wert haben aber nicht nur wir hier in der Redaktion stellen die Frage nach der ethischen Vertretbarkeit solch grausamer Szenen. Es muss auch die Frage gestellt werden, ob es diesen Plattformen wirklich um politische Veränderung geht oder einfach nur darum möglichst viele Klicks zusammeln und damit letztendlich am Ende des Tages gut positioniert zu sein, wenn es um die Werbeeinnahmen geht.

Natürlich wird an dieser Stelle gerne gekontert, dass es sich nur um Plattformen handelt, die selber nicht tätig werden. Dies ist allerdings auch wieder nur einer dieser vielen Halbwahrheiten, um die es auch gerade in diesem Konflikt im Iran geht. Denn natürlich sind diese Plattformen nicht nur passiv, sondern greifen durch eine gewisse Passivität aktiv ein. Denn unkontrollierte Bilder, Filme und Texte zu verbreiten, deren Wahrheitsgehalt oftmals nicht im Ansatz geklärt ist, ist eine aktive Beteiligung an der so wichtigen Front der Meinungsbildung. Genau hier entsteht ein großes Problem unserer Zeit, welches sich wohl in Zukunft noch ausbreiten wird, denn wir bekommen nur scheinbar immer mehr Informationen, allerdings ohne eine klare Differenzierung von Wahrheit und Unwahrheit und somit wird auch immer eine große Anzahl an Unwahrheiten verbreitet, die letztendlich auch gezielt als Waffe der Desinformation eingesetzt werden kann. Natürlich käme auch niemand hier in der Redaktion auf den Einfall im Falle des Irans von einer Demokratie im westlichen Sinne zu sprechen aber dies ist auch nur eine Seite der Medaille. Bei allem muss man auch berücksichtigen, dass durch das was im Moment auf den genannten Internetplattformen geschieht, auch ganz massiv westliche Ideologien unterstützt werden und dies natürlich im Sinne, zum Beispiel eines Barack Obamas ist und hier sollte man nicht vergessen, dass der 44. Präsident der USA einen sehr großen Anteil seines Wahlsieges, genau über solche Plattformen akquirierte. Ob diese Parallele Zufall ist, bleibt erst einmal offen.

Wer ermordete Neda Soltani?

Gerade in der westlichen Welt baut man sehr stark auf die Demokratie, auch wenn sich hier oftmals die Frage stellt, wieweit diese Demokratie in der heutigen Zeit für Machterhalt und die Interessen der Wirtschaft manipuliert wird. Zu einer Demokratie gehört nun einmal auch ein gut funktionierendes Rechtssystems, welches auch besagt, dass Menschen bis zum Beweis des Gegenteils als unschuldig anzusehen sind. Dieser Grundsatz scheint im Fall der Ermordung von Neda Soltani nicht zu gelten. Auch wenn das System des Irans daran Schuld ist, dass hier keinerlei Ermittlungen zu dieser Tat im Rahmen westlicher Standards stattfinden kann, verlässt jeder der nun mit wilden Anschuldigungen daher kommt, den gerade genannten demokratischen Weg. Es ist nicht ratsam sich beim Kampf gegen ein System auf die Mittel einzulassen, die solche Regime erst erstarken lassen, denn dann würde man sich letztendlich mit ihnen auf eine Stufe stellen. Natürlich geschieht in diesen Tagen und Wochen im Iran großes Unrecht, das ist wohl auch wieder einer dieser wenigen Fakten in diesem Konflikt aber wieweit dieses reicht, ist oftmals nicht klar zu definieren. Fakt ist, dass hier Massen bewegt werden und dies durch eine zahlenmäßige Minderheit. Die Mehrheitsverhältnisse im Iran sind nicht geklärt, dies ist auch ein Fakt. Man darf jetzt aber nicht gleich von klaren Mehrheiten sprechen, nur weil sich eine zahlenmäßige Minderheit in einem Medium, wie dem Internet, als große Mehrheit darstellt. Die fehlende Unabhängigkeit, die man dem Mullah-Regime im Iran scheinbar berechtigterweise vorwirft, besteht allerdings auf Seiten der Systemgegner auch oftmals nicht.

Am Anfang dieses aktuellen Konfliktes, kurz nach der Veröffentlichung der Wahlergebnisse, ging es noch um die Prüfung des Ergebnisses. Mittlerweile ist man schon im Bereich eines Systemwechsel um jeden Preis und genau dies kann eigentlich nicht die Antwort in einer Demokratie sein. Wie schon häufiger beschrieben, hat der Westen natürlich ein Interesse daran seine Form der Demokratie auch auf diesem Teil der Erde, in den verschiedensten Gesellschaften zu etablieren und das dies den aktuellen Machthabern nicht gefällt, liegt in der Natur der Sache. Natürlich hat man ein komisches Gefühl, wenn man von unabhängigen Berichten eines Senders, wie BBC Persia hört, der wohl vom britischen Außenministerium finanziert wird. Man hat so oder so im Moment das Gefühl, dass Europa einmal mehr einen Stellvertreterkrieg für die USA führen darf oder muss. Denn Barack Obama hält sich doch sehr zurück in diesem Konflikt und somit richtet sich der Zorn im Iran diesmal auch gar nicht so sehr gegen die USA, sondern viel mehr gegen Europa und allen voran gegen Großbritannien. Die Hauptinteressen eines Systemwechsels gingen allerdings bislang immer von den USA aus. Es ist natürlich strategisch ein sehr guter Schachzug, seine Ziele zu erreichen, während andere ihren Kopf dafür hinhalten. Gegen genau diese Art von amerikanischer Politik richtet sich lange Jahre der Unmut vieler Menschen auf diesem Planeten, allerdings führte da noch George W. Bush die USA. Die Welt verändert sich und wenn man sich die Entwicklungen im Umfeld des Irankonfliktes ansieht, ganz offensichtlich nicht hin zu mehr Demokratie, sondern hin zu mehr Desinformation und banaler Beeinflussung und hier gegen sollte man Kämpfen, damit sich die wahre Demokratie auf der Welt durchsetzt und kein politisches Scheingebilde, welches nur einem kleinen Teil der Welt dient.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Landpirat // 17. Nov 2010 at 16:01

    Die ermordete Iranerin hieß nicht Neda Soltani, sondern Neda Agha-Soltan. Eine tragische Verwechslung, die samt falschem Foto um die Welt ging und Neda Soltani dazu zwang, ihre Stellung als Uni-Dozentin aufzugeben und heute als Asyl-Bewerberin in Deutschland zu leben.

  • 2 Die Redaktion // 17. Nov 2010 at 18:10

    Lieber Landpirat,

    vielen Dank für den richtigen und wichtigen Hinweis. Wir hatten in Folgeberichten auch schon auf diese schicksalhafte Verwechslung hingewiesen aber es ist auch gut, dass es nun noch einmal hier direkt steht.

Schreib was dazu