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Nargis oder Freiheit nicht nur für Tibet

7. Mai 2008

Seit einigen Wochen geht es nicht nur auf den Seiten von fairschreiben.de immer wieder um die Freiheit Tibets. Es ist, angefacht durch die Olympischen Spiele 2008 in Peking bzw. durch den dazugehörigen Fackellauf, ein allgemein recht breit aufgefasstes Thema in den Medien im allgemeinen, wie auch im speziellen. Außer Tibet gibt es aber natürlich noch viele weitere Länder in denen Menschenrechte, Pressefreiheit und ähnliches leider noch immer Mangelware ist. So verhält es sich auch mit Myanmar. Dieser Staat war zu letzt im September des Jahres 2007 in den Schlagzeilen, als dort die friedlichen Proteste einiger Mönche brutal zerschlagen wurden. Nun ist Myanmar wieder in den Schlagzeilen und wieder zeigen diese nicht in eine positive Richtung.

Das Unheil namens `Nargis`

Seit nun mehr 46 Jahren herrscht in Myanmar, welches man vorher auch als Burma bzw. Birma kannte, eine schreckenvolle Militärjunta die Menschenrechte mit den Füßen tritt. Die Militärs haben das Land fast komplett von dem Rest der Welt isoliert. Dieser Fakt führte schon im allgemeinen zu einer nicht allzu positiven wirtschaftlichen Lage des Landes mit etwa 54 Millionen Einwohnern. Einer der Faktoren, warum sich die Machthaber in Myanmar so verhalten können ist, dass die Chinesen aus wirtschaftlichen Interessen die Militärs tolerieren bzw. unterstützen. Das China mit dem Umgang von Menschenrechten in Myanmar kein Problem hat, versteht sich von selbst. Genau wie in der Tibetproblematik, hat sich aber auch hier seit dem Herbst letzten Jahres gezeigt, wie schnell sich die Weltgemeinschaft nicht mehr für das Leid eines Volkes interessiert. Denn schon kurze Zeit nach den Nachrichten über die angesprochenen friedlichen Proteste der Mönche, verschwand Myanmar wieder aus den Schlagzeilen. Leider ist davon auszugehen, dass es Tibet spätestens nach den Olympischen Spielen nicht anders ergehen wird.

Nun ist seit dem Wochenende Myanmar wieder in den Medien und der Anlass ist dies Mal ein noch schrecklicherer. Denn in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai wirbelte der Zyklon `Nargis` über das Land und verwüstete große Teile des Landes, welches mit einer Fläche von circa 680.000 Quadratkilometern fast doppelt so groß ist wie Deutschland. Laut Angaben des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland wurde über die Provinzen Yangon Division, Ayeyarwady Division, Bago Division, Mon State und Kayin State der Ausnahmezustand verhängt. Wie viele Menschen bei dieser Katastrophe ums Leben kamen ist noch nicht abzusehen. Im Moment geht man von mehreren Zehntausenden aus, wobei man auch leider damit rechnen muss, dass diese Zahlen noch ansteigen werden. Vergleichsmäßig war `Nargis` gar kein so heftiger Wirbelsturm, denn er erreichte nur Windgeschwindigkeiten von bis zu 192 Stundenkilometern. Allerdings erwischte er zu einem großen Teil das südwestlich, am Golf von Bengalen liegenden Irawadiflussdelta, wo der knapp 2.200 Kilometer lange Irawadifluss, auf einer Fläche von circa 40.000 Quadratkilometern, in den Indischen Ozean mündet. Da hier in den letzten Jahren massiver Raubbau an den, das Delta schützenden, Mangrovenwäldern getrieben wurde, forcierte dies die Katastrophe natürlich noch ein Mal um ein Vielfaches. Auch die früherer Hauptstadt des Landes Rangun und ihre über 5 Millionen Einwohner, wurden schwer getroffen und auch hier ist von einer sehr hohen Zahl an Toten, wie auch an Obdachlosen auszugehen.

Die Katastrophe wird sich fortsetzen

`Nargis`, der auch eine circa drei Meter hohe Flutwelle mit sich brachte, zerstörte in diesem Land, welches wie beschrieben etwa doppelt so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland, nicht nur Gebäude und einen großen Teil der Infrastruktur, wie zum Beispiel Straßen und Bahntrassen, sondern auch den größten Teil der Ernte. Dies ist nur einer von mehreren Punkten, warum sich diese Katastrophe noch lange fortsetzen wird. Denn in Zeiten, wo auf der ganzen Welt Krisen und Unruhen wegen Lebensmittelknappheit ausbrechen, muss man davon ausgehen, dass sich das Potential der Katastrophe hier noch ein Mal vervielfachen wird. Natürlich haben die Militärherrscher umgehend damit begonnen bündelweise Geld an die Bevölkerung zu verteilen, allerdings ist davon auszugehen, dass die Zielsetzung dieser Hilfe nicht nach Bedürftigkeit gewählt wurde, sondern viel mehr danach, ob man in irgendeinem Kontext zur Regierungsclique steht oder nicht. Denn, wie ernst es den Generälen mit ihrer Hilfe für das eigene Volk ist, hat nicht nur die Vergangenheit gezeigt. Als Weihnachten 2004 der Tsunami die Region heimsuchte, verzichtete bzw. wehrte man sich massiv gegen ausländische Hilfe. Dies Mal ist es ein wenig anders.

Die Regierung von Myanmar hat festgestellt, dass sie alleine nicht mehr in der Lage ist, die Katastrophe in den Griff zu bekommen und somit sind sie dies Mal mit der Hilfe ausländischer Hilfskräfte einverstanden. Trotzdem gibt es wohl noch immer massive Probleme bei der Vergabe von Visa, die dann auch meist nur für ein regional stark beschränktes Areal gelten. Möchte man dieses verlassen, braucht man wieder Sondergenehmigungen, die dann auch wieder problemlos wochenlang brauchen können, bis sie erteilt sind. Dies behindert natürlich die Menschen, die der Bevölkerung mit Trinkwasser, Zelten und Nahrungsmitteln helfen wollen, massiv. Wichtig ist zur Zeit vor allem auch die Trinkwasserversorgung und die hygienischen Begebenheiten in die richtigen Bahnen zu lenken, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern. Das traurige Ende dieser Katastrophe scheint aber leider auch ein Mal mehr festzustehen, denn neben unzähligen Toten und im Moment erhöhen sich die Zahlen täglich noch massiv, wird Myanmar danach wieder aus dem Blickwinkel der Weltöffentlichkeit verschwunden sein und die ganz normale Katastrophe, die in diesem Land nun schon seit 46 Jahren anhält, wird sich fortsetzen.

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Kategorie: Free Tibet · Gesellschaft · Umwelt · Wirtschaft

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